Göppingen Eissport auf Tischtennisplatte

Ein Tisch-Eishockeyspiel, zu dem nicht einmal Schlittschuhe erforderlich sind, ist beim Aktivspielplatz in Ursenwang gebaut worden. Foto: Elke Berger
Ein Tisch-Eishockeyspiel, zu dem nicht einmal Schlittschuhe erforderlich sind, ist beim Aktivspielplatz in Ursenwang gebaut worden. Foto: Elke Berger
ELKE BERGER 06.02.2012
Rekordtemperaturen von bis zu minus 25 Grad lassen derzeit nicht nur Katzen hinter dem Ofen verschwinden. Doch einige Ursenwanger trotzen dem Wetter kurzweilige Nachmittage ab.

Wir befinden uns im Jahre 2012. Ganz Deutschland leidet unter der klirrenden Kälte. Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Eishockeyspielern bevölkerter Abenteuerspielplatz in Ursenwang hört nicht auf, den Temperaturen Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die dick vermummten Gestalten, die die ehemalige Tischtennisplatte des Aktivspielplatzes umlagern.

"Wenn wir schon keinen Schnee haben, in dem sich die Kids austoben können, dann nutzen wir wenigstens die Kälte aus", meint Lothar Ober, Sozialpädagoge und Leiter des Ursenwanger Aktivspielplatzes Aki. "Ein selbstgebauter Holzrahmen und einige Eimer Wasser aus dem Weilerbach haben ausgereicht, um unsere Tischtennisplatte in eine Eishockeyplatte zu verwandeln." Einige Jugendliche haben ihm geholfen.

An Tatkraft seitens der Kinder und Jugendlichen mangelt es im Aki sowieso nie. Deswegen seien sie schließlich hier, meint Ober. Innerhalb eines Tages war das "Schwimmbad" zu einer drei Zentimeter dicken Eisplatte erstarrt - bei den momentanen Temperaturen kein Wunder.

Auch die Schläger und der Puck sind in Eigenarbeit hergestellt. Doch anstatt nur zu spielen, rief Ober sogleich ein Eishockey-Turnier aus für den Freitagnachmittag. Geübt hatten einige bereits am Donnerstag. Wer da noch nicht am Boden festgefroren war, meldete sich zum Wettkampf. Zwölf kälte-resistente Teilnehmer finden sich. Mädchen wie Jungen, Kinder wie Jugendliche. Wer keine Handschuhe dabei hat, leiht sich welche fürs Spiel. Die restliche Zeit bleiben die Hände in den Hosentaschen.

In Altersgruppen aufgeteilt werden zuerst die Gruppensieger erspielt, dann kommen die Finalspiele. Verbissen kämpfen manche um jeden Punkt, aber nie ohne Spaß. Mit viel Geklapper saust der Puck über das Feld und donnert gegen Banden und Schläger. "Die gegnerische Bande bringt einen Punkt, das Tor zwei Punkte. Gespielt wird bis zehn", erklärt Ober. Wenn am Ende die Gewinner der jeweiligen Altersstufen gegeneinander antreten müssen, sieht es auf den ersten Blick doch etwas ungerecht aus, doch der Sozialpädagoge gesteht jedem Jüngeren im Zweikampf einen Vorsprung zu: Pro Lebensjahr Unterschied gibt es einen Punkt.

Während des Turniers verschwinden plötzlich einzelne Zaungäste vom Spiel. Zu finden sind sie in der nahe gelegenen Werkstatt, wo der bollernde Holzofen sie die Außentemperaturen für eine Moment vergessen lässt. "Wenn es so kalt ist, unternehmen wir auch oft etwas drinnen", sagt Florian Hüttner, einer der Jugendlichen. Zumindest so lange kein Eishockeyturnier stattfindet oder andere Bewegungsspiele für draußen angeboten werden. Dann wird gebastelt, gemalt, gewerkelt oder gespielt. Die Ideen dazu sind Lothar Ober in seinen 23 Dienstjahren noch nicht ausgegangen. Auch eine Faschingsfeier im "Six2Nine", ein Museumsbesuch in Stuttgart oder Schlittschuhlaufen in Adelberg gehören zum Programm. Doch jetzt muss er sich erst mal um das Eishockeyturnier kümmern. Die Finalspiele müssen kurzfristig auf Samstag verschoben werden.

Frisch aufgetaut sichert sich da der neunjährige David Schneider mit 10:5 gegen Edgar Krieger den dritten Platz, Björn Urban triumphiert über Florian Hüttner und gewinnt das Turnier - sogar ohne Zaubertrank. Lothar Ober überreicht Preise an alle vier. "Süßigkeiten gibt"s und ein Krimi-Rätselbuch für den Ersten", verrät er. Wer möchte da nicht siegen?