Göppingen Ein Jubiläumsabend à la francaise an der Volkshochschule

MIRIAM HÜTTL 31.01.2012
Georges Brassens, der Meister des literarischen Chansons, wäre jetzt 90 geworden - Lehrkräfte der VHS Göppingen feierten ein Jubiläum à la francaise.

Der kleine Saal in der Volkshochschule Göppingen ist mit mehr als 40 Gästen bis zum letzten Platz besetzt. Dort ist Georges Brassens, der 1981 als 60-Jähriger dem Nierenkrebs erlag, heute mit Filmausschnitten, Schallplatten und auf Postern an der Wand wieder gegenwärtig. Claudia Hörner und vier weitere Französischlehrerinnen zeichnen seine Vita und sein Lebenswerk nach: "Er hat lange gebraucht, bis er bekannt und berühmt wurde." Als Autodidakt las er sich in die klassische französische Dichtkunst ein und begann zu texten und zu komponieren. Der Dichter und Schriftsteller feierte zwischen 1950 und 1970 seinen Höhepunkt als Chansonnier. Die eigenartige Mischung aus der klassischen Sprache der Poesie mit der derben Umgangssprache "Argot", die in seiner südfranzösischen Heimat verbreitet ist, erzeugt möglicherweise die Faszination seiner Lieder.

Seine Aufführungen gestaltete er eher minimalistisch, nur mit seiner Gitarre und begleitet von einem Bass. Er mischte Swing und Elemente des Bänkelsanges und hielt sich recht wenig an Konventionen: Georges Brassens war Individualist, er war weder links noch rechts, dafür ein eingefleischter Anarchist. So zelebrierte er sein erstes Chanson "Le gorille" vordergründig als ein eher frivol-erotisches Couplet über einen brünstigen Affen, in seiner Pointe war es ein Plädoyer gegen die Todesstrafe.

Für deutsche Liedermacher wie Franz Josef Degenhardt, der dieses Chanson als "Vorsicht! Gorilla" auf deutsche Bühnen brachte, wurde Brassens ein Vorbild. Auch Wolf Biermann, Dieter Süvenkrüp und Hannes Wader ließen sich von ihm inspirieren.

Die meist frankophilen Teilnehmer waren zum Schluss der dreistündigen Abendgesellschaft fasziniert von der Ausdrucksstärke seiner Liedertexte und der Art der Musik, "die unter die Haut geht", so ein Gast aus Ebersbach. Ganz zum Schluss war spontanes Mitsingen angesagt, wobei die Bewirtung mit einem eleganten roten Chateau de Caladroy sowie den Baguettes de Rillettes auf Servietten in den Farben der Trikolore sicher dabei half, die Zungen zu lösen.