Jubiläum WHG: Ein Lebensraum für die Schüler

Beim Maientagsumzug haben die Schüler eine Kugel durch die Stadt geschoben, die Väter vor 30 Jahren gestaltet und jetzt „restauriert“ haben. Das Motto lautete „Keep on rolling“.
Beim Maientagsumzug haben die Schüler eine Kugel durch die Stadt geschoben, die Väter vor 30 Jahren gestaltet und jetzt „restauriert“ haben. Das Motto lautete „Keep on rolling“. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Margit Haas 20.07.2018
Vor 50 Jahren wurde das Werner-Heisenberg-Gymnasium aus der Taufe gehoben. Der Geburtstag wird mit einem Schulfest gefeiert.

Nicht mehr nur Schule, sondern Lebensraum ist das Göppinger Werner-Heisenberg-Gymnasium seinen knapp 700 Schülern heute. Vor 50 Jahren war die Schule gegründet worden, damals als Progymnasium Holzheim, das dem Hohenstaufen-Gymnasium angegliedert war.

Ist die Schule heute mit Räumen gut versorgt, konnte davon anfangs keine Rede sein. An elf verschiedenen Orten in Holzheim, dem Bodenfeld, im alten Spital, bei der Bereitschaftspolizei, in der Hohenstaufenhalle und im Stadtbad fand in den ersten Jahren Unterricht statt. Da galt es für den langjährigen Schulleiter Claus Anshof und sein Team zu improvisieren. 1975 baute die Stadt im Bodenfeld eine neue Schule (heute Hermann-Hesse-Realschule). Als dann die kaufmännischen Schulen von der Jahnstraße in das Berufsschulzentrum Öde gezogen waren, fand das WHG Mitte der achtziger Jahre endlich einen dauerhaften Standort.

Seither hat sich der Schulalltag stetig gewandelt, spiegelt „die Veränderung in der Gesellschaft wider“, stellt der Physik- und Geographielehrer Hans Ziegler fest. So spielen die Naturwissenschaften eine immer größere Rolle, und insbesondere moderne Medien sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken. Das WHG ist die einzige Schule in Göppingen, die am „Schulversuch Tablet“ teilnimmt. Es wurde ein neues Profil geschaffen für die Achtklässler. IMP verbindet Informatik, Mathe und Physik (siehe nebenstehende Meldung).

Enge Kooperationen pflegt das WHG nicht nur mit der benachbarten Südstadt-Grundschule in einem gemeinsamen Flüchtlingsprojekt und der Mensa, die jetzt neu gebaut wird. Auch zur Fachhochschule und verschiedenen Unternehmen werden enge Kontakte gehalten. Intensiv ist die Zusammenarbeit außerdem mit der Kunsthalle. „Unsere Schüler haben den Audioguide für die Picasso-Ausstellung entwickelt“, betont  Rektorin Susanne Stephan.

Nach den Besonderheiten der Schule gefragt, stellt sie den Schultriathlon, der gestern stattfand, ebenso heraus wie „unser breites Angebot an Studien- und Sprachfahrten. Und: „Mir ist es wichtig, dass unsere Schüler europäisch unterwegs sind“, betont Stephan. Sie freut sich zudem, „dass unsere Schüler in der SMV und darüber hinaus unglaublich engagiert sind“. Sie organisieren Filmfestivals und Talentshows, und seit Gründung des WHG erschien in jedem Jahr mindestens eine Ausgabe der Schülerzeitung „Guckloch“.

In der Fortführung des IMP-Projektes sieht Susanne Stephan eine der großen Herausforderungen der Zukunft. „Die zunehmende kulturelle Vielfalt und die größere Heterogenität der Schüler wird uns weiter beschäftigen.“ Den Pädagogen steht dabei eine Schulsozialarbeiterin zur Seite.

Info Am kommenden Dienstag, 24. Juli, ab 15 Uhr feiert das Werner-Heisenberg-Gymnasium sein Jubiläums-Schulfest. Schülerinnen und Schüler sowie  das Kollegium der Schule laden zu einem Rundgang durch die vergangenen fünf Jahrzehnte ein. Eingebettet in die Zeitgeschichte wird der Wandel des Schulalltages am Werner-Heisenberg-Gymnasium lebendig werden. Alle bisherigen vier Schulleiter werden sich zu einer Diskussionsrunde treffen. Um 17.30 Uhr wird Schulleiterin Susanne Stephan verabschiedet (siehe Infokasten).

Susanne Stephan geht: Schulfest mit Abschiedsfeier

Abschied: Das Schulfest wird gleichzeitig die Abschiedsfeier für Susanne Stephan. Nach nur vier Jahren verlässt die Schulleiterin das Werner-Heisenberg-Gymnasium und auch die Stadt Göppingen. „Aus rein familiären Gründen“, betont sie. „Ich habe mich am Göppinger Werner-Heisenberg-Gymnasium sehr wohl gefühlt“, betont die Oberstudiendirektorin, die das Rektorat vor vier Jahren von ihrem Vorgänger Manfred Pohl übernommen hatte. Jetzt zieht es die gebürtige Rheinländerin wieder an den Rhein. Sie wird künftig das Eichendorff-Gymnasium in Ettlingen bei Karlsruhe leiten. Im kommenden Schuljahr wird ihr bisheriger Stellvertreter Claudius Bührle gemeinsam mit einem Team die Bildungseinrichtung leiten. Bei ihrer Amtseinsetzung hatte die 53-Jährige betont, Kinder bräuchten Vorbilder, Reibungsflächen, Freiräume und guten Unterricht, Eltern und Lehrer, die sie auf ihrem Weg begleiten, die Welt zu entdecken und die selber für etwas brennen.

Werner Heisenberg: Der erste Schulleiter des WHG, Claus Anshof, fasste die Ansprüche, die nach der Gründung des vierten Göppinger Gymnasiums an den Namensgeber gestellt wurden, einmal so zusammen: „Der Namenspatron sollte eine moderne, möglichst noch lebende Persönlichkeit sein, vielleicht ein Naturwissenschaftler und Philosoph zugleich, ein Mann oder eine Frau der Öffentlichkeit, anerkannt seiner wissenschaftlichen Leistungen und seiner menschlichen Haltung wegen“. Der Wissenschaftler Werner Heisenberg erfüllte die Kriterien. Zur Namensgebung am 1. März 1975 war der Physik-Nobelpreisträger angereist und hatte eine „erfrischende Rede“ gehalten.

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