Hupe, Fanfare, Signalhorn – was auch immer die Aufmerksamkeit erhöht. Unüberhörbar drücken die Käfer-Besitzer auf der Fahrt nach Lenglingen ihre Freude aus. Es sei ihnen ausnahmsweise verziehen, schließlich mussten sie zwei Jahre darauf warten. Heute und morgen läuft und läuft und läuft das Kultauto wieder, einzeln oder mitten drin im Corso.

1976, aus einer lockeren Stammtischrunde heraus, entwickelte sich das „VW-Käfer-Team Göppingen“ und ist mit knapp vierzig Jahren der zweitälteste Käfer-Club Deutschlands und mit über 100 Mitgliedern auch einer der größten. Seitdem organisiert der Verein in Eigenleistung das Käfertreffen am Ortsrand von Lenglingen, mittlerweile mit den Ausmaßen eines Volksfestes. „Das ist für uns jedes Mal eine Riesenherausforderung“, verrät Alexander Eckhardt, seit 2002 Vereinsvorsitzender. Wechselhaft, gewittrig mit bis zu sieben Sonnenstunden bei rund 55 Prozent Regenrisiko lautet heuer die Wettervorhersage.

Lenglinger helfen vielfältig   

Egal, es kommt wie’s kommt. Schlammschlachten haben die Käferfreunde in den vier Jahrzehnten auf dem großzügigen Areal mehr als einmal erlebt. Durch Dauerregen oder sintflutartige Wolkenbrüche verursachte das Sommerfest zuweilen Schäden, die ihnen die Grundbesitzer nie nachgetragen haben. „Vor acht Jahren hat ein versunkener Kühlwagen, der erst mit Hilfe eines Schleppers geborgen werden konnte, tiefe Spuren hinterlassen“, erinnert sich die zweite Vorsitzende Nea Bayer. So wird ihnen jedes Mal der unverzichtbare Radlader kostenlos zur Verfügung gestellt und auch bei kurzfristig technischer Unterstützung lassen die Lenglinger die Vereinsmitglieder nicht im Regen stehen.

„Sie helfen uns in vielen Dingen, kümmern sich unter anderem auch um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Das ist nicht selbstverständlich und wissen wir sehr zu schätzen“, bedankt sich Alexander Eckhardt insbesondere bei den Familien Boxriker, Hieber und Schurr. Damit nichts auf die Wiese inmitten des Landschaftschutzgebiets tropft, bekommt jedes Auto von den Veranstaltern eine „Fahrzeug-Windel“ in Form einer großflächigen Pappe zwischen die Hinterräder gelegt.

Im Schnitt 3000 Besucher

Immer in den ungeraden Jahren am zweiten August-Wochenende tummeln sich im Schnitt knapp 3000 Besucher um die kugelrunden Schätzchen. Schauen, vergleichen, fachsimpeln, bewundern oder sich mit einem lang gesuchten Ersatzteil eindecken. Bei der gelungenen Mischung aus Tradition, Inspiration und Spaß wird seit dem ersten Treffen Harmonie und Geselligkeit ganz groß geschrieben wird.

Alt, luftgekühlt, poliert oder mit verwittertem Lack (Rat-Look) und in allen Farben. Von himmelblau über briefkastengelb bis zu kreischend rot. Solche mit Schiebedach und welche mit Dachgepäckträger. Sogar Surfbretter lassen sich so per Käfer transportieren. Neben den buckligen Klassikern lassen sich natürlich auch nahe Verwandte wie Karmann Ghia oder Bulli blicken. Letztere oft zum Campingwagen ausgebaut, sind ebenfalls Zeichen eines besonderen Lebensgefühls. Nostalgie? Eher pure Freude an dem VW-Oldie, der dem Kenner wahren Fahrspaß verspricht und für den Bastler praktisch unkaputtbar ist. Bei welchem Wagen sonst lässt sich schon der Motor von einem Menschen allein austauschen? Auch die Käfer-Freunde meiden die Werkstatt wie der Teufel das Weihwasser, reparieren lieber selbst. Und das funktioniert prima, auch weil Käferbesitzer sich gegenseitig helfen.

