Göppingen Elektronischer Detektiv

Ein Göppinger hat im August 1988 am Technologiezentrum eine neue Methode entwickelt, mit der extrem schwache Fingerabdrücke sichtbar gemacht werden konnten. Foto: Archiv
Ein Göppinger hat im August 1988 am Technologiezentrum eine neue Methode entwickelt, mit der extrem schwache Fingerabdrücke sichtbar gemacht werden konnten. Foto: Archiv
Göppingen / ELKE BERGER 17.08.2013
Ganoven müssen zittern. Am Göppinger Technologiezentrum wurde im August 1988 eine neue Methode entwickelt, mit der extrem schwache Fingerabdrücke sichtbar gemacht werden können.

Mit einer speziellen Bedampfungstechnik macht ab August 1988 der Forscher Dr. Christian Hradecky vom Göppinger Institut für analytische Rasterelektronenmikroskopie Fingerabdrücke unter dem Mikroskop sichtbar. Dabei handelt es sich speziell um Abdrücke, die nur undeutlich erkennbar oder verwischt sind und ein Laie auf den ersten Blick als Fettfleck abtun würde. Durch Hradeckys Entwicklung sind die Abdrücke plötzlich in einer unglaublichen Klarheit erkennbar, wie die NWZ am 13. August 1988 berichtete. Damit ließe sich ein sauberes Bild der charakteristischen Linien eines Fingerabdrucks, der so genannten Minutien, erstellen.

Die Methode des Wissenschaftlers dürfte der Kriminalpolizei bislang ungeahnte Möglichkeiten eröffnen, die Staatsanwaltschaft deckte das Institut gleich nach der Bekanntmachung der Entwicklung mit Aufträgen ein. Dr. Hradecky hatte ein Super-Elektronenmikroskop zu bisher einmaliger Präzision ausgebaut. Das Gerät vermochte die Fläche von einem Quadratmillimeter so enorm zu vergrößern, dass sie mehr als ein Fußballfeld bedecken könnte.

Auch die Industrie nutzte die neue Möglichkeit für die Untersuchung verschiedener Materialien und selbst die Archäologie kann einige Kapitel im Geschichtsbuch neu schreiben. Schon einige Wochen zuvor hatte Hradecky für Furore gesorgt, als er die Farbe einer 37 000 Jahre alten Höhlenmalerei untersucht hatte und beweisen konnte, dass die Farbe einst künstlich hergestellt wurde. Bei der Analyse eines Reliquien-Pulvers aus dem 15. Jahrhundert konnte der Wissenschaftler nicht nur nachweisen, dass es sich tatsächlich um die sterblichen Überreste eines Menschen handelte, sondern auch, welche Blutgruppe dieser hatte und dass der Verstorbene an einer Pilzinfektion gelitten hat. Nur den Name des Toten wird weiterhin ein Geheimnis bleiben.

Was sonst noch geschah . . .
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