Eine Gesellschaft für sich

DPA 27.03.2013
Zünfte spielten in der vorindustriellen Gesellschaft eine wichtige Rolle und sie hatten Macht. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zeigt Ausstellungsstücke aus seiner umfassenden Sammlung.

Einblick in die Welt der früheren Handwerkszünfte, in ihre Regeln und wie sie die Gesellschaft beeinflussten, gibt eine Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Unter dem Titel "Zünftig! Geheimnisvolles Handwerk 1500-1800" zeigt das kulturhistorische Museum 240 Ausstellungsobjekte. Sie stammen zum Großteil aus dem hauseigenen Depot, wie Museumsdirektor Ulrich Großmann berichtete.

Die Zunftaltertümer-Sammlung des Nürnberger Museums gehört zu den größten handwerksgeschichtlichen Spezialsammlungen der Welt.

Die Ausstellung zeigt die wichtige Rolle der Handwerkszünfte in der vorindustriellen ständischen Gesellschaft. So kontrollierten sie beispielsweise die Qualität von Handwerkserzeugnissen und sorgten für die Sicherheit der Bevölkerung, indem sie die Stadt bewachten, verteidigten und vor Brand schützten.

In sich waren die Zünfte ein streng hierarchisch aufgebauter Mikrokosmos aus Lehrlingen, Gesellen und Meistern. Jeder Handwerker, der beitreten wollte, musste mit seiner Geburtsurkunde beweisen, dass er nicht unehelich geboren worden war.

Dass eine Zunft eine Verbindung bis zum Tod war, zeigen Begräbnisrequisiten, die am Sarg des Verstorbenen befestigt wurden. Tellergroße Bahrtuchschilder aus Messing, die auf beiden Seiten eines Sarges angebracht wurden, zeigten, zu welcher Zunft der Verstorbene gehörte.

Außerdem stellt das Museum in Vergessenheit geratene Handwerksgeräte aus: Beispielsweise einen "Wurstbügel", der als Wurstbefüllungshilfe diente, oder einen Bogenzirkel, der Fassmachern half, ihre gewölbten Werkstücke zu vermessen.

Zu den Highlights der Ausstellung zählt eine Handwerkslade der Nürnberger Flitterschläger aus dem Jahr 1699. Flitterschläger stellten aus Messing kleine Schmuckstücke her.