Landverbrauch Eindringlicher Appell an die Abgeordneten

xxx. Giacinto Carlucci
xxx. Giacinto Carlucci © Foto: Carlucci
Kreis Göppingen / Susann Schönfelder 22.08.2018

Dr. Wolfgang Rapp legt in Sachen Landverbrauch nach. Der Vorsitzende der Naturschutzbund-Gruppe Göppingen und Umgebung wendet sich in einem Brief an die Göppinger Bundestagsabgeordneten Hermann Färber (CDU) und Heike Baehrens (SPD) mit der Bitte, sich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass der Paragraf 13b des Bundes-Baugesetzbuches im kommenden Jahr ausläuft und nicht verlängert wird. Dieser Paragraf sei „geradezu eine Einladung und ein Türöffner für den weiteren hemmungslosen Landverbrauch“, schreibt Rapp an die Abgeordneten.

„Er ermöglicht ohne vertiefte Umweltprüfung und ohne Anwendung der Eingriffsregulierung im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung die Bebauung im Außenbereich“, kritisiert der Naturschützer. Die Verpflichtung zum Ausgleich entfalle, das heißt ein Eingriff in die Schutzgüter werde nicht kompensiert. Der Flächennutzungsplan könne im Nachgang zum Bebauungsplan geändert werden. „Somit entfällt die notwendige Prüfung, ob die Bebauung von Außenbereichsflächen verträglich und alternativlos ist“, heißt es in dem Schreiben weiter. Zudem könne eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden entfallen.

Dr. Wolfgang Rapp (im Bild) kritisiert schon seit längerem den seiner Ansicht nach viel zu hohen Landverbrauch in Baden-Württemberg und im Landkreis Göppingen. Seinen Unmut äußerte er in einem ersten Brandbrief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, erhielt von ihm selbst jedoch keine Antwort. Stattdessen wurde sein Schreiben an das Wirtschaftsministerium weitergeleitet. Die Antwort von dort ärgerte den Nabu-Chef aus Hohenstaufen derart, dass er dem Ministerpräsidenten ein zweites Mal schrieb, „die Ausbeutung unserer Erde“ geißelte und die derzeitige Politik als „weder nachhaltig noch enkeltauglich“ bezeichnete.

„Tiefschlag für Naturschutz“

Nun will der Naturschützer mit einem offenen Brief auch die örtlichen Bundestagsabgeordneten in die Pflicht nehmen. Rapp bewertet besagten Paragrafen 13b des Bundes-Baugesetzbuches als „Tiefschlag für den Natur- und Landschaftsschutz, weil all die landschaftsplanerischen Standards und Errungenschaften der letzten Jahrzehnte ausgehebelt werden“. Der Nabu-Chef hält mit seinem Ärger nicht hinter dem Berg: „So einen Rückschlag hätte ich nie für möglich gehalten.“ Der „schon enorme Landverbrauch“ werde dadurch noch weiter angefacht. „Es ist jetzt schon offensichtlich, dass es bei der Bebauung nicht um den mit dem Gesetz intendierten bezahlbaren Wohnraum geht, sondern vor allem Einfamilienhäuser werden auf der ,grünen Wiese’ gebaut werden“, befürchtet der engagierte Naturschützer und schließt mit einem Appell an die Göppinger Parlamentarier: „Wir wären Euch sehr dankbar, wenn Ihr, unsere Abgeordneten, Euch in der CDU- und SPD-Fraktion dafür einsetzen würdet, dass dieses für unsere Natur und unseren Boden unsägliche Gesetz ausläuft.“

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