Göppingen Durchbruch dank moderner Maschinen

Göppingen ehrte seinen berühmten Sohn Louis Schuler und benannte 1929 im Hailing eine Straße nach ihm. Foto: Staufenpress
Göppingen ehrte seinen berühmten Sohn Louis Schuler und benannte 1929 im Hailing eine Straße nach ihm. Foto: Staufenpress
Göppingen / ELKE BERGER 15.03.2014
Schuler-Pressen? "Ja, das ist mir ein Begriff" heißt es nicht nur in Göppingen, sondern sogar weltweit. Bis heute prägt Schuler neben allerlei Währungsmünzen auch die Göppinger Wirtschaft.

"Rund 5500 Mitarbeiter weltweit gehören heute zum Schuler-Konzern", führt Unternehmenssprecher Ingo Schnaitmann aus. Die Standorte sind verteilt auf 15 Länder in fast allen Kontinenten. Alleine in Göppingen arbeiten etwa 1200 Menschen. Doch der Geburtsort des Welt-Unternehmens lag in einer kleinen Schlossereiwerkstatt in der Sauerbrunnenstraße in Göppingen. Sie hatte Georg Ludwig Schuler, genannt Louis, gegründet.

"Johann Georg Wörner und seine Ehefrau verkaufen stat und vest samt allen Rechten und Beschwerden an Ludwig Schuler dahier", beginnt der im Göppinger Stadtarchiv aufbewahrte Vertrag aus dem Kaufbuch von 1839. "Eigen Güter, Häuer und Gebäude: Ein 2 stokigtes Hauß an der Sauerbrunnenstraße mit der Schloßerei-Einrichtung und dem vorhandenen Handwerkszeug für und um 1550 fl.", heißt es weiter.

Mit seiner Bau- und Kunstschlosserei stieß Schuler auf eine Marktlücke. Die Auftragslage war gut. Schon bald stellte er weitere Arbeiter ein, das Geschäft florierte. Bis zum Schicksalsjahr 1848. Revolutionen beutelten das Land und Schulers bisheriger Absatzmarkt - die Baubranche - brach ersatzlos weg. Doch nun zeigte sich sein unternehmerisches Denken: Er schwenkte kurzerhand um zum Waffenschmied. Damit rettete er nicht nur seine Firma durch die schwere Zeit, Schuler kam auch mit der nächsten Stufe der volkswirtschaftlichen Entwicklung in Berührung: mit der Herstellung von Produktionsmitteln, also Maschinen, die die menschliche Arbeitskraft unterstützten.

Das Stammhaus in der Sauerbrunnenstraße platzte längst aus allen Nähten, und so zog die Firma 1863 um in das neue Fabrikgebäude in der Bahnhofstraße. Inzwischen hatte Louis Schuler der Jüngere den Betrieb übernommen und schaffte es, mit seiner Produktion Weltgeltung zu erlangen. 1914 entstand das neue Verwaltungsgebäude im neo-klassizistischen Baustil, das noch heute Herz der Firma Schuler ist.

Göppingen ehrte seinen Sohn, indem 1929 im Hailing eine Straße nach ihm benannt wurde. In mittlerweile vierter Generation, kaufte Urenkel Louis Schuler 1935 das anliegende WMF-Gelände auf und schuf damit die Grundlage für den Bau von Pressen in bisher nicht gekannten Ausmaßen. 1961 entstand das erste Zweigwerk in Großbritannien, 2014 steht das Unternehmen in seinem 175. Jahr. Nicht nur zahllose Autos fahren heute mit Karosserieteilen, die auf Schuler-Pressen hergestellt wurden. Auch wenn heute irgendwo auf der Welt Menschen mit Münzen ihrer Währung Waren bezahlen, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass diese auf Schulerpressen geprägt wurden.