Fritz Attinger hält ein großes schwarz-weiß Foto in einem alten Bilderrahmen in der Hand. Um das junge Brautpaar versammelten sich am 14. April 1950 rund 90 Hochzeitsgäste: "Viele Verwandte und fast das ganze Dorf sind damals zur Hochzeit gekommen", erinnert sich der heute 89-Jährige. Er wurde in Lörrach geboren, als Zehnjähriger zog die gesamte Familie in das damals 620-Einwohner-Dorf Bünzwangen, weil sein Vater dort nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit einen Job gefunden hatte.

Liselotte Maria Attinger, geborene Hummel, und Fritz Attinger lernten sich in der Bünzwangener Schule kennen. Im Alter von 14 Jahren begann sie eine Lehre in Göppingen als Hutmacherin. Jeden Tag musste die junge Frau von ihrem Heimatort Bünzwangen bis nach Uhingen laufen, um dort den Zug nach Göppingen ins Geschäft nehmen zu können. Nachdem das Geschäftshaus zum Ende des Krieges bombardiert und zerstört worden war, musste die heute 87-Jährige ihre Arbeit aufgeben.

Ihren späteren Mann Fritz hielt es nicht so lange in Bünzwangen, denn der damals 14-Jährige besuchte die Militärschule in Neu-Breisach im Elsass. Über Ravensburg und Colmar verschlug es Fritz Attinger ins heutige Saarlouis, wo er in seinem ersten Kriegseinsatz 1944 direkt verwundet wurde. "Mein Bein infizierte sich, es wäre auch fast amputiert worden, aber ich hatte Glück", sagt Attinger, der in seinem Soldatenleben mehrfach verwundet wurde. So wurde ein Infanteriegeschoss erst bei einer Hüftoperation nach 50 Jahren direkt neben dem Knochen gefunden.

Auch beim größten Gefecht des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Territorium, der Schlacht um die Seelower Höhen, war Attinger im Frühjahr 1945 dabei. Nach Kriegsende wurde er mehrmals von Russen und Amerikanern in Berlin und Innsbruck gefangen genommen, floh, schwamm durch die Elbe, um sich zu retten und erhielt in Innsbruck letztendlich seine Entlassungspapiere. Als 18-Jähriger bestieg er schließlich in Innsbruck einen Güterzug Richtung Stuttgart und sprang in Göppingen aus dem fahrenden Wagen. "Ich war sehr gut ausgebildet, das hat wahrscheinlich mein Leben gerettet", resümiert er nüchtern.

"Mir hat an meinem Mann alles gefallen", sagt Liselotte Attinger über den damals sportlichen Stadtbub. Nach der Hochzeit kommt 1950 Tochter Vreni zur Welt, zwei Jahre später folgt Sohn Volker. Erst ein Jahr vor der Eheschließung hatte Fritz Attinger seine Lehre zum Maschinenschlosser absolviert. Die Familie musste mit den Eltern der Ehefrau zusammen wohnen, das Geld war knapp. Als Fritz Attinger 1952 dann seinen Job bei Porsche-Diesel antrat, waren Frau und Kinder oft alleine zu Hause. Geschäftsreisen und Spezialaufträge führten ihn unter anderem nach Schweden, Brasilien und Dänemark bis ihn seine Frau dazu drängte, einen Job als Technischer Lehrer an der gewerblichen Berufsschule in Göppingen anzunehmen.

"Ich glaube, das entscheidende an der Ehe war der große Familienzusammenhalt. Meine Eltern haben viel gemeinsam gemacht, sind verreist, hatten gemeinsame Hobbys. Der gegenseitige Respekt war auch wichtig", sagt Tochter Vreni Denndorf. "Mein Vater hat immer geschaut, dass es meiner Mutter gut geht - und auch umgekehrt." Heute halten ihre vier Enkel und sechs Urenkel die Attingers auf Trab.