Bundestagswahl Volker Münz ist AfD-Mann der ersten Stunde

Volker Münz, Bundestagskandidat der AfD, macht beim Gespräch in einem Göppinger Café deutlich, wofür er steht: für eine Begrenzung der Zuwanderung, für mehr innere Sicherheit und eine Finanzierung „fairer Renten“.
Volker Münz, Bundestagskandidat der AfD, macht beim Gespräch in einem Göppinger Café deutlich, wofür er steht: für eine Begrenzung der Zuwanderung, für mehr innere Sicherheit und eine Finanzierung „fairer Renten“. © Foto: Carlucci
Göppingen / Susann Schönfelder 08.09.2017
Volker Münz aus Uhingen will für die AfD ins Berliner Parlament einziehen. Hauptanliegen des Bankers ist eine begrenzte Zuwanderung, „um die innere Sicherheit wiederherzustellen“.

Wenn Volker Münz über Flüchtlingspolitik und Zuwanderung spricht, wird sein Cappuccino kalt. „Das ist Thema Nummer eins, das regt mich auf“, kommt der 53-Jährige in Fahrt und redet ohne Punkt und Komma. „Wenn wir eine Million Menschen aufnehmen, ist das nur scheinbar christlich“, geißelt er Merkels Zuwanderungspolitik ohne Obergrenze.

Der Kandidat der Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlkreis Göppingen spricht sich klar für eine Limitierung aus – letztlich auch, „weil die innere Sicherheit massiv bedroht ist“, die Terrorakte seien dabei nur die Spitze des Eisbergs. Münz fordert: „Wir müssen alles daran setzen, dass die Menschen in ihrer Heimatregion bleiben.“ Asylzentren vor Ort, beispielsweise auch in einem Nachbarstaat, müssten adäquat ausgestattet werden. „Und dort müsste auch geprüft werden, ob ein Asylgrund vorliegt. Es gibt nämlich viele sogenannte Flüchtlinge, die keine Flüchtlinge sind“, ist der Di­plom-Ökonom und Abteilungsdirektor einer Bank überzeugt. Münz bewertet diese Lösung als „gerecht und human“. Mit Fremdenfeindlichkeit habe das nichts zu tun: „Ich bin im Kirchengemeinderat und in der Bezirkssynode. Es trifft mich, wenn man mir mein Christsein abspricht und sagt: „Ihr seid alle Rassisten.“

Volker Münz macht aber kein Hehl daraus, dass ihm in erster Linie der Islam ein Dorn im Auge ist. Er stehe im Konflikt mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, „da ihm die Trennung zwischen Religion und Staat fremd ist“, heißt es in seinem Flyer zur Bundestagswahl. Und auch im Gespräch gibt der Uhinger unumwunden zu: „Ich habe keine Probleme mit Chinesen und Italienern. Der Islam ist das Problem. Man merkt, dass sich die Chinesen integrieren wollen, die Muslime eher nicht.“ Er stelle zudem fest, dass integrationswillige Muslime „zunehmend unter Druck gesetzt werden“ durch Parallelgesellschaften. „Ich bin besorgt im Hinblick auf meine Kinder“, beschreibt Volker Münz seine Motivation, die Politik der AfD im Bundestag zu vertreten.

Ursprünglich hatte der zweifache Familienvater, der in Niedersachsen aufgewachsen ist, seine politische Heimat in der CDU. Nach dem Umzug in den Süden – das war vor 24 Jahren – meldete sich Münz im niedersächsischen Landesverband ab, im baden-württembergischen jedoch nicht wieder an. Die „nach links gerückte CDU“ sei einfach nicht mehr seine Partei gewesen, die Gründung der eurokritischen AfD im Jahr 2013 sei „wie gerufen“ gekommen. „Ich war auch beim Gründungsparteitag in Berlin dabei, das hat mich sofort angesprochen“, erinnert er sich. Im gleichen Jahr trat er für die frisch gegründete Partei im Wahlkreis Göppingen als Direktkandidat an, trat aber wenige Wochen nach der Wahl als Vorstandssprecher des Kreisverbands zurück. Grund waren Querelen wegen unterschiedlicher Strömungen in der Partei. Heute habe sich alles wieder eingerenkt, und er ist wieder da: amtierender Vorsitzender der Kreis-AfD, erneut Bewerber für Berlin und mit dem Anspruch unterwegs, „Brückenbauer innerhalb der Partei, aber auch über die Partei hinaus“ zu sein. Dass es in einer Partei verschiedene Strömungen und Flügel gebe, sei nichts Ungewöhnliches, sagt er. So stehe er hinter dem Kurs der AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland. Und wie sieht er den Thüringer Parteichef und Rechtsausleger Björn Höcke? „Vieles, was er sagt, ist nicht falsch“, meint der Göppinger Kandidat. „Aber wie er es rüberbringt, ist nicht gut.“ Letztlich sei es ihm aber wichtig, „das gemeinsame Ziel zu betonen“.

Volker Münz, der sich für den Wahlkampf zwei Monate hat beurlauben lassen, ist zuversichtlich, dass er das Ticket in die Hauptstadt löst: „Ich sehe gute Chancen mit Platz acht auf der Landesliste.“ Aus dem TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz sei die AfD als Siegerin hervorgegangen, weil zwischen CDU und SPD „wunderbare Einigkeit“ geherrscht habe und für die Wähler kein Unterschied erkennbar sei. Er rechnet daher mit einem „deutlich zweistelligen Ergebnis“ für seine Partei. Münz ist überzeugt: „Wir brauchen eine alternative Kraft, eine richtige Opposition.“ Im Moment gebe es die nicht, „und das geht auf Dauer nicht gut“, befürchtet der AfD-Kandidat. Auf die Frage, welche Themen seiner Partei außer Zuwanderung und innerer Sicherheit wichtig sind, nennt er Volksabstimmungen auf Bundesebene, „ein geordnetes Ende des Euro-Experiments“ und die Finanzierung „fairer Renten“.

Er habe nicht immer einfache Antworten auf komplexe Themen, räumt Volker Münz, „aber klare und ehrliche“. Er selbst sieht sich als christlich-konservativ eingestellt, Traditionen und Werte wie Ehe und Familie hängt er hoch. Das noch zarte Pflänzchen AfD werde erfolgreich wachsen, glaubt der Hobbygärtner: „In vier Jahren sehe ich uns in einer Landesregierung, und zwar nicht als Anhängsel. Wir lassen uns nicht unterbuttern.“

Zur Person

Volker Münz ist Jahrgang 1964 und in Verden (Niedersachsen) aufgewachsen. Seine Eltern sind Heimatvertriebene. Ein Widerspruch zur Flüchtlingspolitik seiner Partei sieht er jedoch nicht: „Sie sind heimatvertriebene Volksdeutsche aus Polen mit der gleichen Geschichte. Heimatvertriebene sind keine Flüchtlinge“, betont Münz. „Das ist ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.“

Der 53-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt seit 20 Jahren in Uhingen. Er hat eine Ausbildung zum Bankkaufmann und anschließend ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover absolviert. Der Diplom-Ökonom ist Abteilungs­direktor im Firmenkundengeschäft einer Bank. Münz ist Mitglied im evangelischen Kirchengemeinderat und in der Bezirkssynode und engagiert sich ehrenamtlich in Vereinen.

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