Klassik Duo auf dem Weg nach oben

Ulrich Kernen 28.12.2017

Der Auftritt des Duos Ada Aria Rückschloß (Klavier und Violine) und Ead Anner Rückschloß (Klavier und Violoncello) im Königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll war von vornherein etwas Besonderes: Es ist außergewöhnlich, dass beide außer Klavier jeweils noch ein anderes Instrument auf demselben Niveau beherrschen. Das eröffnete natürlich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten.

War früher perfektes Spiel anspruchsvoller Stücke das „Markenzeichen“ der beiden, so kamen nun auf höherem künstlerischem Niveau musikalischer Gestaltungswille und die Umrisse eines eigenen Stils hinzu. Damit spielen sie auf Augenhöhe mit manchen professionellen Ensembles und können sich auch an diesen messen lassen.

Recht sportlich ging das gut auf einander eingespielte Duo das Eröffnungsstück an: den ersten Satz aus Mozarts Violinkonzert A-Dur KV 219. Das war kraftvolle, temporeiche Musik! Ead Rückschloß tat am Klavier manchmal des Guten zuviel, so dass der Charme und die Mozartsche Anmut in den Hintergrund traten und seine Schwester in der hohen Lage ab und zu mit ungewöhnlicher Schärfe dagegen halten musste. Bei Werken Beethovens fühlte sich der Pianist eher zu Hause: Im Allegro assai aus der Klaviersonate f-moll opus 57 reizten ihn vor allem die leidenschaftlichen Klangausbrüche. In der zupackend musizierten Violinsonate B-Dur opus 12 Nr. 2 ließ der einzige langsame Satz des ersten Teils aufhorchen: Das war ideales, seelenvolles Zusammenspiel. Respekt nötigten die beiden Eigenkompositionen von Ada Aria Rückschloß ab. Beide hatten ein „Motto“ im Titel: Das Violinsolo („Rede“) entpuppte sich als lebhaftes, gestenreiches Gespräch und die „Kapriolen“ für Klavier (Ead Rückschloß) offenbarten die im Motto angekündigten extremen Bocksprünge, wofür die Klangkapazität des Flügels wohl zu gering war.

Der zweite Teil wurde von der Pianistin mit Prélude, Choral et Fugue von César Franck eröffnet. In einer einzigen, groß angelegten Steigerung verwob sie Gesangliches mit virtuosen Akkordbrechungen ­– eine durch und durch runde Sache. Mit der Cellosonate von Francis Poulenc hatte das Duo zum Schluss ein buntes, witziges und zugleich virtuoses Werk ausgewählt. Durch ihr präzises Spiel blieben viele Feinheiten erhalten, wenn auch der Cellist an die Grenzen seines Instruments gehen musste, um mit dem feurigen Temperament seiner Schwester Schritt halten zu können.

Fazit: Man hat ein Konzert eines Duos erlebt, das zweifellos auf dem künstlerischen Weg nach oben ist.