Göppingen Einzugsgebiet der Mega wächst

Die regionale Bedeutung des Göppinger Schlachthofs nimmt noch zu: In Schorndorf schließt die einzige Großschlachterei im Rems-Murr-Kreis. Foto: Archiv
Die regionale Bedeutung des Göppinger Schlachthofs nimmt noch zu: In Schorndorf schließt die einzige Großschlachterei im Rems-Murr-Kreis. Foto: Archiv
Göppingen / JAKOB KOTH 07.08.2012
Die Bedeutung des Göppinger Schlachthofs in der Region wächst: Künftig kommen vermehrt Kunden aus dem Rems-Murr-Kreis. Im Nachbarlandkreis schließt Ende September die einzige Großschlachterei.

"Die regionale Bedeutung des Göppinger Metzger-Schlachthofes wird weiter steigen." Marc Klaiber, Vorstand der Metzgerei-Genossenschaft Mega, die den Schlachthof betreibt, freut sich, dass die Göppinger Einrichtung Zuwachs bekommt. Künftig werden die Kunden eines Schorndorfer Schlachtbetriebes ihre Tiere in Göppingen schlachten lassen.

Eine Schorndorfer Groß-Metzgerei stellt Ende September den Schlachtbetrieb ein, weil sich dieser Produktionszweig für den Betreiber nicht mehr lohnt. Für die Kunden des einzigen großen Schlachter-Betriebs im Rems-Murr-Kreis bedeutet dies, dass sie künftig ihre Tiere nach Göppingen zum Mega-Schlachthof bringen müssen.

"Für den Schorndorfer Schlachthof-Betreiber rechnen sich die vielen Investitionen nicht, die für eine Überholung nötig gewesen wären", bedauert Ulrich Fritz, Obermeister der Schlachterei-Innung Rems-Murr-Kreis. Denn die Lage des Schlachthofes in Schorndorf sei sehr günstig - der "Idealfall" für die ortsansässigen Kunden, beschreibt Fritz. So wie dem Schorndorfer Betrieb sei es vielen Schlachtereien in letzter Zeit ergangen: "Die gesetzlichen Anforderungen verlangen Investitionen, die für die meisten Betriebe nicht wirtschaftlich genug sind." Eine der Hauptursachen für die mangelnde Rentabilität sei die Vielzahl strenger Hygieneauflagen, beispielsweise für die Kühlung der Fleischprodukte, fährt Fritz fort. Entsprechende Maßnahmen wie der Bau zusätzlicher Kühlräume seien sehr kostspielig und die Anforderung an große Kühlhallen führten oft zu Platzproblemen, betont der Schorndorfer Innungs-Obermeister. "Vor allem für kleinere Betriebe die nur ab und zu schlachten lohnt sich das nicht mehr", erklärt Fritz. Ein Extrem-Beispiel: Ein Betrieb im Remstal habe kurz nach einem aufwändigen und kostspieligen Umbau wieder schließen müssen.

Obwohl Fritz das Aus für den letzten großen Schlachter-Betrieb im Rems-Murr-Kreis bedauert, blickt er dem Umzug der Kunden des Schorndorfer Betriebs zum Mega-Schlachthof Göppingen positiv entgegen: "Der Göppinger Metzger- Schlachthof ist ein sehr moderner Betrieb, der auch in Sachen Tierschutz auf dem neuesten Stand ist", betont Fritz. Mit dem künftigen Kundenzuwachs und den daraus resultierenden höheren Schlachtzahlen, sichere der Göppinger auch das Überleben des Betriebes. Für den Verbraucher ändere sich nichts: "Die Herkunft der Tiere lässt sich sehr genau bestimmen, alle Fakten sind in einem Tierpass sorgfältig dokumentiert", erklärt der Innungsobermeister.

Bei Mega sieht man dem Umzug der Kunden aus dem Rems-Murr-Kreis nach Göppingen gelassen entgegen. "Wir rechnen mit einigen uns bekannten zusätzlichen Metzgerkunden aus dem Rems-Murr-Kreis, die größtenteils langjährige und zufriedene Mitglieder unserer Genossenschaft sind", betont Mega-Vorstand Marc Klaiber. Mit der Verlagerung der Schlachtung von Schorndorf nach Göppingen, rechne man zwar mit einer "deutlichen Ausweitung der Schlachtzahlen", diese könnten aber "im Rahmen des ursprünglichen Schlachtbetriebes" gewährleistet werden.

Klaiber betont, dass die "ohnehin große regionale Bedeutung" des Göppinger Metzger-Schlachthofes, der seit 1878 am Standort ansässig ist, durch den Kundenwechsel "weiter steigen" würde. Der Mega-Vorstand fragt sich, wie die Stadt Göppingen und das Christophsbad Göppingen weiterhin für den Bau eines Klinikneubaus für die Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Fils argumentieren wollen. Seit einiger Zeit schwelt wegen des geplanten Klinikbaus ein Konflikt zwischen dem Christophsbad und der Mega, die durch den Neubau ihren Betrieb in Gefahr sieht. In dem Streit geht es vor allem um den Lärmschutz. Die künftig einzuhaltenden Werte würden den Schlachtbetrieb in seiner jetzigen Form unmöglich machen, argumentiert die Mega.

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