Göppingen Eine Tour ins Ungewisse

Der querschnittsgelähmte Schauspieler Jürgen Winkler berichtet den Schülern der Kaufmännische Schule über seinen jüngsten Film und seine weitere Ziele. Foto: Kaufmännische Schule
Der querschnittsgelähmte Schauspieler Jürgen Winkler berichtet den Schülern der Kaufmännische Schule über seinen jüngsten Film und seine weitere Ziele. Foto: Kaufmännische Schule
Göppingen / SWP 11.03.2013
Der Filmemacher Bernd Umbreit und der Schauspieler Jürgen Winkler waren an der Kaufmännischen Schule Göppingen. Die Schüler hatten schon seit zehn Jahren immer wieder Kontakte mit dem Filmemacher.

Jürgen Winkler, querschnittsgelähmt ab dem 5. Halswirbel, ist einer der Protagonisten in Bernd Umbreits neuestem Film "Tour ins Ungewisse - die Unverwüstlichen Vier". Winkler und Umbreit waren jetzt an der Kaufmännischen Schule in Göppingen und haben ihr jüngstes Projekt vorgestellt.

Fast jeder kennt sie, die "ziemlich besten Freunde", Philippe und Driss aus dem französischen Film: Gelähmter und Pfleger im Luxuskokon einer Pariser Villa. Sechzig Schüler der Klassen 9 bis 11 des Wirtschaftsgymnasiums warten an diesem Morgen gespannt auf Jürgen Winkler aus Zusmarshausen bei Augsburg. Wie Philippe ist er querschnittsgelähmt, alle vier Gliedmaßen sind von der Lähmung betroffen. Wie Philippe hatte er einen Sportunfall. Wie Philippe ist er Protagonist in einem Film. Der Unterschied: Philippe ist Schauspieler, Jürgen Winkler ist ganz er selbst.

Zusammen mit seinen ziemlich besten Freunden aus dem sogenannten "TetraTeam", hatte er die Idee, in 72 Stunden auf dem Handbike von Sonthofen nach Flensburg zu fahren. Wie so oft wollen sie Spenden sammeln für die Forschung im Bereich Rückenmarksverletzungen. Sie wollen Mut machen und etwas bewegen mit der Muskelkraft ihrer Arme. Die Filmemacher Heidi und Bernd Umbreit begleiteten sie dabei mit der Kamera.

Die Jugendlichen sind fasziniert von dem sensiblen Film "Tour ins Ungewisse - die Unverwüstlichen Vier", dem man keinerlei voyeuristische Absicht oder gar Sensationslust unterstellen mag. Im Gespräch über den Film spürt man die Hochachtung und den Respekt, den die Schüler der Kaufmännischen Schule dem Filmemacher für seine Arbeit zollen. Jürgen Winkler schafft es ganz offen auf die unterschiedlichen Fragen der Schüler einzugehen. Das Thema Erfolg im Leben wird neu durchbuchstabiert. Er erzählt von seinem Alltag, den er mit außergewöhnlichen Hilfsmitteln und Tricks selbständig meistert. Er arbeitet nicht mehr wie früher als Schreiner, sondern als Industriekaufmann. Er blickt nicht wehmütig auf sein früheres Leben als "Spaziergänger" zurück, sondern lotet aus, was jetzt noch geht.

Mit so viel Lebensmut schafft er durch ständiges Training mit seinem Handbike den Weltrekord in seiner Klasse im Marathon. Winklers neues Ziel ist die Teilnahme an den Paralympics in Rio. Ein Traum, den er zu verwirklichen sucht - Tag für Tag. In einem Kurzkonvent stellte sich das Filmteam mit diesem Projekt ebenfalls dem Kollegium der Schule vor. Auch in Zukunft wird es eine enge Zusammenarbeit geben, um den Umgang mit persönlichen Grenzen und den Themen Herausforderungen und Erfolg weiterzuentwickeln.