Musikkabarett Duo Camillo: Kirchenkabarett mit Tiefgang

Pianist Martin Schultheiss und Fabian Vogt überzeugten musikalisch, aber auch mit Wortwitz und Augenzwinkern.
Pianist Martin Schultheiss und Fabian Vogt überzeugten musikalisch, aber auch mit Wortwitz und Augenzwinkern. © Foto: Olaf Hinrichsen
Göppingen / Olaf Hinrichsen 08.11.2018

Was ist Wahrheit? Und wollen wir überhaupt alle Wahrheiten kennen? Das fragten Fabian Vogt und Martin Schultheiß alias „Duo Camillo“ beim Konzert in der evangelisch-methodistischen Friedenskirche.

Der eine – Fabian Vogt – arbeitete sieben Jahre lang als Gemeindepfarrer; der andere – Martin Schultheiß – ist Teilzeit-Geschäftsführer eines modernen Großantiquariats. Zusammen machen sie seit 1990 als „Duo Camillo“ die deutschen Kirchen-Bühnen unsicher.

Auch in der Göppinger Friedenskirche waren sie gleich mit dem ersten Lied „mittendrin – das fühlt sich so gut an“. Der Besucherandrang erinnerte die beiden dezent an Massentierhaltung; und angesichts der Göppinger Barbarossa-Urkunde von 1154 wähnten sie einige Gründungsmitglieder unter den Zuhörern. Doch dann wurde es tiefgründiger. Wahrheit stamme vom indogermanischen Wort Vertrauen ab. Doch worauf können wir heute noch vertrauen, wenn andere auf der Wahrheit herum-„trumpeln“ beziehungsweise sie in Deutschland nur noch in „Maaßen“ vorkommt? Und können wir der Weihnachtsgeschichte glauben, wenn das Kind, kaum auf der Welt, schon gleich einen Krippenplatz hat? Doch ob alternative oder „altarnative“ Wahrheiten – Wahrheit ist immer mehr als bloße Fakten.

Auch die Kirchen werden von Vogt und Schultheiß hinterfragt. Immerhin: Gott sei nicht tot – sondern im Gottesdienst eingeschlafen. Und wen wundert‘s, wenn Jesus noch Jünger, manche Gemeinden aber Älteste haben? Das Duo zeigte, wie’s anders geht. Denn Gott höre nicht nur Orgel, sondern auch Rock, Schlager, Dixieland etc.. Und im Himmel seien nicht nur Bach und Händel versammelt, sondern auch John Lennon und Freddie Mercury. Was das konkret bedeuten kann, zeigte Martin Schultheiß am Klavier, als er „Gott ist gegenwärtig“ (Text von 1729, Melodie von 1680) in Jazz-, Tango-, Boogie-Woogie- oder Gospel-Stil intonierte.

Drei Steinmetze schlagen Steine aus den Felsen: einer nach dem Motto „Irgendjemand muss es ja tun“, einer „für die Familie“; und einer, weil er einen Dom baut. Wer hat die wahre Erkenntnis?, fragt Fabian Vogt. Und sind alle Wahrheiten wichtig? In Pennsylvania (USA) ist es verboten, auf einem Kühlschrank zu übernachten; in England ist es verboten, im Parlament zu sterben; und ein Bart wird ohne Rasur 8,30 Meter lang. Wahr, aber auch wesentlich?

Wesentlich sei hingegen unser Gottesbild. Ob wir Gott als gnädigen, strengen oder zornigen Vater erwarten, hänge von unserer eigenen Vatererfahrung ab.

Mit einem aus dem Stegreif improvisierten „Göppingen-Lied“ unterstrich Fabian Vogt, der auch Autor mehrerer Bücher ist, seine Lust am Wortspiel. Die aus dem Publikum zugerufenen Worte wie Müllheizkraftwerk, Stuttgart 21, Brezeltaste, Barbarossa, Feinstaub, Arbeitskreise, Verständigung, Geistesgaben und Ausschuss verband er gekonnt zu einem neuen Song. Zum Abschluss griff „Duo Camillo“ auf Luther zurück: Was die Zukunft auch bringen mag, wir brauchen keine Angst zu haben. Und wenn die Welt morgen unterginge, könnten wir heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Denn wir würden nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

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