Passion Ensemble Octav beeindruckt mit Brahms

Jeder gestalterische Akzent war durchdacht: Ensemble Octav und Capella Laurentiana überzeugten in Süßen.
Jeder gestalterische Akzent war durchdacht: Ensemble Octav und Capella Laurentiana überzeugten in Süßen. © Foto: Staufenpress
Süßen / Lilli Ell 11.04.2017

Es gehört schon zur Tradition am Palmsonntag, dass in der Neuen Marienkirche in Süßen ein Kirchenkonzert mit dem Ensemble Octav stattfindet. In diesem Jahr wurde „Ein deutsches Requiem“ von Brahms aufgeführt, als Koproduktion mit der Capella Laurentiana aus Nürtingen.

„Ein deutsches Requiem“ gilt als Schlüsselwerk der Oratoriengeschichte. Johannes Brahms war erst 33 Jahre alt, als er seine Trauermusik schrieb, ausgelöst wohl durch den Tod Robert Schumanns. Neu bei Brahms war, dass er den Chor in den Mittelpunkt rückte. Genau dieser Intention folgten die Chorleiterinnen Angelika Rau-Culo, Klavier, und Katharina Weißenborn, die den Sopran verstärkte und gleichzeitig das Konzert umsichtig dirigierte.

Besetzt mit erfahrenen Sängerinnen und Sängern, agierte der Chor wie aus einem Guss. Erfahrung gepaart mit eleganter Stimmführung und hoher Musikalität gaben dem Konzert eine Tiefe und klangliche Vielfalt, die stellenweise sehr bewegend wirkte, ohne die schlanke Linienführung und die Durchsichtigkeit vermissen zu lassen.

Sichere Intonation und Homogenität, transparentes Klangbild und immer wieder eine ruhige Ausstrahlung, besonders in den kontemplativen Phasen, lösten beim Publikum Momente tiefster Bewegung aus. Musik und Texte standen in bestem Einklang und ergänzten sich. Jedes Pianissimo, jeder gestalterische Akzent waren durchdacht. Der Abschluss des Werkes erschien dann in einem versöhnlichen Ausklang.

Der Kreis zum Beginn des Werkes schloss sich, musikalisch und auch vom Text her gab es Rückbezüge. Das Werk endete nicht triumphal, sondern in einem leichtfüßigen Pianissimo, analog zum Anfangssatz.

Angelika Rau-Culo und Elena Benditskaia am Klavier waren ihrer Aufgabe ganz und gar gewachsen, kraftvolles Fortissimo wechselte mit zartem, filigranem Piano ab und ließen in jeder Phase dem Chor, wie von Brahms gedacht, den Vorrang. Auch die Solisten Miriam Burkhardt, Sopran, und Kai Preußker, Bariton, setzten weitere schöne Akzente, indem sie die Absicht von Komponist und Leitung fortsetzten.

Atemlose Stille, nachdem der letzte Ton verklungen war, ließ Zeit zum Nachsinnen, bevor minutenlanger, verdienter Beifall aufbrandete. Dieses Requiem zeichnete einen würdigen Beginn der Passionswoche. Lilli Ell