Göppingen Empfang für Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher

Inge Auerbacher (r.) mit dem Verdienstorden des Landes - auf dem Tisch steht ein Bild ihrer Großeltern Betty und Max Lauchheimer.
Inge Auerbacher (r.) mit dem Verdienstorden des Landes - auf dem Tisch steht ein Bild ihrer Großeltern Betty und Max Lauchheimer. © Foto: Nadja Kienle
NADJA KIENLE 23.04.2013
Das Jugendcafé "Moccalino" in Jebenhausen öffnete seine Pforten zu einem bewegenden Empfang, zu dem der Verein Haus Lauchheimer geladen hatte - zu Ehren der Holocaust-Überlebenden Inge Auerbacher.

Etliche Gäste jeden Alters hatten sich am Sonntag im Jugendcafé "Moccalino" in Jebenhausen zu einem Empfang zu Ehren von Inge Auerbacher versammelt, zu dem der Göppinger Verein Haus Lauchheimer geladen hatte. Die Holocaust-Überlebende, die einige Jahre ihrer Kindheit in Jebenhausen verbracht hatte, wurde von den Besuchern herzlich empfangen, und es floss auch so manche Träne der Rührung beim Wiedersehen mit Freunden und Bekannten. Am Samstag war sie in Stuttgart für ihr großes Engagement zugunsten von Toleranz, Versöhnung und Frieden von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden.

Christine Lipp-Wahl, die Vorsitzende des Vereins Haus Lauchheimer, der sich für den Erhalt des Hauses mit der Nummer 23 am ehemaligen "Vorderen Judenberg" stark macht, erläuterte im Rahmen des Empfangs: "Bei dem Gebäude handelt es sich um das einstige Wohnhaus von Inge Auerbachers Großeltern Max und Betty Lauchheimer." Das Haus ist ein staatlich anerkanntes Kulturdenkmal, dem jedoch der Abriss droht.

Die heute in New York lebende Chemikerin und Autorin Inge Auerbacher verbrachte ebenfalls Jahre ihrer Kindheit in diesem Haus: Sie wurde 31. Dezember 1934 in Kippenheim im Ortenaukreis geboren, zog dann jedoch im frühesten Kindesalter mit ihren Eltern Regine und Berthold Auerbacher nach Jebenhausen zu den Großeltern, erzählte sie den Gästen des Empfangs. "An diese Zeit habe ich auch wunderschöne Kindheitserinnerungen." In diesen Kindheitstagen habe sie dort mit allen Kindern spielen können. Die Bevölkerung von Jebenhausen - die damals etwa zur Hälfte jüdische Wurzeln hatte - sei damals auch offener gewesen, berichtet sie.

"Als mein Großvater nach einer Schutzhaft im Konzentrationslager nach Jebenhausen zurückkehrte und verstarb, wohnten viele Menschen aus dem Ort seiner Beerdigung auf dem jüdischen Friedhof bei, obwohl dies damals nicht ganz unproblematisch war." Die Gräuel des Dritten Reichs machten allerdings dann auch vor der Familie Lauchheimer und Auerbacher nicht Halt: Im Jahr 1941 wurde Betty Lauchheimer nach Riga deportiert und ermordet, während Inge Auerbacher mit ihren Eltern in sogenannte "Judenhäuser" an die Göppinger Metzgerstraße umgesiedelt wurde. "Wir wurden enteignet und verloren unser Haus in Jebenhausen", erzählt die heute 78-Jährige. Sie durfte als kleines Mädchen auch nicht die örtlichen Schulen besuchen, sondern musste täglich zu einer jüdischen Schule nach Stuttgart mit dem Zug fahren.

Im Jahr 1942 wurde sie als siebenjähriges Mädchen dann mit ihren Eltern ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, wo sie drei schreckliche Jahre durchlebte, bevor sie alle zusammen befreit wurden. Ihre Erfahrungen während des Dritten Reichs fasste sie in ihrem in viele Sprachen übersetzten Buch "Ich bin ein Stern" zusammen, das sich viele der Besucher gestern von ihr signieren ließen. Die jüdische Autorin verfasste noch weitere Bücher und hält weltweit Vorträge. Nun winkt ihr auch eine hohe Auszeichnung der Stadt Göppingen: "Im Gemeinderat wurde beschlossen, dass Inge Auerbacher im November mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet wird", verkündete Oberbürgermeister Guido Till beim Empfang am Sonntag.