Göppingen/Wangen Eldorado für den Specht

Göppingen/Wangen / NADJA KIENLE 09.08.2012
Das "Stauferhäule" bei Wangen ist ein Paradies für den Schwarzspecht. Vogelfreunde erforschen das Reservat seit langem. Auch der Nabu freut sich über den Specht-Wald, den ihm die Stadt Göppingen überließ.

Nördlich von Wangen, im Gewann "Stauferhäule", befindet sich ein wertvolles Waldreservat, in dem seit vielen Jahrzehnten ununterbrochen der größte europäische Specht zu Hause ist - nämlich der Schwarzspecht. Für den schwarz-gefiederten Gesellen mit der auffälligen roten Scheitelfärbung bietet dieses mehrere Hektar große Waldgebiet mit seinem sehr alten Bestand an Rotbuchen ideale Lebensbedingungen: Die uralten Buchen, teilweise über 200 Jahre alt, dienen dem Specht als Höhlenbäume, in welche er seine Brut- und Schlafplätze zimmern kann. Der Schwarzspecht brütet zwar auch in Misch- und Kiefernwäldern, aber: Im östlichen Schurwald sei der "typische Höhlenbaum die Rotbuche", so der Reutlinger Ornithologe Luis Sikora, der das dortige Schwarzspecht-Vorkommen seit rund 40 Jahren umfassend dokumentiert.

Die Schwarzspechte im "Stauferhäule" gerieten erstmals Ende der 60er Jahre in das Visier von begeisterten Naturfreunden: Zusammen mit Wolfgang Witke aus Holzhausen baute der Albershäuser Naturfotograf Heinz Wagner dort einen Hochstand für schöne Aufnahmen. "Für den Bau holten wir uns die Genehmigung des Stadtförsters ein", erinnert sich Wagner, der auch mit 78 Jahren seinem großen Hobby mit Leidenschaft nachgeht. Luis Sikora, der in Holzhausen aufwuchs, entdeckte diesen Hochsitz als Jugendlicher und lernte schließlich auch Witke kennen, wobei er für die Schwarzspechte Feuer fing. Gemeinsam mit Witke begann er die auffälligen Vögel im östlichen Schurwald genauestens zu beobachten. Dabei fiel ihnen das "Stauferhäule" mit seinen zahlreichen Schwarzspecht-Höhlen besonders ins Auge. Dank ihres vereinten Engagements zählt es heute zu den am besten erforschten Schwarzspecht-Biotopen in Deutschland.

Der Schwarzspecht spiele eine große Rolle im Ökosystem Wald, denn seine Baumhöhlen würden auch noch von vielen anderen Tierarten genutzt, erklärte der Reutlinger Schwarzspecht-Experte bei einer Exkursion. Als "Nachmieter" der Höhlen gelten neben Hohltauben beispielsweise Kleiber, Dohlen, Raufußkauze oder auch Bienen, Hornissen und Fledermausarten. Damit tragen die Schwarzspechte erheblich zum Erhalt der Artenvielfalt des Waldes bei.

"Neben rund 100 jungen Schwarzspechten sind im Stauferhäule seit der Erfassung auch 500 Hohltauben ausgeflogen", erzählt Dr. Wolfgang Rapp, Vorsitzender des Nabu-Göppingen. Rapp freut sich dabei ganz besonders darüber, dass der besondere "Specht-Wald" mit den speziell markierten Höhlenbäumen vor zwei Jahren von der Stadt Göppingen symbolisch an die Nabu-Gruppe übertragen wurde und seither weitestgehend sich selbst überlassen ist. Damit ist auch zukünftig garantiert, dass das Areal ein Eldorado für den neugierigen Specht bleibt. An Leckerbissen fehlt es ihm dort nicht: Neben Spinnen, kleinen Schnecken und Ameisenarten frisst der Waldpionier nämlich auch spezielle holzbewohnende Käfer und Larven.

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