Die Zahl der Corona-Fälle steigt täglich, am Montag (Stand 13 Uhr) betrug die Zahl der infizierten Personen im Kreis Göppingen nach Angaben des Landratsamts 61. Aktuell werden vier Patienten mit Corona-Infektionen in der Göppinger Klinik am Eichert stationär behandelt. Vor dem Hintergrund der aktuellen und noch zu erwartenden Entwicklungen empfiehlt das Gesundheitsamt „nochmals dringend, alle nicht notwendigen Veranstaltungen abzusagen und auf Sozialkontakte so weit wie möglich zu verzichten“.

Dies bedeute auch, private Veranstaltungen oder Feiern unabhängig von der Personenanzahl abzusagen und sich nicht in geschlossenen Räumlichkeiten aufzuhalten, in denen ein Mindestabstand von ein bis zwei Metern zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann. Dies bedeute auch, so das Gesundheitsamt, „sich abgesehen von beruflichen Verpflichtungen und notwendigen Einkäufen zu Hause auf­zuhalten“.

Das öffentliche Leben kommt unterdessen immer mehr zum Erliegen: „Wir sehen das Bemühen der Landesregierung, die Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und Infektionsketten zu unterbrechen“, reagiert der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till auf die Verordnung der Landesregierung von Montagmittag. Demnach bleiben die Schulen und Kindertageseinrichtungen ab heute, Dienstag, bis einschließlich der Osterferien, also bis zum Ablauf des 19. April, geschlossen. Auch die Nutzung schulischer Gebäude für nichtschulische Zwecke ist untersagt.

Notbetreuung für Kinder wird angeboten

Für den Kita- und Grundschulbereich sowie die Klassen 5 und 6 wird eine Notbetreuung angeboten, sofern beide Erziehungsberechtigte oder eine alleinerziehende Person im Bereich der kritischen Infrastruktur tätig sind. Das sind beispielsweise Ärzte oder Pflegepersonal. Erziehungsberechtigte, die nach den oben genannten Kriterien eine Notbetreuung benötigen, melden sich am Dienstagmorgen in ihrer ursprünglichen Einrichtung. Dort erfahren sie die nächstgelegene Einrichtung mit Notbetreuung.

Stadt Göppingen richtet Hotline für Eltern ein

Außerdem ist ab heute morgen 7 Uhr eine Hotline unter Telefon (07161) 650-5310 eingerichtet.

Was viele Eltern umtreibt, sind die Beiträge für die Betreuung. Hier gibt die Stadtverwaltung Entwarnung: Die Gebührenpflicht entfällt anteilig für die Schließungstage, sofern kein Notplatz in Anspruch genommen wird. Die Gebühren werden nach Ende der Schließzeit verrechnet.

Kreis Göppingen

Kirchen sind mit im Boot

Da viele Kindergärten in Trägerschaft der Kirchen liegen, wird auch dort intensiv an Lösungen gearbeitet. Die katholische Gesamtkirchengemeinde Göppingen beispielsweise betreibt elf Kindertagesstätten in der Stadt. Dort steht für Eltern, die alleinerziehend sind und im sogenannten strukturkritischen Bereich arbeiten, ebenfalls eine Notbetreuung zur Verfügung. Bei Paaren müssen beide Elternteile in diesem Bereich arbeiten, um dafür in Frage zu kommen, erklärt der katholische Stadtdekan Norbert Köngeter. Die Betreuung sei in diesen Fällen garantiert. Am Montagnachmittag wurden mit betroffenen Eltern Gespräche geführt.

Die Dekan-Stellvertreterin im evangelischen Kirchenbezirk Göppingen,  Ursula Pelkner, erklärte, dass auch für die evangelischen Gesamtkirchengemeinde Göppingen eine  Bedarfsabfrage in deren Kitas vorgenommen worden sei. Drei Kinder seien betroffen gewesen,  für die die Notbetreuung der Stadt  greifen werde. Aus den anderen  Kirchengemeinden  kam gestern nichts an, so Pelkner, was aber nicht heiße, dass sich dort nicht Bedarf ergeben könne. Auf die Frage, ob  den übrigen Familien, deren Kinder wochenlang nicht in die Kita können, für die fünfwöchige Schließung Gebühren auch von der Kirche erstattet werden, verweist Köngeter darauf, dass es eine landesweite Regelung geben werde.

Darüber hinaus hat das Land das Verbot von Versammlungen und sonstigen Veranstaltungen konkretisiert. Zusammenkünfte mit mehr als 100 Teilnehmenden werden untersagt. Außerdem hat das Land den Betrieb folgender Einrichtungen verboten: Kultureinrichtungen jeglicher Art, insbesondere Museen, Theater, Schauspielhäuser, Freilichttheater; Bildungseinrichtungen jeglicher Art, insbesondere Akademien und Fortbildungseinrichtungen, Volks­hochschulen; Kinos sowie Schwimm- und Hallenbäder, Thermalbäder und Saunen.

Auch Fitnessstudios und sonstige Sportstätten in geschlossenen Räumen werden dicht gemacht. Genauso werden Volkshochschulen, öffentliche Bibliotheken, Vergnügungs- und Prostitutionsstätten vorübergehend geschlossen. Auch der Betrieb von Gaststätten wird grundsätzlich untersagt. Ausgenommen sind Speisegaststätten, wenn sichergestellt ist, dass erstens die Plätze für die Gäste so angeordnet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist und zweitens Stehplätze so gestaltet sind, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen gewährleistet ist. Drittens muss „in geeigneter Weise“ sichergestellt werden, dass im Falle von Infektionen für einen Zeitraum von jeweils einem Monat mögliche Kontaktpersonen nachverfolgbar bleiben. Diese Regelungen treten am 15. Juni außer Kraft.

Alle Dienststellen zu

Alle Dienststellen im Göppinger Rathaus und in den Außenstellen einschließlich der Bezirksämter bleiben geschlossen. Für unaufschiebbare Angelegenheiten im Bürgerbüro oder Standesamt bitte am Rathaus-Eingang in der Kirchstraße (gegenüber Bürgerhaus) klingeln. Generell sollte vorab Kontakt zur jeweiligen Dienststelle per Telefon oder E-Mail aufgenommen werden. Dies gilt auch für die Ausländerbehörde, die Rentenberatung, das Fundbüro oder unaufschiebbare baurechtliche Angelegenheiten.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat ihre Empfehlungen für den Umgang mit Gottesdiensten in der Corona-Krise überarbeitet und massiv verschärft. So sind jetzt alle öffentlichen Eucharistiefeiern und anderen Gottesdienste bis einschließlich 19. April abgesagt. Diese Absage gilt auch für alle Veranstaltungen kirchlicher Träger. Auch die Katholische Erwachsenenbildung (keb) im Kreis hat alle Veranstaltungen bis vorerst Ende der Osterferien abgeblasen.

Die Wahl der katholischen Kirchengemeinderäte und die Pastoralratswahl finden am 22. März statt – allerdings ausschließlich als Briefwahl. Zum Teil werden, wie die Diözese Rottenburg am Montag mitteilte, die Fristen für die Beantragung von Briefwahl verlängert.