Göppingen Tod, Zeit und Gott sind Themen im Stück „Konstellationen“

Die Themen Tod, Zeit und Gott spielten im Stück „Konstellationen“ mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns tragende Rollen. Hauptfrage war aber die existenzielle Frage nach dem Sinn des Seins.
Die Themen Tod, Zeit und Gott spielten im Stück „Konstellationen“ mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns tragende Rollen. Hauptfrage war aber die existenzielle Frage nach dem Sinn des Seins. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 23.03.2018
Nick Paynes „Konstellationen“ mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns kommt in der Stadthalle zur Aufführung.

Dann machen wir für heute Schluss und Du musst mich nicht wiedersehen“, sagte Roland (Guntbert Warns) zu Marianne (Suzanne von Borsody) am Ende des Theaterstücks für zwei Protagonisten. Und obwohl dieser Satz schon mehrfach in verschiedenen Beziehungssituationen zwischen Marianne, einer Physikerin, und zwischen dem Imker Roland wechselseitig gefallen war, erschien er nun in einem ganz anderen Licht.

Hatte das Stück – ein dicker Brocken – mit komischen und witzigen Dialogen begonnen, deren Versatzstücke immer mal wieder in anderem Kontext und in anderer Stimmführung wiederholt wurden, brach jedoch zusehends immer mehr eine schlimme Wirklichkeit in die Beziehungskiste der beiden ein, nämlich eine unheilbar tödliche Krankheit. Und so bekamen die Aussagen der beiden, in denen man sich als Zuschauer zuweilen wiederfinden konnte, immer wieder andere Bedeutungen.

Das Thema Tod und damit die Fragen, die Marianne immer wieder stellte, schoben sich mehr und mehr in den Vordergrund, etwa wenn Marianne von ihrer Mutter und deren Angst vor der Lebensverlängerung erzählte oder wenn sie berichtete, dass ihr die Ärzte Bestrahlung und Chemo angeraten, ihr aber nur noch kurze Zeit zu leben gegeben hätten. Die Angst gipfelte dann in einer tonlosen Gebärdensprache, in der Marianne ihren Suizid thematisiert, oder wenn über Sterbehilfe gesprochen wird oder wenn die grausame Wirklichkeit negiert werden soll.

Auch die Themen Zeit (Du wirst noch all die Zeit haben, wenn ich weg bin) und Gott (Durch ihn wurde das Leben zur Sonde) spielten zwischen den beiden eine Rolle, wobei Roland im Gegensatz zu seiner Partnerin eher die einfache und in Teilen amüsantere Folie (Die Drohnen haben Sex mit der Königin) darstellte, auf der sich die Gedanken entwickeln konnten.

Hauptfrage aber war die existenzielle Frage nach dem Sinn des Seins (Wenn wir es nur so einfach hätten wie die Bienen), die jedoch im Stück nicht beantwortet wird.

Und so erscheinen im Nachhinein die anfänglichen Situationen wie das erste Treffen, der erste gemeinsamer Abend, die verschiedenen Streitgespräche, die Tänze in der Tanzschule, ein Heiratsantrag, die Eingeständnisse der Seitensprünge oder die Trennungsversuche eher marginal.

Das Stück des 1984 geborenen Engländers Nick Payne, das in 14 Sprachen übersetzt wurde und mit dem er den internationalen Durchbruch schaffte, ist eigentlich ein existentialistisches, das durch Humor nur noch mehr Dramatik bekommt.

Die beiden Schauspieler, Suzanne von Borsody und Guntbert Warns – beide aus vielen Fernsehproduktionen bekannt – lieferten unter der Regie des 1951 geborenen Niederländers Antoine Uitdehaag eine sehr respektable Leistung ab. Sie hatten kaum Zeit, in den schnellen, kurzen, nur durch Lichtunterbrechung und Sekundenmusikeinspieler angedeuteten Szenenwechseln einige weiße Stühle vor schwarzem Hintergrund und über Sternenlampen zu einem neuen Bühnenbild zu gruppieren.

Die beiden Bühnenakteure gaben den Inhalten den nötigen Raum durch ihre Stimmen und durch sparsame Gestik. Sie konnten damit ebenso den imaginären Raum der Bühne füllen als auch Leerstellen für Überlegungen lassen.

Großartig. Viel Beifall in der gut besuchten Stadthalle.

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