Ein Käfer für jeden Wochentag

Ob es sich Ferdinand Porsche anno 1934 bei der Vorstellung seines Exposés betreffend den Bau des Volkswagens jemals hätte träumen lassen, dass 81 Jahre später dieses kultige Fahrzeug sich noch immer so großer Beliebtheit erfreut? Doch es sind ja nicht nur die in Reih und Glied aufgestellten Vehikel jeglicher Couleur die begeistern, es sind auch die Menschen hinterm Lenkrad.

Wie zum Beispiel das Brüderpaar Georg und Markus Gehring aus dem Voralbgebiet. Gemeinsam besitzen sie sieben Käfer, quasi für jeden Wochentag ein anderes Modell. Zwar haben sie diese Raritäten nicht auf einen Streich erworben, sondern nach und nach, „wann immer es der Geldbeutel zuließ“. Obwohl beide längst im Erwachsenenalter sind und ihre Eltern das genaugenommen solide Hobby recht gelassen sehen, verheimlichten sie lange Zeit ihre letzte Anschaffung.

Eine Lebenseinstellung 

„Käfer muss man sich leisten können. Nicht nur des Geldes wegen, sondern auch vom Charakter her“, unterstreichen beide. Käferfahrer seien anders, bodenständig und nicht borniert. Egal ob Professor oder Lagerarbeiter, keinem gehe es um Pferdestärken, Anzahl der Zylinder, stylische Alufelgen oder sonstigen elektronischen Schnickschnack. Dieses Auto zu fahren verursache auch ohne Tuning – oder gerade drum – Gänsehaut und sei eine Lebenseinstellung.

„Früher galt man als Außenseiter, sogar als Looser, weil man mit den chromblitzenden, im Windkanal getesteten Hightech-Autos nicht mithalten konnte“, erinnern sich die Gehring-Brüder. Doch das Kultauto gefällt auch ohne Antiblockiersystem (ABS), Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) oder Antriebsschlupfregelung (ASR). Zudem trage jeder Besitzer dazu bei, dem VW-Käfer seien festen Platz in der Automobil-Geschichte zu sichern.

Jugendliebe Bulli  

Das beweist unter anderem Horst Clauss. Zwar nicht mit einem Käfer, aber dafür mit seiner Jugendliebe, einem Bulli. 1980 hat der inzwischen 87 Jahre alte Tübinger den rot-weißen VW-Bus mit rund 200 000 Kilometer auf dem Tacho für 1500 Franken, umgerechnet 1820 Mark, aus der Schweiz nach Deutschland gebracht. Bis zum April dieses Jahres sind Horst Clauss und sein Bulli gemeinsam über 270 000 Kilometer unterwegs gewesen. „Mein Nachbar sagte immer, was musst du alter Sack unter deinem Karra rumrudle. Darauf erwiderte ich ihm, wenn ich das nicht tun würde, wäre ich längst verfault.“

Doch nach 2007 und 2009 will „Hotte“ am Samstag  mit einem „neuen“ knallroten TZ-Bulli in Lenglingen einfahren. „Für meine große Liebe hätte ich 13 000 Euro locker machen müssen, doch das rechnete sich mit über einer halben Million Kilometer nicht mehr. Jetzt hat ihn ein treuer Freund aus der Szene bekommen.“

 

Programm des 24. VW-Käfer-Treffens

Samstag, 8. August:

8 Uhr Frühstück - Weißwurstfrühstück

14 Uhr Aufstellung zum Käfercorso - Rundfahrt durchs schöne Stauferland

21 Uhr Barbetrieb mit Live-Musik (Streetlife und Blackout) und Fläschlesbar

Sonntag, 9. August

8 Uhr Frühstück - Weißwurstfrühstück

14 Uhr Prämierung der Top10-Fahrzeuge, Preise für weiteste Anreise etc.

16 Uhr Ausklang

An beiden Tagen: Großer Teilemarkt,durchgehende Bewirtung im großen Festzelt, nachmittags Kaffee und Kuchen, Duschmöglichkeit, Hüpfburg für die Kinder, Crepes-Günter. Infos: http://vw-kaefer-team.de