Was haben ein Pfarrer, ein Höhlenforscher, ein Obstbaumkundler (Pomologe) und ein Schriftsteller gemein? Eigentlich gar nichts, hätte es nicht Karl Gußmann gegeben, der diese Professionen alle in einer Person vereinigte. Dass dieser, einen Tag vor Heiligabend im Jahr 1853 geborene Mensch ein ganz besonderer war, das wird in einem Büchlein deutlich, das jetzt vom Förderkreis Schlössle Oberlenningen im Schöllkopf Verlag herausgegeben wurde. Und wer sich für unsere engere Heimat, speziell für das Lenninger Tal, aber auch für Obstbaum- oder Höhlenkunde interessiert, dem sei die Lektüre des 102 Seiten starken Buches empfohlen.

Basierend auf zwei Vorträgen, einem von Thomas Rathgeber, selbst Höhlenforscher und viele Jahre lang hauptamtlich als Präparator am Naturkundemuseum in Stuttgart tätig, der andere von Günter Romberg, einst Schulleiter in Lenningen, entstand dieser Band quasi im Nachgang zu einer Ausstellung im Schlössle Oberlenningen, mit der Karl Gußmann im Winter 2013/14 anlässlich seines 160. Geburtstages und 85. Todestages gewürdigt wurde. Es ist wohl die erste schriftliche Zusammenfassung, in der die Fähigkeiten, die Vielseitigkeit und die unermessliche Schaffenskraft des Multitalents übersichtlich und gelungen dargestellt werden. Doppelungen bei der Beschreibung des Werdegangs und der Biografie Gußmanns und seiner Aktivitäten werden, bedingt durch die Vortragstexte, in Kauf genommen. Karl Gußmann starb am 30. Juni 1928 im Alter von fast 75 Jahren, sein Grabstein, der im Buch abgebildet ist, steht auf dem Friedhof in Gutenberg.

Günter Romberg geht detailliert auf Kindheit und Jugend sowie auf den Studenten Karl Gußmann ein, der in Tübingen den Hölderlin-Turm bewohnte. Er greift sein Engagement im Albverein auf, stellt den sportbegeisterten Gußmann dar und geht auf seine Reisen ein, die den Pfarrer bis in die Türkei, nach Griechenland, Korsika und Mallorca führten. Romberg widmet sich dem Pomologen und dem Theologen Gußmann, er beschreibt auch Emilie, die Frau an der Seite des vielseitigen Wissenschaftlers.

Thomas Rathgeber legt den Schwerpunkt eher auf den schwäbischen Höhlenpfarrer Karl Gußmann. Der Leser erfährt, dass Gußmann, der 35 Jahre lang in Gutenberg im Lenninger Tal als Pfarrer wirkte, dort, ausgehend vom Heppenloch die Gutenberger Höhle erforschte, die Gußmanns- und Wolfsschluchthöhle entdeckte, zudem Mitbegründer des ersten Deutschen Höhlenvereins war. Im Büchlein erfährt man über die wissenschaftlichen Ansätze der Höhlenkunde, die Gußmann mit seinen Höhlenkameraden prägte. Man erfährt über die Ausgrabungen und Funde in den Höhlen des Lenninger Tals und der Umgebung, die noch heute für erdgeschichtliche Forschung bedeutsam sind.

Eine gelungene Bebilderung bereichert das Buch. Zu sehen sind viele historische Fotos, Reproduktionen, Ausschnitte, aber auch aktuelle Fotos. Viele Bilder zeigen die Exponate der Ausstellung. Eingestreut in die Textteile sind Zitate aus Schriften Gußmanns und Textabschnitte aus seinem schriftstellerischen Schaffen. Insgesamt zeigt das Buch die verschiedenen Facetten und Lebensstationen des Gutenberger Ehrenbürgers sowie seine persönliche Sicht auf die Natur und die Bewohner seiner Heimat.

In den Umschlagklappen des Buches befinden sich vorn historische Pläne der Gutenberger Höhlen, hinten Zeichnungen von Hubert Resch zur Höhlenfauna im Heppenloch und in der Sibyllenhöhle. Info Das Büchlein "Karl Gußmann - Pfarrer, Höhlenforscher, Pomologe, Schriftsteller" kostet 15 Euro und ist bei verschiedenen Verkaufsstellen im Lenninger Tal erhältlich, beispielsweise im Gutenberger Rathaus, Telefon: (07026) 78 22, im Oberlenninger Schlössle, im Sulzburghof, im Naturschutzzentrum Schopfloch, in einigen Lenninger Einzelhandelsgeschäften und in Kirchheimer Buchhandlungen. Partnerbuchhändler und Verleger ist Roland Schöllkopf in Kirchheim (im Haus der dortigen Stadtbücherei).