Göppingen Edelsteine der Orgelmusik in der Stadtkirche

Andreas Willberg spielte in der Göppinger Stadtkirche Orgel bei einer Matinée.
Andreas Willberg spielte in der Göppinger Stadtkirche Orgel bei einer Matinée. © Foto: Annerose Fischer-Bucher
ANNEROSE FISCHER-BUCHER 28.07.2015
Virtuose französische und deutsche Orgelwerke spielte der namhafte Organist Andreas Willberg in einer gut besuchten Matinée in der Stadtkirche.

Andreas Willberg ist mit seinen 28 Jahren nicht nur ein brillanter Techniker auf der Königin der Instrumente, er ist auch schon ein Künstler mit beachtlicher musikalischer Reife. In Karlsruhe geboren, studierte er als Konzertfach Orgel, Kirchenmusik und Musikwissenschaft in Stuttgart und Wien und seit vergangenem Jahr befindet er sich als Kirchenmusiker im Praktikum in Göppingen.

Ein glückliches Händchen hatte Willberg bei der Auswahl und Anordnung seines Matinée-Programms. Mit Komponisten der französischen Orgelschule umrahmte er das Konzert mit höchst virtuosen Stücken. Dazwischen war als struktureller Ruhepunkt - und auch so registriert - Johann Sebastian Bachs relativ unbekannte "e-moll Fuge, BWV 575" zu hören.

Wolfgang Amadeus Mozarts "Adagio B-Dur, KV 411", das ursprünglich für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner komponiert wurde, hatte Willberg für die Orgel arrangiert und den innewohnenden Humor des Stücks in Spieluhrmanier galant und gefällig in neue Klangfarben übertragen, wofür sich die Orgel in der Stadtkirche mit ihren vielen Registern, drei Manualen und Pedal bestens eignete.

"Robert Schumanns Miniaturen aus den Studien in ,kanonischer Form opus 56' könnte ich Tag und Nacht spielen und hören", sagte der Organist zu den Lieblingsstücken seines Konzertprogramms in der Stadtkirche. Sie seien kleine Edelsteine, genial hingeworfene und schelmisch skizzierte Charakterstücke.

Begonnen hatte Willberg mit dem majestätischen Allegro aus der dritten Orgelsinfonie von Louis Vierne und beendete das Konzert mit dem Finale der sechsten Orgelsinfonie von Charles-Marie Widor, dem Lehrer von Vierne. Als Gründer der neuen Orgelschule Frankreichs hatte er versucht, die Prinzipien der Orchestermusik auf die Orgel zu übertragen. Die Kathedrale von Notre Dame in Paris mit ihrer Klangfaszination im Raum sei hier mitzudenken, zu hören und zu fühlen, wenn man die Augen schließe, so Willberg bei seinen kurzen Ausführungen zu den einzelnen Stücken.

Olivier Messiaens "Joie et clarté des Corps Glorieux", das einem Organisten alles abverlangt, hat sein Stück 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als "Visionen über das Leben des Auferstandenen" geschrieben, das trotz der bedrückenden Zeitumstände Freude und Optimismus ausdrückt. Messiaens rhythmisches System kennt weder das Maß des Taktes noch der Zeit und organisiert die einzelnen Toneigenschaften neu zu kompositorischen Teilbildern. Willberg zeigte sich auch hier als Meister der Gestaltung und Registrierung. Mit Zungenpfeifen holte er ostinate Themen an die Oberfläche, setzte mit Holzpfeifen im Tremulo Cluster dagegen und variierte in der Dynamik bis hin zum vollen Tutti.