Politik Ein LEITARTIKEL von Helge Thiele: Edgar Wolff hat viele Fans

Kreis Göppingen / Helge Thiele 14.01.2017

In knapp drei Monaten wählt der Kreistag den Landrat neu. Sehr vieles spricht dafür, dass der oberste Verwaltungschef im Landkreis Göppingen auch nach dem 7. April Edgar Wolff heißen wird. Der 57-Jährige hat bisher keinen Gegenkandidaten, die Bewerbungsfrist endet am Montag. Vier von fünf Fraktionen sowie der Einzel-Kreisrat Christian Stähle (Linke) wünschen sich eine Fortsetzung der Arbeit mit Wolff. Und auch aus der CDU-Fraktion, die ihren Kandidaten vor acht Jahren nicht durchsetzen konnte, wird Wolff die eine oder andere Stimme ­erhalten. Denn auch bei den Christdemokraten hat Wolff Unterstützer, die er durch seine unaufgeregte Art überzeugt hat.

Dass sich die CDU nicht dazu durchringen kann, offiziell für eine zweite Amtsperiode von Edgar Wolff zu werben, hat viel mit der nach wie vor schmerzenden Niederlage von 2009 zu tun – aber auch damit, dass die CDU nicht geschlossen ist. In ihren Reihen sitzen Wolffs Kritiker, die zwar nichts auf dessen Fleiß kommen lassen, die sich aber einen „politischeren“ Landrat wünschen. Einen, der deutlicher und lauter seine Ziele verkündet und für sie kämpft.

Edgar Wolffs höflich-diplomatischer Führungsstil zeichnet sich aber eben dadurch aus, dass er sein Team im Verwaltungsapparat in Entscheidungsprozesse einbezieht und längst nicht alles vorgeben will, sondern sich offen zeigt für Impulse seiner Mitarbeiter. Mancher Kritiker mag darin eine Schwäche Wolffs sehen, seine Befürworter sehen darin gerade eine Stärke, zumal der Landrat durchaus hartnäckig sein kann.

Strittige Themen gab es, auch wenn sie nie den großen Knall verursacht haben: Ob es zum Beispiel wirklich notwendig war, den Sitzungssaal des Kreistags im Landratsamt im Herbst 2015 für die Unterbringung von Flüchtlingen zu reservieren, daran darf gezweifelt werden. Vor allem in der CDU gab es damals kritische Stimmen. Ausgerechnet die Stätte der parlamentarischen Diskussionen und Entscheidungen zu räumen, stieß auf Unverständnis. Die an und für sich stabile Zusammenarbeit zwischen der CDU und Wolff konnte das aber nicht beeinträchtigen.

Die große Mehrheit im Kreistag sieht keinen Anlass, das Pferd zu wechseln. Sie traut Wolff zu, die kommenden Herausforderungen – mit dem längst noch nicht finanzierten Klinikneubau an der Spitze – zu meistern. Ein Selbstläufer wird die zweite Amtszeit für Edgar Wolff aber sicher nicht.

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