Konzert Eine musikalische Auszeit im Advent

Unter dem Titel„Josef, lieber Joseph mein“ bietet Deggingens Christusgemeinde eine musikalische Auszeit im adventlichen Alltag. Das Publikum spendet begeisterten Applaus und lässt die Musiker erst nach mehreren Zugaben gehen.
Unter dem Titel„Josef, lieber Joseph mein“ bietet Deggingens Christusgemeinde eine musikalische Auszeit im adventlichen Alltag. Das Publikum spendet begeisterten Applaus und lässt die Musiker erst nach mehreren Zugaben gehen. © Foto: Patricia Jeanette Moser
Deggingen / Patricia Jeanette Moser 07.12.2018

Mit den Worten „Die Christuskirche will im Trubel der Adventszeit eine kleine Auszeit im Alltag bieten“, führte Pfarrer Wolfgang Krimmer am Mittwochabend in das Konzert ein. Bewusst habe sich die Kirchengemeinde für einen Wochentag entschieden, um das Konzert in Deggingen zu veranstalten. Denn so werden die adventlichen Aktivitäten der Adventswochenenden nicht beeinträchtigt. Mit dem Konzert hielt die Besinnung während der Woche Einzug in den Alltag der Menschen, die das Konzert besuchten.

Musik im Wechsel mit Lesungen

Mit den ersten, festlichen Tönen der Blechblasinstrumente des Ensembles „Bezirks Bläser Kreis“ Dekanat Ulm, die erklangen, setzten Besinnung und das gewünschte „Herunterkommen“ spürbar schnell ein. Unter dem Titel „Joseph, lieber Joseph mein“, gestalteten die Musiker eine Stunde voller Musik aus klassischer Musikliteratur, gepaart mit Lesungselementen, die sich der Weihnachtsgeschichte widmeten. „Wie war es damals, wie könnte es heute sein?“, eröffnete Sibylle Häge, im Ensemble das Flügelhorn spielend, den ersten Lesungsteil. Die Weihnachtsgeschichte wurde dabei in einen subtilen Text „verpackt“. Der Originalton, wie bei einer Nachrichtensendung, zauberte beim Publikum ein Lächeln ins Gesicht. Zuvor marschierten alle Musiker, auf ihren Blechblas­­instrumenten spielend, in die Kirche ein.

Mit dem „Te Deum Laudamus“ von Aloys Claussmann (1850 bis 1926), dem musikalischen Gotteslob, war der Konzertabend besinnlich und zugleich festlich eröffnet. Rufend und verkündend folgte der Weihnachtshymnus „Resonet in laudibus“ von Michael Praetorius (1571 bis 1621). „Joseph, lieber Joseph mein“ von Johann Walter und Michael Praetorius, folgte musikalisch weiter festlich und ließ die Bedeutung der Adventszeit deutlich fühlbar werden.

Hans-Jörg Häge, Bezirksposaunenwart und Leiter des Ensembles, forderte die Damen und Herren in der Christuskirche dazu auf, jeweils eine Strophe davon getrennt zu singen. Die hellen Trompeten begleiteten dabei die Frauen und die tieferen Bässe die Männer. „Sehr schön“, lobte denn auch Hans-Jörg Häge den gekonnten Einsatz des Publikums und schien gleichfalls berührt von diesem besonderen „Auszeit-Moment im Alltag“ zu sein.

Solche Momente sind dem Ensemble gar nicht so fremd, wie der musikalische Leiter verriet. „Seine“ Musiker spielen im Herbst oft bei „After Work Konzerten“, also bei Konzerten am frühen Abend, nach der Arbeit. Der Erlös des Konzertes geht vollständig an die Lebenshilfe Donau-Iller. Weitere Konzerte im Advent verfolgen den gleichen Zweck.

Die Lesungstexte animierten zum Nachdenken, Mitdenken und manchmal amüsierten sie das Publikum. „Kennen Sie Josef?“, hieß es beispielsweise. Das Publikum durfte sich hineindenken in den Mann, der erfuhr, dass er bald Vater eines Kindes wird, obwohl Maria noch Jungfrau ist. Seine innere Zerrissenheit und die Konflikte wurden während der Lesung allgegenwärtig und nachvollziehbar.

Die Choralfantasie für Orgel, mit dem Titel „Es kommt ein Schiff geladen“ von Karl-Peter Chilla (geboren 1949) bekräftigte den inhaltlichen Konzertverlauf musikalisch – mit einer an Vari­anten reichen, modernen Interpretation auf der Orgel. Die Organistin des Ensembles, Cornelia Mutschler-Hauff, faszinierte nicht nur mit diesem Stück an diesem Konzertabend. Sie entlockte der Orgel heitere und leichte Töne. „Das ist Musik vom Feinsten“, konstatierte Pfarrer Wolfgang Krimmer, dem sicherlich viele Besucher des Konzerts zugestimmt haben dürften.

Töne des Aufbruchs

Es gelang den Blechbläsern bestens, die jeweiligen Stimmungen im Lesungsverlauf zum Ausdruck zu bringen. Fein ausgewählte Stücke harmonierten mit dem Textinhalt. Helle Trompeten standen hoffnungsvoll und freudig den düsteren Tönen der Tuba gegenüber, wie bei dem Lied „Ich steh an deiner Krippe hier“ von Christian Sprenger (geboren 1976). Auch hier stimmte das Publikum freudig mit seinem Gesang ein. Aufbrechende und hoffnungsvolle Töne gab es beim „Nachspiel“ von Michael Schütz (geboren 1963), jazzig interpretiert vom Blechbläserensemble aus Ulm. Nochmals festlich gab sich der Schluss des Konzertabends mit dem „Handelian Song“ von Robert van Beringen (geboren 1959) nach einem Thema von Georg Friedrich Händel für Blechbläser-Ensemble und Percussion. Klassische Musikliteratur und Lesung führten zunehmend in die Gegenwart.

Begeistert applaudierte das Publikum in der Evangelischen Christuskirche und erbat sich mit seinem euphorischen Applaus  noch zwei Zugaben. Ein weiteres Orgelstück und „Jingle Bells“ gaben sich fröhlich und heiter und setzten einen stimmigen Punkt unter den gelungenen Konzertabend.

Infokasten

24 Zeilen

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel