Der Blasmusik-Kreisverband Göppingen hat das Schwabenalter erreicht. Bei einem Festakt zum 40-jährigen Bestehen des Blasmusik-Kreisverbands, zugleich der Auftakt zum 19. Kreismusikfest in Eislingen, begrüßte Verbandsvorsitzender Roland Ströhm zahlreiche Ehrengäste. Nach einem Grußwort der SPD-Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens, die den Vergleich zwischen Musik und Politik deutlich machte ("Nicht jeder kann die erste Trompete spielen"), bekannte CDU-Parlamentarier Hermann Färber, der einst selbst aktiver Musiker war: "Die schwäbische Blasmusik hat einen festen Platz in meinem Herzen." Landrat Edgar Wolff lobte: "Der Verband hat eine große Bedeutung im Kreis, er schenkt Freude und ist getragen vom ehrenamtlichen Engagement und der Leidenschaft für Musik." 43 Musikvereine und rund 10 700 Mitglieder sind unter dem Dach des Blasmusik-Kreisverbandes vereint.

Roland Ströhm dankte dem Musikverein Eislingen für die hervorragende Kooperation während des Kreismusikfestes, bevor er in seinem Rückblick aufzeigte, wie sich der Verband entwickelteund zur wahren Erfolgsgeschichte geworden ist. Mit Stolz und Freude berichtete Ströhm: "Wir haben keine Probleme, ehrenamtliche Positionen zu besetzen." Das Erfolgsrezept dazu sei die gesunde Mischung zwischen dem Nachwuchs und der Erfahrung der Vorgänger. "Wir sind keine One-Man-Show, sondern nur das tatkräftige Miteinander aller Vereine führt zu Wohlklang und Harmonie." Nach Abba-Melodien vom Dozenten-Ensemble, wurde der Mann der ersten Stunde, Gregor Barth, für seine Treue zum Verband mit der Erich-Ganzenmüller-Medaille ausgezeichnet. Die Laudatio auf den verdienten Musiker und Gründungsmitglied des Kreisverbandes hielt Professor Hubert Kempter, Generalsekretär des Blasmusikverbands Baden-Württemberg. Gregor Barth ist seit 40 Jahren Beisitzer im Verband und als Trompeter beim Musikverein Donzdorf immer noch aktiv.

Über eine weitere Ehrung war Verbandschef Ströhm nicht informiert. Klammheimlich hatten seine Funktionärskollegen den Antrag auf die Würdigung ihres Chefs gestellt. Völlig sprachlos war deshalb Ströhm, als ihm Landrat Edgar Wolff die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg unter großem Applaus des Publikums ans Revers heftete. "Sie haben sich mit vielfältigem, ehrenamtlichem Engagement besonders verdient gemacht", würdigte der Landrat die Arbeit des Vorsitzenden, der seit 2009 die Fäden im Kreis in der Hand hält.

Fröhliche Klangfarbe brachten dann am Samstag 16 Kapellen beim Tag der Straßenmusik ins Eislinger Stadtbild, insgesamt 530 Musiker spielten auf. Den Reigen der Platzkonzerte eröffnete an der Ecke Ebert-/Hauptstraße der Musikverein "Germania" Donzdorf mit dem Konzertmarsch "Silberpfeil". Passanten blieben stehen, lauschten dem Rhythmus der "Egerländer Juliet-Polka" und bevor sich die Musiker aus Gruibingen und vom MV "Frohsinn" Reichenbach auf ihren Einsatz vorbereiteten, ließen die Musiker aus dem Lautertal den durch den Ohrwurm "Oye como va" kraftvoll erklingen.

Auf die Ensembles des Musikvereins Süßen folgten die Musikgruppe Weiler, die Musikvereine aus Heiningen-Eschenbach und Gingen sowie die Stadtkapelle Wiesensteig. Polka, Walzer, Marschmusik und moderne Arrangements hatten die Orchester im Gepäck. Ströhm: "Durch solche Aktionen können wir die bunte Vielfalt unserer Kreisvereine einer breiten Öffentlichkeit präsentieren." Die Original Schwäbische Trachtenkapelle Treffelhausen bereicherte das Festival zum einen optisch, zum anderen mit böhmisch-mährischer Blasmusik. Jeweils 45 Minuten lang präsentierten die 16 Orchester ihr Können.

"Das ist ein tolles Event für die Stadt Eislingen", befand OB Klaus Heininger. Er pendelte mit seinem Fahrrad von einem Platzkonzert zum anderen. "Ich bin stolz, dass so viele Musikvereine mitwirken", ließ Heininger wissen, ehe er zur Stadthalle radelte. Dort spielten acht Kapellen auf. Schmissig schwungvoll legte der Musikverein Hohenstaufen vor, bevor das Blasorchester Zell u A. und die Stadtkapelle Geislingen die Instrumente auspackten. Nach dem Musikverein Bad Boll trat der MV Ottenbach als teilnehmerstärkster mit 63 Instrumentalisten an. Nach Eybach und Börtlingen blies die Musikvereinigung Göppingen-Holzheim zum Finale.

Mit einem Konzert des Landesblasmusikorchesters in der Stadthalle ging das Kreismusikfest gestern zu Ende. Zuvor hatte es Wertungsspiele für Konzertmusik in der Öschhalle gegeben, bei dem sich Musikvereine dem kritischen Gehör einer Fachjury stellten.