Parcours Eignungstest vor der Bundestagswahl

Göppingen / CHRISTINE BÖHM 02.09.2013
Wer hat das Händchen und den richtigen Riecher, um in den Bundestag einzuziehen? Wer verliert das Ziel nicht aus den Augen? NWZ und Geislinger Zeitung haben die Kandidaten aus den Landkreis Göppingen zu einem außergewöhnlichen Eignungstest gebeten.

Thomas Edtmaier hält den auf einen Meter ausgeklappten Meterstab sicher in der Hand. Mit der Spitze angelt er die erste Zahnbürste aus dem Topf und hebt sie mit ruhiger Hand in den zweiten Topf, der 80 Zentimeter weit entfernt auf dem Tisch steht. Auch die zweite nimmt er gekonnt auf und transportiert sie sicher ins zweite Töpfchen. Bereits an der dritten Station der Olympiade im Göppinger Stauferpark zeigt der Politiker, was er kann: Zahnbürsten angeln. Für Moderatorin und Online-Redakteurin Sandra Schröder ist schnell klar. Der Kandidat der Linken hat zumindest ein „sicheres Händchen“. Bei den Spielen namens „Umdenken“ und „Die Wähler verstehen“ hingegen tut sich Edtmaier schwer und holt keinen Punkt.

NWZ und Geislinger Zeitung haben die fünf Direktkandidaten aus dem Landkreis Göppingen der momentan im Bundestag vertretenen Parteien in die Werfthalle zum Test eingeladen. Denn: Um die Hindernisse auf dem Weg in den Bundestag zu meistern, können sich bestimmte Eigenschaften als nützlich erweisen - wie der richtige Riecher für Probleme, ein sicheres Händchen und Fingerspitzengefühl im Umgang mit heiklen Themen, Köpfchen bei schwierigen Fragen, ein langer Atem bei langwierigen Verhandlungen. Mit zehn kleinen Tests prüfte Moderatorin Sandra Schröder, wie gut es bei den Kandidaten um diese Eigenschaften bestellt ist.

Die Herausforderung nahmen an: Hermann Färber (CDU), Heike Baehrens (SPD), Dennis De (Grüne) und Thomas Edtmaier (Linke). FDP-Kandidat Werner Simmling war verhindert und konnte nicht zum Termin kommen. Er ging zur gleichen Zeit bei einem anderen "Rennen" an den Start.

Der richtige Riecher

In der Werfthalle schlugen sich die vier Kandidaten wacker. Sie sollten – jeweils alleine – in den Spielen zeigen, was sie so drauf haben – und das immer mit einem Augenzwinkern. Als Sieger ging Edtmaier aus dem Parcours hervor, trotz Knieproblemen und Krücken. Nicht nur Zahnbürsten angelte er mit Präzision. Auch „den richtigen Riecher“ hatte er. Bezogen auf die Themen, für die die Politiker im echten Leben den richtigen Riecher haben sollten, mussten sie vier Gerüche erkennen. Die Online-Redakteurin der NWZ und Geislinger Zeitung reichte ihnen die Duft-Dosen.

Das Kaffeepulver war für alle vier ein Leichtes. Lavendel war da schon schwieriger. Hermann Färber sagte Kräuter, Heike Baehrens erschnüffelte Seife, Thomas Edtmaier dachte an Tee. Nur Dennis De kam auf den gesuchten Lavendel. Der hielt dann aber Rosmarin für Majoran. Auf den kam nur Thomas Edtmaier. Mit geschlossenen Augen kamen die vier Kandidaten auf interessante Vorschläge. Die Zedernholzspäne erkannte niemand als solche.

Fingerspitzengefühl

Auch beim Spiel „Fingerspitzengefühl“ gab es viel zu Lachen. Die Ingwerknolle in der Stofftasche zu erfühlen, gelang drei Kandidaten. Nur Hermann Färber tat sich schwer. Nach minutenlangem Kneten gab er einen Tipp ab: Gebäck. Staunen in den Gesichtern der Zuschauer, die die Antwort schon kannten. Und auch bei Moderatorin Sandra Schröder. Ein Teelicht hielt Färber für Käse. „Ich merke schon, Herr De hat vor Ihnen in der Tasche ein wenig gewütet“, sagte Schröder, als der CDU-Kandidat nicht weiterkam.

Rätselraten bei den Jugendwörtern

Unter dem Stichwort „Die Wähler verstehen“ sollten die Politiker Begriffe übersetzen, die Langenscheidt aktuell zur Wahl stellt für das Jugendwort 2013. Im Hintergrund lief Hotel California, als Heike Baehrens versuchte zu verstehen, was mit „Eckenkind“ und „Assizwerg“ gemeint war. „Beim direkten Kontakt mit dem Wähler geht es nicht nur darum, eigene Botschaften gekonnt zu vermitteln - Sie sollten auch die Bürger verstehen“, erklärte Sandra Schröder. Die vier Kandidaten hatten aber mit den Jugendwörtern ihre liebe Not. Dass ein "Eckenkind" ein Mensch ohne Freunde ist und ein "Assizwerg" ein ungezogenes Kind, war für sie kaum nachvollziehbar. „Also ich habe ja Kinder, aber sowas sagen die nicht“, sagte Dennis De. Lediglich das "Eckenkind" konnte er als einziger erraten. Einige dachten bei "Fotobombing" gleich an häufiges Posten bei Facebook, statt an Menschen, die sich bei anderen auf ein Foto schmuggeln. 

Kniffelig wurde es beim Spiel „Umdenken“. Die Kandidaten sollten aus dem Wort Bundeskanzlerin ein Anagramm bilden. Also ein neues, gleichlanges Wort mit den selben Buchstaben bilden. Heike Baehrens zeigte sie kreativ und machte „Bundeszanklerin“ daraus. Dennis De und Hermann Färber standen perplex am Tisch und schauten die Buchstaben an. Lediglich Thomas Edtmaier wurde aktiv und wirbelte die Buchstaben durcheinander. Auf die Auflösung „Bankenzinsluder“ kam jedoch keiner von ihnen.

Köpfchen bewiesen hingegen alle vier bei den Fragen, welches Amt Angela Merkel nie bekleidete oder seit wann Frauen in Deutschland wählen dürfen. 

Am Ende strahlte der Sieger: Thomas Edtmaier gewann den Parcours mit 20,5 Punkten und erhielt ein Knobelspiel, das die Vier zuvor gelöst hatten. Bei Häppchen und Bio-Limonade ließen sie den Nachmittag ausklingen. Es war ein fairer Wettkampf, in dem Edtmaier für Färber und Baehrens für De geklatscht hatte.


Sieger nach Punkten

Sieger des Wettbewerbs wurde Thomas Edtmaier (Linke) mit 20,5 Punkten. Zweiter Dennis De (Grüne) mit 20 Punkten. Auf Platz drei kam Heike Baehrens (SPD) mit 18 Punkten, direkt vor Hermann Färber (CDU), der 16 Punkte erreichte.

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