Wirtschaft Electrostar verteidigt seine Handtrockner

Reichenbach/Fils / Axel Raisch 25.10.2016

Handtrockner, wie sie auch die Reichenbacher Firma Starmix herstellt, waren durch eine Studie der Uni Helsinki in Verruf geraten. Teilweise zu Unrecht, wie eine Untersuchung des Bundesumweltamtes zeigt.

Elektrische Handtrockner als Bakterienschleuder – diese Meldung verunsichert Verbraucher bereits seit dem Jahr 2013. Eine Vergleichs-Studie von vier üblichen Händetrocknungssystemen des Hjelt Instituts für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Helsinki stellte Lufthändetrocknern vor drei Jahren ein schlechtes Zeugnis aus: Die Reduktion der Bakterien liege unter der Norm, hieß es. Zudem sei im Umkreis von einem Meter die Belastung mit Erregern sehr groß. Baumwoll- und Papierhandtücher entfernten Bakterien demnach bedeutend besser.

Der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Textil-Service Wirtex, Dr. Andreas Marek, betont daher auch, dass „Stoffhandtücher eine hygienische Art der Hand­trocknung sind“.

Als heiße Luft bewertet man dagegen die Ergebnisse bei der Reichenbacher Firma Electrostar/Starmix. Die Studie, die im Auftrag der Etsa (European Textile Services Association) sowie der Wirex, also von Verbänden, in denen sich Textilhandtuch-Hersteller zusammengeschlossen haben, erstellt wurde, sei unbrauchbar.

„Der Grund für die verzerrte Darstellung der Ergebnisse liegt oftmals im Interesse der Auftraggeber. Sämtliche Erhebungen, die negative Ergebnisse für die Händetrockner nachwiesen, wurden von Verbänden wie der Etsa in Auftrag gegeben“, sagt der Geschäftsführer von Electrostar/Starmix, Roman Gorovoy.

Kritisiert wird seitens des Reichenbacher Elektrogeräteherstellers vor allem, dass bei der von den beiden Branchenverbänden in Auftrag gegebenen Studie die Hände zunächst in eine Bakteriensuspension getaucht und dann sofort getrocknet wurden. Mit der Realität habe dieses Vorgehen – ohne die Hände vor dem Trocknen zu waschen – wenig zu tun, findet man bei der Firma Starmix und verweist auf eine „unabhängige Studie“ des Umweltbundesamtes (UBA). Sie sei zu dem Ergebnis gekommen, dass alle marktüblichen Systeme zur Händetrocknung hygienisch unbedenklich seien.

Dr. Hans-Hermann Eggers vom Umweltbundesamt bestätigt, dass eine hygienische Betrachtung der Händetrocknungssysteme im Rahmen eines vom UBA herausgegebenen Leitfadens, bei dem Hand­trockner als ein Fallbeispiel betrachtet worden seien, ergeben habe, dass bei allen Systemen keine Bedenken bestünden. „Bei Gebläsetrocknern empfiehlt das Umweltbundesamt jedoch einschränkend, dass diese nicht in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern eingesetzt werden sollten“, so der UBA-Fachbereichsleiter gegenüber der NWZ.

„Dank oftmals integrierter Filter ist die Luft, die zum Trocknen an die Hände gelangt, bereits von Bakterien gereinigt. Aber auch Händetrockner ohne Filter sind gesundheitlich absolut unbedenklich“, versichert dagegen der Starmix-Geschäftsführer. Die ausgeblasene Luft setze etwa eine so hohe Keimbelastung frei wie sie beim Aufhängen eines Mantels im Raum verteilt werde.

Derweil geht der Wettbewerb in dem hart umkämpften Markt in eine neue Runde. Nach der Hygiene soll nun gemessen werden, wer in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn hat. Wirtex-Geschäftsführer Dr. Andreas Marek kündigt noch für dieses Jahr die Veröffentlichung einer Vergleichsuntersuchung zwischen Papier und Stoffhandtüchern an und betont: „Das Kreislaufmodell des Textil-Service, in dem langlebige Miettextilien eingesetzt und wiederverwendet werden, ist per se ein nachhaltiges System.“

Bei Starmix verweist man auf die neueste Generation der Trockner, die so genannten Jetstreams, die mit einem Luftstrom in Höchstgeschwindigkeit arbeiten. Sie wiesen in der Kategorie Treibhausgaspotenzial die geringste Belastung auf, zitiert man bei Starmix aus einer Öko­blianzstudie des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), das die Umweltverträglichkeit von Papier- und Baumwollhandtüchern, Warmluft- sowie Highspeed-Händetrocknern verglichen habe.

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