Innenstadt Emsiges Treiben rund ums Stadtsofa

SWP Grafik
SWP Grafik © Foto: SWP Grafik
Göppingen / Arnd Woletz 19.01.2018
Die konkreten Pläne für den neuen Bahnhofsplatz gehen ins Stadtparlament. Statt Autos sollen Menschen den Platz beherrschen.

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass der Gestaltungswettbewerb für den Bahnhofsplatz entschieden wurde. Jetzt geht es  auf die Zielgerade: Wenn der Gemeinderat am Donnerstag den Ausführungsplänen zustimmt, werden die Arbeiten ausgeschrieben.

Zentrales Element der Platzgestaltung ist das 61 Meter lange und zwischen 1,20 Meter und drei Meter breite sogenannte Stadtsofa. Es ist stellenweise unterbrochen, zieht sich aber ansonsten in einem Knick über den Platz. Gebaut wird es aus Holzelementen, die auf eine stählerne Unterkonstruktion geschraubt werden. Man kann darauf liegen oder sitzen, an manchen Stellen  mit seniorengerechten Armlehnen. Das  Mammut-Möbel schlägt mit 345 000 Euro zu Buche, allerdings sieht die Verwaltung auch noch  100 000 Euro Einsparpotenzial durch eine einfachere Ausführung.

Gepflastert wird die  7600 Quadratmeter große Platzfläche mit glattgesägten Granitsteinen, analog zum Schlossplatz oder Kornhausplatz. Man habe darauf geachtet, etwas Dauerhaftes und Hochwertiges zu schaffen, erläuterte Stadtplanerin Susanne Mehlis. Das solle ein Signal setzen, „denn sonst herrscht   am Bahnhof ein Milieu, das ziemlich hässlich abrutschen kann“.

Die nötige Beleuchtung wird unter anderem  am Kreissparkassenturm angebracht. Der Platz soll mit mehreren Standorten für  Freiluft-Gastronomie ausgestattet werden. Unter dem neuen,  etwa 50 Meter langen Dach entlang des Bahnhofsgebäudes wird es eine Informationszentrale für die verschiedenen  am Bahnhof konzentrierten  Verkehrsmittel geben, eine sogenannte Mobilitäts-Säule. Platz finden außerdem ein Standort für den Weihnachtsbaum, die Tiefgaragen-Ausgänge und eine Taxizone   und ein paar Kurzzeitparkplätze am Rand. Ansonsten werden Autos vom Bahnhof verschwunden bleiben. Welches denn der kürzeste Fußweg sei, wenn man jemanden  mit dem Auto zum Bahnhof bringe, wollte Stadtrat  Horst Wohlfart (FDP/FW) in der Vorberatung wissen.  Werner Hauser, Leiter des Fachbereichs Tiefbau, Umwelt und Verkehr,  nannte drei Möglichkeiten: Entweder in der Tiefgarage bis zum Treppenaufgang fahren,  entlang der Bahnhofstraße oder vor dem Haus Gutmann die Kurzzeitparkplätze benutzen. Künftig können Autofahrer dank eines neuen Kreisverkehrs auch wieder direkt nach Norden über die Freihofstraße in die Grabenstraße aus dem Bahnhofsbereich ausfahren.

Neben viel Zustimmung, gab es im Ausschuss aber auch einige Fragen und Kritikpunkte. Kopfzerbrechen bereiten mal wieder die Kosten. Wegen einiger neu aufgenommener Leistungen klettert die veranschlagte Summe für die Platzgestaltung ab der Oberkante Tiefgarage um etwa eine halbe Million auf gut 4,9 Millionen Euro.  Michael Freche (Piraten) sagte, ihn störe dabei, dass Kosten drauf gesattelt worden seien, die eigentlich von Anfang an in die Planung hinein gehört hätten. „Ich würde mir wünschen, dass  mit uns ehrlich umgegangen wird“.

Umstritten war im Ausschuss, ob die Stadt tatsächlich  90 000 Euro ausgeben soll, um das Postgebäude, das dem Energieversorger Albwerk gehört, mit einer geschwungenen Treppe barrierefrei zugänglich zu machen. Das sei Aufgabe des Eigentümers, fanden mehrere Stadträte.

Eine Lok soll auf Märklin hinweisen

Hingucker In der Taxizone könnte auch eine kleine Diesellok, Baujahr 1940, stehen, die im Göppinger Bahnhofsviertel einst zum Stadtbild gehörte und von 1972 bis in die Neunzigerjahre bei der Firma Wackler im Einsatz war. Die Firma würde die Lok restaurieren und  der Stadt leihen, berichtete Baubürgermeister  Helmut Renftle. Die Lok soll auf Göppingens Tradition im Modellbahn-Bau hindeuten. „Ich werde oft von Besuchern angesprochen,  die sich wundern, dass es bei uns keinen Hinweis auf Märklin gibt.“

Bahnhof Immer wieder ärgern sich die Göppinger Stadträte, dass rund um den Bahnhof viele Millionen investiert werden, der Bahnhof selber aber immer mehr vergammelt.  Das ärgere auch die Stadt, räumte der Baubürgermeister ein. Ein Schreiben aus dem Management der Bahn AG lasse aber erstmals Hoffnung aufkommen, dass der Konzern ab 2019 nachzieht und sich um die Aufwertung kümmert, erklärte Renftle. „Vielleicht ein Lichtblick“. Das Angebot der Stadt, den Bahnhof zu kaufen, habe das Verkehrsunternehmen aber abgelehnt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel