"Das ist einfach grandios, so etwas habe ich noch nicht erlebt", Astrid Vöhringer ist zu Tränen gerührt. Die Vorsitzende des Ebersbacher Fördervereins "Nepal-Schulprojekt - Zukunft für Kinder" erlebt in diesen Tagen eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Dem Schock nach dem verheerenden Erdbeben in dem Himalaya-Staat folgen täglich Nachrichten über die zunehmende Verschlechterung der Versorgungssituation der Menschen vor Ort. Ihnen und vor allem den Kindern der Schule in Dadhikot und ihren Familien gilt Vöhringers ganze Sorge. Viele seien durch das Erdbeben obdachlos geworden. Der Verein hat eine Hilfsaktion gestartet - die Resonanz ist riesig.

Die improvisierte Sammelstelle im Fahrradraum des Ebersbacher Rathauses platzt aus allen Nähten. Auf dem Platz davor und auf der rückwärtigen Zufahrt zu dem Verwaltungsgebäude sind Paletten aufgereiht, voll mit Zelten, Isomatten, Planen und Decken. Mindestens zehn Helfer haben alle Hände voll zu tun, all das zu verladen, was in den kommenden Wochen nach Nepal geschickt werden soll.

Zwei voll beladene 12,5-Tonner hat der Verein bereits nach Amstetten verfrachtet, wo ein Kleiderverwerter die Hilfsgüter pressen lassen wird. "Es ist eine unglaubliche Hilfswelle", sagt Vöhringer. Privatleute, Firmen, Vereine hätten gespendet. Der Wirt einer Göppinger Motorradkneipe habe ein ganzes Auto voll mit neuen Luftmatratzen und Schlafsäcken vorbeigebracht, ein Autoverleiher ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Auch viele Geldspenden sind inzwischen auf dem Konto des Fördervereins eingegangen, "eine alte Frau hat 500 Euro gebracht, einfach so", erzählt die Vereinsvorsitzende tief bewegt.

Den Vogel abgeschossen hat die Göppinger Walther-Hensel-Schule. Schulleiter Klaus Bühler und Lehrerin Merve Özdemir hatten nicht nur den Kofferraum voll beladen. Die Lehrer überraschten Astrid Vöhringer am Dienstagabend mit einer Spende über 10 740 Euro. Ein Teil stammt aus einem Zirkusprojekt, das die Schule veranstaltet hatte. 10.000 Euro hat die Familie eines Schülers gegeben, berichtet Bühler. Die Schüler sind seit Jahren Paten der Humla-Kinder. "Frau Vöhringer berichtet ständig über die Projekte und wir wissen genau, was mit den Spenden geschieht", sagt Bühler.

In zwei bis drei Wochen hofft der Verein, die Hilfsgüter nach Nepal transportiert zu können. Astrid Vöhringer will dann selbst an den Himalaya reisen. Bis dahin ist sie in ständigem Kontakt mit Uttam Dhungel - dem Mann, der vor Ort die Fäden in der Hand hält. Astrid Vöhringer ist froh, dass die Wohnheime und Schulen des Vereins weitgehend intakt sind. "Wir haben darauf geachtet, erdbebensicher zu bauen", erklärt die Ebersbacherin. Und doch ist die Erleichterung darüber überschattet von Trauer angesichts der Katastrophe, die das Land auf Jahrzehnte zurückwerfen werde. Unter den vielen Toten ist auch ein Freund, der die Bienenvölker des Fördervereins betreut hatte.