Göppingen / ARND WOLETZ  Uhr
In Faurndau ist ein nur 1,45 breiter Fußgänger-Tunnel unter der Bahn seit langem ein Ärgernis. Nun musste die Bauverwaltung vor Ort wieder Kritik einstecken.

Im Vorbeifahren ist das, was ein Leserbriefschreiber als „fürchterliches Loch“ bezeichnet hat, kaum zu sehen. Kurz vor der Bahnbrücke zwischen Göppingen und Faurndau führen  schmale Stufen in die Tiefe. Unten fühlt man sich ein wenig wie in einem Bergwerk. Ein etwa 50 Meter langer, schwach beleuchteter und beängstigend niedriger Gang liegt vor dem Fußgänger. Darüber rumpeln die Züge der Filstal-Trasse. Ein großgewachsener Mann kann mit dem Kopf fast die Decke und mit ausgestreckten Armen beide Wände berühren. Der Gang ist nur 1,45 Meter breit. Dazu kommt, dass er oft verschmutzt ist und es auf halber Strecke durch die Decke tropft.  So abschreckend der Tunnel auch ist, so wichtig ist er als Fußgängerverbindung zwischen den Wohngebieten im Faurndauer Osten zu den Buslinien und den nördlich gelegenen Ortsteilen. Deshalb kämpfen die Bewohner im Stadtbezirk seit Jahren darum, dass der Durchlass zur ordentlichen Unterführung umgebaut wird. Wenn die nahe gelegene Bahnbrücke für Autos neu gebaut wird, müsse man die Chance nützen, auch eine barrierefreie Unterführung zu bekommen.

Bisher bissen die Bürger auf Granit. Auch als sich jetzt – auf Einladung des Faurndauer SPD-Ortsvereins – 70 Bürger am Einstieg in der Filsstraße mit Vertretern der Bauverwaltung trafen, gab es keine richtige Lösung. Tenor von Baubürgermeister Helmut Renftle: Verbesserungen an den steilen Zugängen sind möglich, ein vorschriftsmäßiger barrierefreier Ausbau allerdings nicht.

Bahn gehört der Stollen

Bei allen Überlegungen ist die Bahn im Boot, denn der gehört der Stollen. Tatsächlich ist das Bauwerk vor sage und schreibe 90 Jahren als Querungshilfe für Bahnmitarbeiter gebaut worden – und seither unverändert. Eine öffentliche Unterführung ist der Durchlass folglich nicht. Die Benutzung durch die Allgemeinheit  wurde lediglich von der Bahn vertraglich gestattet. Das Unternehmen hat in Vorgesprächen und Briefwechseln deutlich gemacht, dass die Stadt zwar eine neue Unterführung beantragen kann, sie dann aber auch bezahlen muss.

Helmut Renftle erklärte den aktuellen Planungsstand für eine Kompromisslösung: Auf der Nordseite an der Stuttgarter Straße könne der Deckel auf etwa einem Drittel der Tunnellänge abgenommen werden, weil das ehemalige Gleis der Gmünder Bahn nicht mehr gebraucht wird. Deshalb wäre auch Platz für flachere Treppen. Auf der Südseite sollen die Treppen um 90 Grad gedreht werden und dann entlang der Filsstraße nach oben kommen. Renftle machte aber auch klar, dass der Abstieg dennoch nicht barrierefrei wird, denn eine solche Zufahrt dürfte nicht mehr als sechs Prozent Gefälle haben. Das hätte entsprechend längere Rampen zur Folge. Um für Radfahrer geeignet zu sein, muss die Durchfahrt mindestens 2,50 hoch sein. All das ist in dem Tunnel und an der engen Filsstraße nicht denkbar, so Renftle. „Wenn man das will, dann muss man sich von diesem Ort verabschieden.“ Die meisten versammelten Bürger schauten bedröppelt drein, einige machten Verbesserungsvorschläge oder übten unverhohlen Kritik: Wenn der Zugang nicht barrierefrei würde, habe man lediglich einen Haufen Geld ausgegeben, aber nichts erreicht, schimpfte Gerhard Fischer, ein Faurndauer, der der Bauverwaltung auch Verzögerungstaktik vorwarf. Das wies Renftle als ungerecht zurück. Schließlich liege eine Planung des derzeit Machbaren vor.

Längst hat die Lokalpolitik das dunkle Loch ins politische Rampenlicht erhoben. Armin Roos, Chef der SPD-Gemeinderatsfraktion, sagte vor Ort, man erwarte keine Wunderdinge. Das letzte Wort könne aber auch noch nicht gesprochen sein. Er wünschte sich von der Bauverwaltung, auch unkonventionelle Lösungen zu prüfen, etwa ein Absenken der Fahrbahn, damit der Höhenunterschied geringer ausfällt und mit Rampen überwunden wird. Die SPD kündigte jedenfalls an, im Zuge der Haushaltsplan-Debatten für 2017 mindestens 30.000 Euro als Planungsrate zu beantragen.