Ein halbes Leben Klinikgärtner

Der ewige Gärtner: Rainhard Hering arbeitet schon seit 50 Jahren im Christophsbad. Mit Hingabe kümmert er sich um den Klinikpark. Foto: Staufenpress
Der ewige Gärtner: Rainhard Hering arbeitet schon seit 50 Jahren im Christophsbad. Mit Hingabe kümmert er sich um den Klinikpark. Foto: Staufenpress
JAKOB KOTH 19.04.2012
Reinhard Hering ist schon seit 50 Jahren Gärtner des Christophsbads und damit der dienstälteste Mitarbeiter. Er blickt zurück auf ein Berufsleben, das ihn erfüllte, aber nicht nur rosig war.

Göppingen - "Metzger wirst du nicht", bekam Reinhard Hering zu hören, als er den Eltern seinen ersten Berufswunsch bekannt gab. Kurze Zeit später, man schrieb das Jahr 1962, begann er seine Lehre bei der zum Christophsbad gehörenden Gärtnerei Merkle in der Jahnstraße, einem reinen Lehrbetrieb.

Damals pflanzten er und vier andere Lehrlinge noch das Gemüse für die Klink an. "Sogar Sauerkraut haben wir damals eingestampft", sagt Hering schmunzelnd. Nicht ohne Stolz erwähnt er, dass nun schon seit drei Generationen Menschen aus seiner Familie beim Christophsbad angestellt sind. Denn neben dem Großvater arbeitete auch sein Vater als Klinikgärtner. Seine Frau lernte er ebenfalls dort kennen. Sie war damals Praktikantin im Christophsbad.

Im Jahr 1968 wurde Hering zum Wehrdienst eingezogen, verbrachte 18 Monate bei den Gebirgsjägern und kam danach wieder zum Christophsbad. "Früher war der Beruf des Gärtners noch ein richtiger Knochenjob", sagt der 64-Jährige, den so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen scheint und fährt fort: "Im Winter mussten wir die Gärtnerei mit Koks heizen, das von Pferdefuhrwerken angeliefert wurde. Auch das gehörte zu den Aufgaben der Lehrlinge." Heute wird die Arbeit durch den Einsatz von Maschinen erleichtert. Dabei erwähnt Hering vor allem seinen Kollegen Herter, den technischen Leiter des Christophbads: "So jemand wie ihn zu haben, ist wirklich ein Segen. Er hat immer ein offenen Ohr für einen."

Früher in der Jahnstraße waren Patienten zu Therapiezwecken bei der Gärtnerei angestellt. Dann musste sie in den Siebzigern wegen dem Bau einer Umgehungsstraße umziehen, direkt neben das Christophsbad. Die Obstanlage, die in den Jahren 1962/63 errichtet wurde, gibt es auch heute noch und gehört ebenfalls zu Herings Aufgabengebiet. "Da ich keine therapeutisch Ausbildung hatte, wurde ich 1996 gefragt, ob ich die Parkanlage mit drei anderen Angestellten übernehmen will", erklärt er. "Natürlich habe ich angenommen. Es war toll, bei der Gestaltung der Anlage, wie ein Künstler, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen." Neben seinen Mitarbeitern, wird Hering heute tatkräftig von Jugendlichen unterstützt, die ihre Sozialstunden dort abarbeiten. "Ich bin gerne mit jungen Menschen zusammen, da gabs noch nie ein Problem", sagt der freundliche Gärtner. Heute bekommt Hering bei einer internen Jubiläumsfeier eine Urkunde überreicht. Dank dem Engagement von Hering und seinen Kollegen ist der Park heute ein sehr beliebter Rückzugsort der Patienten. Sogar ein Mammutbaum ziert seit zwei Wochen "die grüne Lunge", wie er sie nennt.