Göppingen Eisenbahnfans lassen sich verzaubern

Göppingen / Hannah Reinert, Linda Hofele und Joa Schmid 14.09.2018
Tausende von Besuchern pilgerten am Freitag in die Werkshallen von Märklin. Eine Attraktion war das  Märklineum.

Auf dem Gelände des Modelleisenbahnbauers Märklin herrscht schon um 11 Uhr Hochbetrieb. Die Schlange für die Werkbesichtigung reicht fast bist zum Ausgang des Märklineums. Es gibt eine  Busverbindung von der EWS-Arena zum Werk und auch das Wetter  spielt mit. Die Werksführung ist besonders für die technisch begeisterten Märklin-Fans ein Highlight, zeigt sie doch, wie viel Mühe in einer einzigen Lok steckt. Der Rundgang führt durch sämtliche Abteilungen des Werks,  angefangen bei der Gießerei bis hin zur letzten Kontrolle. Die Mitarbeiter erklären ihre Aufgabenbereiche oder fachsimpeln mit den Veteranen unter den Eisenbahnsammlern. Am Schluss können eingefleischte Bastelfans sogar eine Lok in Selbstmontage zusammenbauen und diese mit nach Hause nehmen. Für Kinder gibt es die Möglichkeit, ihre eigene Lok zu bemalen oder sich mit einem kindgerechten Eisenbahnset ein wenig die Zeit zu vertreiben.

Wie jedes Jahr macht sich auch Erwin Wölfle aus Immenstadt im Allgäu auf den langen Weg zum Tag der offenen Tür bei Märklin. Er ist schon oft hier gewesen. „Ich kam über meinen Vater zur Modelleisenbahn“, erzählt Wölfle. Seit Kindheitstagen begleite ihn diese Marke. Interessant für ihn ist auch die Produktion und Fertigung der Modelle.

Es sind auf jeden Fall mehr Besucher als letztes Jahr“,  schätzt Eric-Michael Peschel. Es seien erstaunlich viele, besonders für einen Freitag, sagt der Leiter des Event-Marketings.  „Wenn man dann sieht, wie viel Arbeit in einer Lok steckt, die Breite und Tiefe der Fertigung, dann versteht man, dass Märklin keine normalen Modelleisenbahnen herstellt“, betont  Peschel.   Ines Pfeffer, Auszubildende für Industriemechanik, beschreibt den Tag der offenen Tür zwar als stressig, aber es bereite ihr auch Freude. Adolf Meyer besucht seit 30 Jahren jeden September Märklin in Göppingen. „Wir verbinden das immer mit einem kleinen Urlaub oder längerem Wochenende, da wir noch einen Enkel hier haben“, erklärt Meyer. Obwohl er das Göppinger Unternehmen schon so oft besucht hat, freut sich der nahe Dortmund lebende Märklin-Fan, dass er jedes Jahr eine neue Abteilung zu sehen bekommt. Er finde  es gut, dass man den Mitarbeitern Fragen stellen kann, erzählt er. Auch die 22 Meter lange Tenderlok BR 441315 erweist sich als Besuchermagnet. „Wir wollten das alles in ein Paket packen“, kündigt Peschel an. Er hat sowohl den Transport der Lok von Heilbronn nach Göppingen als auch die Eröffnung des Märklineums und die Tage der offenen Tür mit organisiert. Drei Projekte auf einmal seien zwar schon anstrengend und er spüre die Anspannung, aber durch die Unterstützung der 474 Werksmitarbeiter sei dies möglich geworden. Auch mit dem Angebot für die jüngere Generation ist Peschel zufrieden. Märklin produziert jetzt die Lok Emma aus Jim Knopf. Ein Vertrag mit Warner macht’s möglich.  „Wir waren mit der Film-Emma auf der Spielemesse und sie war eins der am meisten fotografierten Objekte.“ Von kleinen Kindern bis hin zu ihren Großvätern sind alle Altersklassen vertreten.  „Märklin verbindet Generationen“, sagt Peschel.

Bereits am Donnerstagabend war der erste Teil des Märklineums offiziell eingeweiht worden. Das  Mitbringsel des Kornwestheimer Bürgermeisters Dietmar Allgaier – die 130 Tonnen schwere Tender-Lokomotive 441315 – bildete im Innenhof des Märklin-Areals den Hintergrund für den Empfang der hochkarätigen Gäste aus Politik und Wirtschaft. Die Dauerleihgabe soll künftig auf das neue 11,3 Millionen Euro teure Museum des Modellbahnherstellers hinweisen.  Vor wenigen Tagen ist der Märklin-Store im Gebäude eines früheren Dialysezentrums neben dem Märklin-Stammwerk an der Stuttgarter Straße eröffnet worden.   Nachdem Gewitterwolken aufgezogen waren, wurde die Einweihung in den neuen Verkaufsraum mit Bistro verlagert, in dem  Fans der Traditionsmarke  alles rund um ihr Hobby finden.

Das  3000 Quadratmeter große Museum,  als dessen Herzstück eine Modell-Gebirgseisenbahnanlage vorgesehen ist, wird erst Ende nächsten Jahres eröffnen, wie der geschäftsführende Gesellschafter Florian Sieber ankündigte. „Das machen wir erst dann, wenn alles perfekt ist. Für das Museum wurde ein Firmengebäude geräumt und umgebaut. Tatsächlich soll dort nach dem Miniaturwunderland in Hamburg die zweitgrößte Märklin-Anlage in Deutschland entstehen. Gerd Kehrbach vom Architekturbüro Kehrbach Planwerk aus Schwabach, nach dessen Plänen das Märklineum gebaut wird, bezifferte die Kosten mit einer Million Euro.

Zumindest der Wegweiser zum neuen Museum wurde im Märklin-Store schon angebracht. Edgar Wolff erinnerte daran, dass bereits im Jahre 1900 bei Märklin ein Werksmuseum existiert hat. Der Landrat zeigte sich vom Erfolg des  Märklineums, in dem  die Schätze des legendären Turmzimmers untergebracht werden, überzeugt. „Die Sammlung des belgischen Sammlers Frans Bevers wäre dazu noch das i-Tüpfelchen.“

Das sah der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till ganz genau so. „Wir sind an diesem Thema dran“, versicherte Till. Auch der Kornwestheimer Bürgermeister Dietmar Allgaier hat am Erfolg des Märklineums  keinen Zweifel. Schon wegen der Lok 441315. „Das wird ein Anziehungspunkt, ein  Foto- und Selfiepoint.“

Märklin erwartet bis zu 15 000 Besucher

Märklin erwartet an den Tagen der offenen Tür, die heute von 9 Uhr bis 16 Uhr fortgesetzt werden, bis zu 15 000 Besucher. Im nächsten Jahr soll es dann wieder richtig voll werden. Das Unternehmen rechnet damit, dass zu den Märklintagen und der Internationalen Modellbahn-Ausstellung (IMA) vom 13. bis zum 15. September 2019 wieder bis zu 60 000 Besucher kommen werden. Dann soll auch das Märklineum mit 3000 Quadratmetern Austellungsfläche und der zweitgrößten Märklin-Anlage in Deutschland komplett fertig sein.

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