Göppingen Eindrückliche Passionsmusik

Der Göppinger Kammerchor bot unter der Leitung von Mihály Zeke in der Stadtkirche Göppingen ein ebenso feinsinniges wie intelligentes Programm dar, in dessen Mittelpunkt Werke von Johannes Brahms standen. Foto: Staufenpress
Der Göppinger Kammerchor bot unter der Leitung von Mihály Zeke in der Stadtkirche Göppingen ein ebenso feinsinniges wie intelligentes Programm dar, in dessen Mittelpunkt Werke von Johannes Brahms standen. Foto: Staufenpress
Göppingen / LILLI ELL 03.04.2012
Werke zur Passion sang der Göppinger Kammerchor am Sonntag in der Stadtkirche. Für das Ensemble ein neues Feld, wie Mihály Zeke, der 2011 die Leitung des Chors übernahm, in der Begrüßung sagte.

In den vergangenen Jahren hatte der Göppinger Kammerchor vor allem mit seinen Konzertreihen im Sommer und Winter sein Können unter Beweis gestellt. Nun stellte der engagierte neue Dirigent Mihály Zeke mit seiner sehr intensiven Führung des Chores ein feinsinnig-intelligentes Programm zusammen, in dessen Mittelpunkt Werke von Johannes Brahms standen. Gleich zu Beginn gab der Chor mit der Brahms-Motette Nr. 74 "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" mit geschmeidigem Klang Einblicke in die Spannweite zwischen lyrischer Innigkeit in den stillen Abschnitten und energischem Zupacken in den dramatischeren Teilen. Die "Warum"-Rufe wirkten wie in Stein gemeißelte Mahnungen, Worte des fragenden Hiob in seiner Verzweiflung, eindringlich und beklemmend. Die Dramatik endet versöhnlich im Choral, "Mit Fried und Freud fahr ich dahin", vom Chor mit klarem, transparentem Duktus gesungen.

Mit Anton Bruckners Graduale "Christus factus est pro nobis" wurde ein Ausschnitt aus dem Christushymnus der Urkirche ausgewählt. Die Menschwerdung, der Tiefpunkt des Geschehens am Kreuz bis hin zu Christi Erhöhung über alle Namen - dieses sind die Abschnitte, die sich gegenüberstehen. Mit sehr leisen, dynamisch variantenreich ausgestalteten tiefen Lagen verwandelte sich der zweite Teil zu einem immer helleren, höheren, strahlenderen Hymnus. Die Männerstimmen boten eine schöne, sonore Tiefenlage, einen geschmeidigen Klangteppich, den die Frauenstimmen mit ausgeprägter Vielfalt ergänzten.

Der junge Organist Gabriele Marinoni vervollständigte das Programm mit zwei Solowerken, das erste von Brahms, das den meditativen Charakter der Passion mit geradlinigem Spiel unterstrich; das zweite von Max Reger, die 2. Sonate d-Moll, mit der der Organist die ganze Bandbreite des Instruments ausloten konnte: Kraftvolle Akkorde wechselten sich mit großer Linienführung ab, musikalisch und technisch versiert, aufwühlend und sanft im Ausklang gleichermaßen.

Alonso Lobos Graduale "Versa est in luctum cithara mea", 1598 zur Beerdigung des spanischen Königs komponiert, hatte einen besonderen Reiz durch die veränderte Aufstellung des Chores; in einer Linie reihten sich die Sopranstimmen bis zu den Bassstimmen, was auch das Klangbild deutlich veränderte. Lobenswert der Tenor, der die hohen Lagen durchsichtig meisterte, mit weichem, filigranem Ausdruck.

Die Frauen sangen zwei Werke von Brahms, das erste a cappella, das zweite, der 13. Psalm, mit zuverlässiger Orgelbegleitung. Beide Werke kamen mit eindeutiger Intonation und ausgewogener Dynamik daher, wenn auch die Sopranstimmen hin und wieder einmal an ihre Grenze stießen und die strahlende Höhe zuweilen eine Trübung erfuhr. Zum Abschluss verbanden sich noch einmal Chor und Orgel zu einem "Geistlichen Lied" von Paul Fleming, das die Zerrissenheit und den Schmerz der Passion aufhob zugunsten eines versöhnlichen, harmonischen Ausklangs. Verdienter Schlussapplaus für diese eindrückliche Passionsmusik.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel