Göppingen Fußball - Ein Volkssport am Scheideweg

Christoph Ruf
Christoph Ruf © Foto: Oliver Frick
Göppingen / Oliver Frick 12.10.2018
Der Autor Christoph Ruf sprach in Göppingen über die Kommerzialisierung des Fußballs.

Der Fußball entferne sich heutzutage mehr und mehr von seinen Wurzeln. Stark zunehmende Kommerzialisierung beschere zwar einigen Vereinen, Spielern und Managern in den obersten Spielklassen deutlich mehr Geld als früher, jedoch blieben dabei zu viele auf der Strecke, vor allem Fans und unterklassige Vereine. Diese Entwicklung des Fußballs beleuchtet und kritisiert Christoph Ruf in seinem Buch „Fieberwahn, wie der Fußball seine Basis verkauft“. ­Dieses stellte der Autor kürzlich in der Göppinger Volkshochschule vor.

Durch die Kommerzialisierung im Fußball werden Grundprinzipien, wie beispielsweise einheitliche Anstoßzeiten, für mehr Geld aufgegeben, kritisierte der freie Journalist Ruf. So seien die Ticketpreise gerade für Fanartikel und auch für Sitzplätze in Deutschland einigen Anhängern bereits zu teuer geworden. Mittlerweile häuften sich Proteste der Fans. Trotzdem sind die Stadien in der Bundesliga voll.

Vier Jahre, über vier Milliarden Euro

Anders sieht es in den unterklassigen Ligen aus. Hier hätten die Vereine seit Jahren zu kämpfen. Vor allem in den Ligen drei und vier. Wegen hoher Reisekosten und sehr geringer Fernsehgelder seien schon einige Traditionsvereine pleite gegangen. Man erkenne ein grundlegendes Problem: Die Kleinen bekämen zu wenig vom Kuchen ab.

Von 4,64 Milliarden Euro an Fernsehgeldern, die der Ligaverband DFL im Zeitraum von vier Jahren verteilt, gehen 98 Prozent an Clubs der ersten zwei deutschen Ligen. Laut Ruf sei es ironisch, dass sich gerade die Fans der Mannschaften, die am meisten profitieren, am lautesten über die Kommerzialisierung beschweren. Die Vereine, die nichts von den Fernsehgeldern bekommen, also ab Liga fünf und abwärts, litten am schwersten. Sie hätten größtenteils einen starken Zuschauerschwund verzeichnet, weil sich ihre eigenen Spiele und Bundesliga-Partien durch die mittlerweile aufgeteilten Anstoßzeiten überschneiden. Vereinsauflösungen häuften sich.

Englische Fans sind neidisch

Wenn man den Blick aus Deutschland hinaus wage, falle auf, dass beispielsweise in England die Eintrittspreise mittlerweile so extrem hoch seien, dass sich der durchschnittliche Fan dort schon lange kein Ticket mehr leisten könne. Der blicke dann neidisch auf die vielmals kritisierte Situation in Deutschland, sagte Ruf.

Im Anschluss gab es noch eine rege Diskussion über die Kommerzialisierung im Fußball. Die Zuhörer debattierten über den aktuellen Zustand und versuchten, Lösungsansätze zu finden. Weitgehend einig war sich das Publikum, dass der Fan eine Mitschuld habe: Die überteuerten Fanartikel verkauften sich weiterhin, die Stadien seien voll, und so ändere sich auch nichts, solange das Geschäft lukrativ bleibe.

Eine Lösung wäre, die Artikel nicht zu kaufen und das Stadion nicht zu besuchen, meinten die Besucher des Vortrags. Nur sei das nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, da viele Eltern ihren Kindern reihenweise Fanartikel kauften. Doch vor allem sei die Liebe vieler Menschen zum Fußball zu groß, als dass sie auf einen Stadionbesuch verzichten könnten.

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