Retrospektive Ein Künstlerleben verpackt in Umzugskartons

 G. C. Kirchbergers Schaffen ist derzeit auf Schloss Filseck in einer großen Ausstellung zu sehen.
G. C. Kirchbergers Schaffen ist derzeit auf Schloss Filseck in einer großen Ausstellung zu sehen. © Foto: Hans Steinherr
Uhingen / Hans Steinherr 11.06.2018

Eine „besondere Begabung für Zeichnen und gutes Einfühlungsvermögen in künstlerischen Fragen“ wurden ihm im Abi­turzeugnis des Ludwigsburger Mörike-Gymnasiums im Juni 1948 bescheinigt. Und dass „sein Verhalten bei aller Eigenwilligkeit im Ganzen gut“ gewesen sei. Erste dokumentierte Anzeichen eines innovativen und unangepassten künstlerischen Denkers? G. C. Kirchberger jedenfalls, der als Günter Karl Gustav Wilhelm Kirchberger 1928 in Kornwestheim geboren wurde und im April 2010 in Bad Boll starb, war in den 1950er und 60er Jahren einer der aktivsten und international bestens anerkannten und vernetzten deutschen Künstler.

Kirchberger war – was viele nicht wissen – ein Maler-Pionier, ein Avantgardist der europäischen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg, der sich selber nie als Künstler, sondern immer als Maler bezeichnete und der maßgeblich die Strömungen im Spannungsfeld zwischen Action Painting, expressiver Abstraktion und streng grafisch orientiertem Malen festgefügter geometrischer Formen prägte.

2009, ein Jahr vor seinem Tod, verfügte der Maler, dass sein künstlerischer Nachlass von der Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen übernommen, betreut und bewahrt werden sollte, nachdem es ihm aus finanziellen Gründen zuvor nicht möglich war, eine eigene Stiftung zu gründen. Nach dem Tod seiner Witwe im Jahr 2016 wurde Kirchbergers Wille rechtswirksam. Hunderte Leinwand­arbeiten, noch ungezählte Zeichnungen und Druckgrafiken, Persönliches, und Biografisches, ein komplettes Atelier, in zig Kisten verpackt, wurde in ein Archiv nach Schloss Filseck verfrachtet. „Ein komplettes Künstlerleben in Umzugskartons“, wie es der Kirchberger-Kenner Dr. Stephan Geiger aus Konstanz formuliert. Er ist nun damit beschäftigt, zusammen mit Knut Deeg von der Schloss-Filseck-Stiftung Kirchbergers Werk zu sichten, zu dokumentieren und zu katalogisieren.

Nach zehn Monaten Arbeit zeigt die Schloss-Filseck-Stiftung in einer ersten Ausstellung einen Überblick über Kirchbergers Schaffenskraft, unterteilt in fünf Räume und verteilt auf fünf Jahrzehnte Schaffenszeit. Zugleich mit der Ausstellung wurde ein erstes Heft einer neuen Schriftenreihe über Kirchberger veröffentlicht.

Info  Öffnungszeiten in der Galerie im Ostflügel auf Schloss Filseck: Mittwoch bis Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 13 bis 17 Uhr (Ausstellung läuft bis 16. September)  

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel