Eine komplett neue Fassade bekommt das Gebäude des ehemaligen Toom-Baumarktes, ein neues gläsernes  Eingangsportal und  eine modernisierte Haustechnik. Wenn alles fertig ist – vermutlich in  eineinhalb Jahren – werden das Gartencenter Dehner und der Göppinger Schirm- und Sonnenschutzhersteller  Lambert in das kernsanierte und umgebaute Gebäude einziehen. Damit endet nicht nur ein etwa drei Jahre dauernder Leerstand, die neue Nutzung bedeutet auch einen Schlussstrich unter das lange Tauziehen um die Immobilie, die sogar schon die Gerichte beschäftigt hat (siehe Infobox).

Zuletzt war das Areal im Eigentum der benachbarten Möbelfirma Rieger, die es nach dem Auszug des Baumarktes gekauft und jetzt an die Gartencenter-Kette mit Hauptsitz im bayerischen  Rain am Lech weiter veräußert hat. Das Familienunternehmen Dehner, das 130 Gartencenter betreibt, kehrt damit der Nachbarstadt Eislingen nach 30 Jahren den Rücken.  Für den dortigen Standort gibt es noch keine Nachnutzung, heißt es von Dehner. Offen ist, ob die Eislinger Immobilie verkauft wird. Klar ist aber, dass Dehner in Göppingen in unmittelbarer Nachbarschaft des Baumarkt-Riesen Obi offenbar wieder den besseren Standort sieht. Auch in Eislingen war Dehner bis 2015 Nachbar von Obi.

Mehr Verkaufsfläche

Die Verkaufsfläche vergrößert sich am neuen Standort nur unwesentlich von bisher 5000 auf 5500 Quadratmeter. Im Erdgeschoss wird es nach dem Umbau einen großzügigen Gastronomiebereich geben, teilen Dehner und Lambert in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Das Dehner-Sortiment umfasst Pflanzen,  Gartentechnik, Gartenmöbel und Heimtiere. Den Kunden stehen  250 Parkplätze zur Verfügung. Am neuen Dehner-Standort werden etwa 50 Mitarbeiter  beschäftigt.

Umzug ist 2020 geplant

Etwa 60 Beschäftigte hat die Firma Lambert, die als Mieter auf etwa 3000 Quadratmeter Fläche mit in den umgebauten  Ex-Baumarkt einziehen wird.  Der 1974 in Göppingen gegründete Anbieter von Schirm- und Zeltsystemen hat sein derzeitiges Domizil im Stauferpark an die Firma Kleemann verkauft und sucht seit einiger Zeit einen neuen Firmensitz. Eine Ansiedlung im Boehringer-Areal kam nicht zustande. Nun freut sich Firmenchef Paul Lambert, dass der Umzug aufs Weber-Areal klappt. Auf 3000 statt wie bisher 2000 Quadratmetern  wird die Firmenpräsenz steigen. Dort soll das komplette Sortiment angeboten werden: Schirme, Markisen, Sonnensegel, Balkonumrandungen, Windschutzanlagen und Verkaufsanhänger. Im Erdgeschoss werde eine kleine „Antrittsausstellung“, ein Kommunikationsbereich, die Gastronomie, die Logistik und die Werkstatt angesiedelt, im Obergeschosse die große Ausstellung, Verwaltung und der Veranstaltungsbereich, der künftig auch an externe Nutzer weitervermietet werden soll, wie Paul Lambert betont. Dafür wird ein Teil der Ausstellung multifunktional mit einer Bühne eingerichtet und kann für Veranstaltungen wie beispielsweise die Gartenmesse im April umgewandelt werden. Es wird außerdem einen Außenbereich geben. „Wir sehen großes Potenzial in der Kooperation mit Dehner, da sich das Produktportfolio unserer Unternehmen perfekt ergänzt“, freut sich Paul Lambert .

Der Umzug der beiden Firmen in den umgebauten Toom-Baumarkt ist für 2020 geplant.

Ein langer Immobilienpoker


Der Toom-Baumarkt wurde Anfang der 90er Jahre gebaut und später durch einen Gartenmarkt ergänzt. Nach dem Aus für die benachbarte Firma Holz-Weber begann ein langer Grundstückspoker in dem Gebiet: Möbel-Rieger hatte zunächst das Holz-Weber-Areal, bis auf das Toom-Grundstück, gekauft und teils selbst genutzt, teils vermarktet.

Der Vorbesitzer des Baumarkt-Gebäudes und des 21 000 Quadratmeter ­großen Geländes, der Immobilienkonzern Patrizia Gewerbeinvest aus Hamburg, hatte über Jahre im Rechtsstreit mit der Stadt Göppingen gelegen. Streitpunkt war die Baugenehmigung für Obi. Parallel dazu hatte Patrizia ein Verfahren gegen den Bebauungsplan angestrengt, weil sich der Konzern dadurch benachteiligt fühlte, dass auf dem Toom-Gelände nur ein Baumarkt oder Gartenmarkt zulässig ist. Der Streit war bis vors Bundesverwaltungsgericht gegangen, das eine Beschwerde von Patrizia schließlich zurückwies. Toom gab auf. Rieger kaufte die Immobilie.