Kreis Göppingen Eine Partei sucht ihr Profil

Wie geht es weiter mit der CDU im Land? Landeschef Thomas Strobl (Mitte), die Kreisvorsitzende Nicole Razavi und ihr Stellvertreter Dietrich Birk diskutierten am Dienstagabend in Gingen mit der Parteibasis über den künftigen Kurs. Foto: Privat
Wie geht es weiter mit der CDU im Land? Landeschef Thomas Strobl (Mitte), die Kreisvorsitzende Nicole Razavi und ihr Stellvertreter Dietrich Birk diskutierten am Dienstagabend in Gingen mit der Parteibasis über den künftigen Kurs. Foto: Privat
Kreis Göppingen / HELGE THIELE 19.04.2012
Es war vielleicht der ehrlichste Parteitag der Kreis-CDU seit langem. Die Christdemokraten diskutierten über den Neubeginn nach dem Machtverlust. Landeschef Thomas Strobl stimmte die Basis auf viel Arbeit ein.

Den rund 130 CDU-Mitgliedern in Gingen war am Dienstagabend ziemlich kalt. Die Heizung in der Hohensteinhalle wollte nicht richtig auf Touren kommen. Und so kam es, dass nicht wenige Parteigänger ihre Jacke wieder anzogen. Auch die Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Nicole Razavi, die oben auf der Bühne saß, fror wie ein Schneider. "Wundern Sie sich nicht, wenn wir hier oben blau anlaufen", versuchte Razavi, die Kälte mit Humor aus dem Saal zu vertreiben. Dabei passte das kollektive Frösteln gut ins Bild der Partei, die ein gutes Jahr nach der verlorenen Landtagswahl mittendrin steckt in der Suche nach ihrem Profil. Die Kreis-CDU sieht allerdings keinen Anlass, den Kopf in den Sand zu stecken. "Wir richten den Blick nach vorn. Allerdings müssen wir dabei den Mut haben, offen über die Neuausrichtung der CDU zu diskutieren", sagte Razavi, die den Kreisverband seit 15 Jahren führt und im Lauf des Abends mit 117 von 123 Stimmen als Vorsitzende klar bestätigt wurde.

Neuen Mut sprach der Basis unter anderem der CDU-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl aus Heilbronn zu. Strobl stimmte die Partei allerdings auch auf "viel Arbeit und einen anstrengenden Weg" ein. Die harsche Kritik des Parteichefs an der Politik der grün-roten Landesregierung war zwar Balsam auf die verwundete Seele der CDU. Doch Strobl wusch der Basis auch den Kopf und listete die selbstverschuldeten Fehler der CDU auf, die dazu geführt hätten, dass sich in den vergangenen Jahren zu viele Menschen von den Christdemokraten abgewendet hätten. Vor allem für Frauen unter 60 sei die Landespartei nicht mehr attraktiv, das will Strobl noch in diesem Jahr mit einer breit angelegten Kampagne ändern. "Wir wollen und wir werden uns künftig samstags in die Fußgängerzonen der Städte begeben und Frauen danach fragen, was Sache ist", kündigte Strobl an. Die Kommunikation müsse in der Partei belebt werden. "Ich wünsche mir mehr Diskussion und weniger Akklamation", rief der Landesvorsitzende in den Saal - und erntete Applaus. Die rund 70 000 Mitglieder im Land bezeichnete Strobl als einen "Schatz" der CDU, über den andere Parteien in dieser Größe nicht verfügten. Dies sei ein Potenzial. Ziel müsse sein, ein neues Leitbild zu entwickeln, in dem das stecke, was die 70 000 Mitglieder "in ihren Köpfen haben". Stück für Stück müsse sich die CDU das Vertrauen der Menschen "zurückerarbeiten".

In der lebhaften Debatte gab es Kritik an der Art, wie die CDU den Atomausstieg von oben nach unten verordnet habe. Auch Strobl räumte ein: "Dieses Thema hätte auf einen Bundesparteitag gehört." Entschieden wandte sich der CDU-Chef gegen einen "Maulkorb" für Abgeordnete, kritisierte aber auch, dass viele Journalisten die geplante Neuregelung im Bundestag "offenbar gar nicht im Wortlaut gelesen haben". Betreuungsgeld, Polizeireform, Bildungspolitik: Es gab vieles, was die Mitglieder in der Hohensteinhalle zu besprechen hatten. Strobl versuchte sich als Motivator und machte sich für eine Modernisierung der Partei stark, ohne dass dabei das christliche Menschenbild unter die Räder kommen dürfe. Die Kreisvorsitzende Nicole Razavi schilderte die Lage so: "Die Wahlniederlage schmerzt. Aber es gibt für uns keinen Grund, dauerhaft im Frust zu versinken."

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