Wischmops, zumindest den Textilteil der Fußbodenreiniger, sollte die Maschine herstellen, die bei der Eislinger Firma Schmohl Nähautomaten stand. Die Maschine könne alle neun Sekunden einen fertigen Mop produzieren, sagt Schmohl-Geschäftsführer Klaus Bachmann. Die Maschine war vor Jahren ins Remstal geliefert worden und sollte jetzt in Eislingen überholt und dann beim neuen Eigentümer aus der Nähe von Donauwörth aufgebaut werden.

Dann habe der Kunde aber angefragt, ob man mit der Maschine auch Masken für Mund und Nase zum Schutz gegen das Corona-Virus produzieren könne, berichtet Bachmann.

Die Schmohl-GmbH, die Bachmanns Vater als ehemaliger Mitarbeiter vom Firmengründer übernommen hat, ist auf Sondermaschinen spezialisiert, die es nicht von der Stange gibt – zum Beispiel Nähautomaten für Autositze. Manche Kunden suchten Lösungen für neue Produktideen, erläutert Bachmann. Das Unternehmen, das 15 Mitarbeiter beschäftigt, hat also die Maschine umgestellt. Dank der modularen Bauweise seien schon nach zwei Tagen auf einer Bahn Masken produziert worden. Wenige Tage später war auch die zweite Bahn umgerüstet: Seit Anfang April werden in Eislingen am Tag rund 20 000 Gesichtsteile für Masken hergestellt. Bei Donauwörth würden sie dann mit den Gummibändern versehen und vertrieben. Laut Bachmann gehören Großkonzerne wie Edeka und Daimler zu den Abnehmern.

Die Preise für Masken kommen in ruhigeres Fahrwasser

Um den Nähautomaten nicht erst abbauen zu müssen, habe der bayerische Partner angeboten, die Maschine in Eislingen zu lassen und zu kooperieren. Sonst wäre eine Woche verloren gegangen, berichtet der Eislinger. Hergestellt werden Alltagsmasken, die Mund- und Nase bedecken – zum Beispiel bei Einkäufen. „Es gibt einen riesigen Bedarf“, sagt Bachmann. Weil inzwischen aber vielerorts industriell gefertigt werde, sei die Goldgräberstimmung abgeflacht. „Der Markt sättigt sich. Er kommt in ruhiges Fahrwasser. Die Preise für Masken gehen nach unten.“

Für Bachmann ist die Maskenproduktion eine Möglichkeit, in seiner Firma auf Kurzarbeit zu verzichten. Zwei Mitarbeiter stellen im Schichtbetrieb den Mundschutz her. Damit lasse sich einige Zeit überbrücken.

Zutrittsverbote bei Kunden behindern das Geschäft

„Die Auftragslage ist nicht schlecht. Das Auftragsbuch ist gefüllt“, beschreibt Bachmann die Situation seiner Firma. Ein Problem sei aber, dass Werkstätten vieler seiner Kunde derzeit geschlossen seien. „Ich darf nicht rein.“ Das sei aber nötig, um vor Ort die Schnittstellen für die Spezialmaschinen zu definieren. Oft fehle beim Kunden dann auch noch der Ansprechpartner, weil der gerade im Homeoffice arbeitet oder in Kurzarbeit sei.

Der 48-Jährige setzt darauf, dass die anstehenden Lockerungen das Geschäft weiter belebt und Kontakte ermöglicht. „Ich hoffe, dass ich unter Auflagen wieder in die Werke darf.“ Allerdings stellt er auch fest, dass viele Unternehmen wegen der unübersichtlichen und schwierigen Lage bei Investitionen bremsen. Unter diesem Aspekt ist er über die Nischenlage seiner Firma nicht unglücklich: „Ich möchte nicht mit Autozulieferern tauschen.“

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Tage dauerte es, bis der Nähautomat für Bodenwischtücher soweit umgestellt war, dass die ersten Gesichtsmasken vom Band liefen. Jetzt werden 20 000 Stück am Tag hergestellt.