Mitte Juni bekam das Hohenstaufen-Gymnasium wie bereits vergangenes Jahr Besuch vom Stasi-Zeitzeugen Wolfgang Welsch, um vor den Schülern der Kursstufe zwei Einblicke in sein Leben als "Staatsfeind Nummer Eins" des Ministeriums für Staatssicherheit während der SED-Diktatur zu geben.

Packend schilderte er seinen Fluchtversuch aus der DDR bei Boizenburg und die anschließenden unmenschlichen zehn Jahre in Haft im Gefängnis Bautzen und im Zuchthaus Brandenburg. Dabei berichtete er von der strikten Isolation der Gefangenen als Maßnahme des psychologischen "Brechens" und den Foltermethoden, die er erlitt. Besonders eindrücklich war sein Bericht einer Scheinhinrichtung und der Zwangsabtreibung bei einer Insassin. Staunend erfuhren die Abiturienten, mit welcher aus der Not geborenen Kreativität die Häftlinge untereinander und mit der Außenwelt kommunizierten.

Welsch erklärte den Schülern das perfide Vorgehen des Ministeriums für Staatssicherheit Geständnisse zu erpressen und zu manipulieren und selbst nach Freikommen der Insassen ihre Psyche durch das Leugnen der Existenz politischer Gefangener in der DDR gegenüber der BRD so zu lenken, dass ihnen kein offenes Berichten in westdeutschen Medien über die Torturen in den Stasi-Gefängnissen möglich war.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzte sich für die Freilassung von Wolfgang Welsch ein, und die Regierung der Bundesrepublik kaufte ihn frei. Welschs Widerstand gipfelte im Aufbau einer Fluchthelferorganisation, die im Lauf der Jahre 220 Menschen zur Flucht aus der DDR verhalf. Der Fluchthelfer wurde daraufhin vom Ministerium für Staatssicherheit zum "Staatsfeind Nummer Eins" erklärt. Nachdem er einen Sprengsatz in seinem Auto, die Kugel eines Scharfschützen und eine schwere Thalliumvergiftung überlebte - stellte sich nach dem Mauerfall heraus, dass ein langjähriger vermeintlicher Freund ein Stasi-Agent war.

Wolfgang Welsch setzte im Jahr 1990 die Strafverfolgung seiner Peiniger durch und lebt, nachdem er aufgrund seiner traumatischen Erfahrungen seinen erlernten Beruf als Schauspieler nicht mehr ausüben konnte, als freier Autor und Publizist.