Rechberghausen Ein Hort der Geborgenheit

Im Garten sind die Kinder besonders gerne: Am kommenden Samstag feiert das evangelische Kinderhaus „Im Horben“ in Rechberghausen seinen 25. Geburtstag mit einem großen Sommerfest.
Im Garten sind die Kinder besonders gerne: Am kommenden Samstag feiert das evangelische Kinderhaus „Im Horben“ in Rechberghausen seinen 25. Geburtstag mit einem großen Sommerfest. © Foto: Staufenpress
Rechberghausen / Helge Thiele 05.07.2018
Das evangelische Kinderhaus „Im Horben“ in Rechberghausen feiert am Samstag seinen 25. Geburtstag. Im Laufe der Jahre hat sich manches geändert, aber längst nicht alles. Zeit für eine Rückschau.

Wir wollen, dass die Kinder hier Geborgenheit, aber auch eine gewisse Sorglosigkeit erfahren können.“ Denn zum Leben gehöre beides: sich um andere zu sorgen und Dinge auch mal laufen zu lassen. Die Worte stammen von Wolfgang Gerth, dem früheren evangelischen Pfarrer in Rechberghausen. Gesprochen hat er sie vor 25 Jahren – bei der Einweihung des Kinderhauses „Im Horben“, dem ersten evangelischen Kindergarten in der Schurwaldgemeinde.  1, 8 Millionen D-Mark betrug die Investition damals – 70 Prozent davon übernahm die Gemeinde Rechberghausen.

Am kommenden Samstag wird das Jubiläum mit einem Sommerfest gefeiert. Für die Erzieherin Sabine Hasch, die als einzige ihrer jetzigen Kolleginnen von Anfang an dabei war, ist der Geburtstag ein passender Anlass, um zurückzublicken – auf den Wandel der Zeit und die damit verbundenen Veränderungen.

Am Ziel, den Jüngsten in der Gesellschaft ein Hort der Geborgenheit zu bieten, hat sich nichts geändert. Auch nicht am „halboffenen Konzept“ des Kinderhauses, das bedeutet, dass die Kinder zwar ihre „Stammgruppen“ haben, sich aber im ganzen Haus frei bewegen dürfen. 55 Kinder besuchen heute das Kinderhaus, zehn davon sind in der Krippe untergebracht, die 2013 an das Hauptgebäude angebaut wurde. Vier Jahre zuvor war die Ganztagesbetreuung eingeführt worden.

Die neuen Öffnungszeiten, die größere Flexibilität, das waren nach den Worten von Sabine Hasch große Herausforderungen. Das Personal wurde im Lauf der Jahre entsprechend aufgestockt: Im Eröffnungsjahr zählte das Kinderhaus vier Mitarbeiterinnen, heute sind es 14. Der Informationsfluss musste intensiviert werden, da auch die Teilzeitkräfte stets im Bilde sein müssen.

1993  – das war eine andere Zeit. Die heute diskutierte Reizüberflutung der Kinder durch den verstärkten Medien- und Technikkonsum war damals noch kaum ein Thema. Leistungs- und Konsumdruck gab es zwar schon, aber in schwächerer Form als heute. Hinzu komme, berichtet Sabine Hasch, dass durch den gesellschaftlichen Wandel „Lebenszusammenhänge lockerer und verlässliche Beziehungen weniger geworden“ seien. Stichworte sind hier zum Beispiel das Zusammenleben in der Nachbarschaft oder das Vereinsleben: Was Kindern früher Begegnung, Orientierung und auch sozialen Halt habe geben können, verliere leider an Bedeutung. Das Bedürfnis der Kinder nach Begegnung und Beziehung sei aber gleich geblieben.

Wenn die erfahrene Erzieherin über die heutigen Herausforderungen in der Betreuung und Begleitung der Kinder spricht, tut sie dies auf eine sanfte  und verständnisvolle Art. Kein Wort der Kritik an Eltern ist zu hören – die Erzieherin weiß wie ihre  Kolleginnen und Kindergartenleiterin Katharina Steck  ganz genau, dass die Mütter und Väter selbst vor der Herausforderung stehen, den Wandel in der Gesellschaft zu bewerkstelligen und zu bestehen – mit allen Anstrengungen und Verunsicherungen, die damit im Einzelfall verbunden sein können. Die höhere Zahl Alleinerziehender oder die Zunahme der Berufstätigkeit beider Elternteile sind da Beispiele aus dem Alltag.

Doch auch die Rollenbilder, sagt Sabine Hasch, haben sich verschoben. Eltern und Kinder begegneten sich heute viel häufiger als früher „auf Augenhöhe“, das heißt, Kinder sind zu „Mitbestimmern“ geworden – in Fragen des Haushalts, der Freizeitgestaltung, des Urlaubs und des Konsums. Trotz all der Veränderungen sei es heute wie vor 25 Jahren: „Kinder brauchen Zeit zum Träumen, Nachdenken, Beobachten und  Experimentieren, aber auch verlässliche Strukturen sowie sinnvolle und nachvollziehbare Regeln.“  Diesem Bedürfnis wollen die Erzieherinnen im Kinderhaus „Im Horben“ auch künftig viel Zeit und Raum widmen.

Das Sommerfest im evangelischen Kinderhaus

Programm Das Sommerfest am kommenden Samstag, 7. Juli, beginnt um 10.30 Uhr mit einer Andacht in der evangelischen Kirche, die sich direkt neben dem Kinderhaus „Im Horben“ befindet. Um
11 Uhr sprechen Pfarrer Markus Herb, Bürgermeisterin Claudia Dörner und die Kinderhausleiterin Katharina Steck. Anschließend gibt es einen gemeinsamen Ballonstart. Im Gemeindehaus wird Essen und Trinken angeboten.
Interessierte Besucher können am Samstag das Kinderhaus besichtigen. Im Garten warten auf die Kinder verschiedene Spielstationen. Um 14 Uhr beginnt das Kasperletheater in der Kirche, danach gibt es Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus.

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