Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“, steht im Evangelium nach Matthäus. Seit der Christianisierung Europas war es womöglich noch nie schwerer als jetzt, sonntags im Namen Jesu zusammenzukommen. Um das Coronavirus einzudämmen, sind die Gotteshäuser für die Gläubigen geschlossen, sie können keine Messe besuchen.

Die Eislinger Pfarrer Bernhard Schmid und Frieder Dehlinger erläutern, wie sie versuchen, den seelsorgerischen Kontakt mit den Mitgliedern ihrer Kirchengemeinden aufrecht zu erhalten: Sie setzen aufs Internet, aber auch ganz analog auf die Glocken ihrer Gotteshäuser.

Der katholische Pfarrer Schmid wird an diesem Sonntag in der Markuskirche zur gewohnten Zeit allein einen Gottesdienst zelebrieren. Vielleicht werde noch der Mesner dabei sein. „Eine außergewöhnliche Situation“, sagt Schmid. Die Gläubigen werden keinen Zutritt haben, sie können aber über die Kirchenglocken, die wie zum üblichen Ablauf vor und während der Messe geläutet werden, teilhaben. Der Pfarrer will damit signalisieren, dass auch in dieser „extremen Notsituation“ der Gottesdienst gefeiert werde. Die Gläubigen könnten daheim mitbeten oder auch im Fernsehen Gottesdienste verfolgen. Eine Videoübertragung aus St. Markus sei technisch nicht möglich, erläutert der Pfarrer.

Die Glocken aller Eislinger Kirchen läuten

Schmid berichtet, dass die Eislinger Kirchen zudem vereinbart haben, dass immer mittwochs um 19 Uhr die Glocken der vier Eislinger Kirchen läuten sollen. „Das soll die Menschen zum gemeinsamen Gebet einladen – für die Kranken, für die, die arbeiten“, erläutert der Pfarrer. Dazu werden Gebetstexte zusammengestellt und ausgelegt. Eventuell wird man die Gebete auch im Internet abrufen können.

Die katholischen Gotteshäuser werden den Tag über geöffnet sein. Das soll den Gläubigen die Möglichkeit zum persönlichen Gebet geben. Schmid möchte  auch schriftlich eine Predigt ausarbeiten. Wer möchte, kann den Text dann lesen.

Frieder Dehlinger, evangelischer Pfarrer der Christuskirche, hat sich ebenfalls Gedanken gemacht, wie er in Zeiten ohne Gottesdienst den Kontakt zu den Mitgliedern der Kirchengemeinde in Eislingen und Ottenbach hält: „Wir sind in seiner sehr ernsten seelsorgerischen Situation.“

Dehlinger will verstärkt das Internet nutzen. Mit einem Newsletter auf der Homepage der Kirchengemeinde (christuskirche-eislingen.de) informieren die Seelsorger über die aktuelle Lage. Zudem möchte Dehlinger einen geistlichen Impuls geben.

Dem Theologen ist bewusst, dass sich in diesen Zeiten besonders viele Menschen einen kirchlichen Beistand wünschen. Man sei dabei, ein Krisenteam mit Ehrenamtlichen zusammenzustellen, das per Telefon den Kontakt mit den Gläubigen herstellt. Von denen hätte jeder ein paar Anrufe zu machen. Das soll verhindern, dass der Faden zu älteren und kranken Menschen abreißt. Denn Geburtstagsbesuche des Pfarrers sind nicht mehr möglich. Besuche seien ausdrücklich untersagt: „Im Moment steht der Infesktionsschutz über allem.“

Taufen, Kommunion, Konfirmation und Firmung müssen Pause machen

Die Pandemie sorgt dafür, dass die Kirchengemeinden Taufgespräche und Taufen aussetzen. Allenfalls Nottaufen, wenn Lebensgefahr besteht, würde es geben. Sind Gespräche nötig, soll möglichst telefoniert werden. Besonders heikel sind Trauergespräche. Wenn Angehörige weit weg wohnen, wurde auch bisher schon telefoniert, sagt Dehlinger. Es sei auch denkbar, mit Abstand ein Trauergespräch im großen Raum des Gemeindehauses zu führen. „Das wäre ein Weg“, meint der Pfarrer.“

Die Pandemie kippt auch den Terminplan für Erstkommunion, Firmung, Konfirmation und kirchliche Hochzeiten. Der Konfi-Unterricht ist ohnehin ausgesetzt. Pfarrer Dehlinger kann sich nicht vorstellen, dass im Mai konfirmiert wird. Sein katholischer Amtsbruder sagt, dass Erstkommunion und Firmung in den Herbst verschoben werden. Pfarrer Schmid möchte über E-Mail und Internet den Eltern helfen, ihre Kinder auf die kirchlichen Sakramente vorzubereiten. „Ich telefoniere gerade sehr viel.“