Göppingen Ein Leben für die Vielfalt

Irmelin Ventzkis Leidenschaft ist die Kunst. Diese Begeisterung will sie bei anderen ebenfalls entfachen.
Irmelin Ventzkis Leidenschaft ist die Kunst. Diese Begeisterung will sie bei anderen ebenfalls entfachen. © Foto: Inge Czemmel
Göppingen / INGE CZEMMEL 03.06.2015
Morgen feiert Irmelin Ventzki, die einst in Göppingen die Kunstszene belebte und in Bewegung brachte, ihren 90. Geburtstag. Ihre Galerie in der Kirchstraße genoss überregional hohes Ansehen.

Die Kunst war ein Leben lang Irmelin Ventzkis Passion und ist es noch. 1925 in Darmstadt geboren und in Frankfurt aufgewachsen studierte sie in Karlsruhe Grafik. "1950 lernte ich bei einem Fest der Kunstakademie einen jungen Mann kennen, der in Karlsruhe Maschinenbau studierte", erzählt sie. Dieter Ventzki stammte aus Göppingen, und als das Paar zwei Jahre später heiratete, folgte ihm die junge Frau hierher.

Als die Kinder des Paares erwachsen waren, eröffnete Irmelin Ventzki zusammen mit Inge Harter in Göppingen eine Galerie. "Da wir verschiedene Ansätze verfolgten, trennten wir uns nach drei Jahren, und ich führte die Galerie alleine weiter", erinnert sich die Jubilarin. "Ich wollte etwas in Bewegung bringen, viele Veranstaltungen machen und zeigen wie viele Spielarten der modernen Kunst es gibt. Mein Ziel war, Verständnis für die moderne Kunst zu wecken, die Betrachter an die Werke heranzuführen und vor allem Kontakte zwischen Künstlern und Kunstinteressierten herzustellen."

So wurde das Galeriegespräch ins Leben gerufen und zur ständigen Einrichtung gemacht. Irmelin Ventzki lud Kunsthistoriker, Kritiker, Künstler und interessierte Gäste ein und brachte sie miteinander ins Gespräch, sie organisierte Fahrten zu Ausstellungen, Atelierbesuche und Führungen, Autorenlesungen und Konzerte. "Es herrschte so etwas wie Aufbruchsstimmung, und in der Galerie war immer was los", erzählt Irmelin Ventzki. "Bei uns konnte jeder kommen und die Galerie Ventzki hatte einen überregionalen Namen und viele Besucher von auswärts. Es war eine interessante und anregende, aber auch anstrengende Zeit."

Nach zehn Jahren vollem Einsatz für die Kunst schloss Irmela Ventzki 1989 ihre Galerie. "Das hatte gesundheitliche Gründe und war ein schmerzhafter Schritt", erklärt sie. "Ich habe dann aber die Zeit genutzt, um wieder selbst künstlerisch tätig zu werden."

In Gemeinschafts- und Einzelausstellungen zeigte die Künstlerin, dass sie auch im eigenen Schaffen ihrem Galeriemotto treu blieb: der Vielfalt. "Ich wollte experimentell arbeiten, verschiedene Techniken und unterschiedliche Stilrichtungen ausprobieren", erklärt sie und zeigt ein Album mit ihren Werken, die sie 2005 zu ihrem 80. Geburtstag in der Kulturmühle in Rechberghausen letztmals ausstellte. Bronzefiguren, Porträts, Aktzeichnungen, Collagen, Stillleben, Aquarelle - für Irmelin Ventzki hat Kunst viele Gesichter und Ausdrucksformen.

Das zeigen auch die Bilder verschiedener Künstler, die im Hause Ventzki die Wände zieren. "Mein Mann hat mich immer in allem unterstützt", verrät die Jubilarin.