Städtebau Dringender Appell für Apostel-Erhalt

Das Gebäude des Apostel-Hotels in Göppingen sollte unbedingt stehen bleiben, finden die vier Architekten im neuen Gestaltungsbeirat der Stadt.
Das Gebäude des Apostel-Hotels in Göppingen sollte unbedingt stehen bleiben, finden die vier Architekten im neuen Gestaltungsbeirat der Stadt. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / ARND WOLETZ 16.12.2014
Der Göppinger Gestaltungsbeirat hat sich am Montag zum ersten Mal getroffen. Die vier Mitglieder sollen helfen, Architektur und Stadtbild zu verbessern.

Die Stadt Göppingen hat sich vier externe Fachleute ins Boot geholt: Der vom Gemeinderat beauftragte Gestaltungsbeirat soll den Blick von außen wagen, größere Architektur-Vorhaben und stadtplanerische Entwicklungen begleiten. Das könne auch die öffentliche Diskussion über die Themen Stadtbild und Architektur mehr in den Vordergrund rücken, hoffte Baubürgermeister Helmut Renftle.

In der Pressekonferenz nach der ersten Sitzung ließen die Mitglieder am Montag gleich aufhorchen. Denn eines der diskutierten Projekte waren die geplanten Apostel-Höfe zwischen Marktstraße und Schützenstraße: Das namengebende historische Apostel-Hotel "sollte unbedingt erhalten werden", machte Kurt Werner, ehemaliger Baudezernent der Stadt Konstanz und Vorsitzender des neuen Gremiums, unmissverständlich klar. Die Eigentümer hatten bisher stets betont, ein Erhalt sei nicht möglich.

Stadtgeschichtliche Bedeutung

Die Hotel besitze aber eine stadtbildprägende Funktion und stadtgeschichtliche Bedeutung, so Werner. Es sei dem Architekten Klaus von Bock ans Herz gelegt worden, dass das Gebäude nicht nur für sich stehe, sondern sein Erhalt dem gesamten Quartier sehr nutzen könne. Das Haus könne als Entree einen sehr guten Maßstab für die dahinter liegenden Nutzungen vorgeben. Deshalb wollten die Experten auch von einem reinen Fassadenerhalt nichts wissen.

"Wenn man großzügig bauen darf, dann kann man als Bauherr auch etwas für die Allgemeinheit einbringen", sagte Beiratsmitglied Professor Thomas Zimmermann aus Frankfurt. Diese Maxime betonten die Fachleute auch bei einem anderen Gebäude: dem geplanten Schuler-Hochhaus an der Willi-Bleicher-Straße. Dort seien die Pläne zwar schon deutlich weiter gediehen, sodass es nicht mehr um das eigentliche zwölfgeschossige Hochhaus gehen konnte. Jedoch sei über ein möglichst offenes und großzügiges Freiraumkonzept rund um das Hochhaus herum gesprochen worden, erläuterte Werner. Außerdem empfahl das vierköpfige Gremium auch hier den Erhalt eines historischen Gebäudes im Umfeld: das ehemalige Schuler-Wohnhaus an der Ecke zur Bahnhofstraße. Dort war zuletzt die Kantinenküche der Firma untergebracht. Im Baugesuch der Firma klafft an seiner Stelle eine Lücke. Auf dem aktuellen Modell steht dort ein Neubau. Der Gestaltungsbeirat habe den Vertretern der Firma Schuler jedoch ans Herz gelegt, dieses Gebäude möglichst lange oder dauerhaft zu erhalten.

Gegenseitiges Vertrauen aufbauen

Die Bauherren hätten in der Regel Verständnis für die Argumente des Beirats gezeigt, resümierte Mitglied Dr. Eckart Rosenberger. Es gehe darum, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Der Beirat wolle bei Architekturkollegen auf Augenhöhe für optimale Lösungen plädieren. Kurt Werner ergänzte: "Der Blick von außen ist manchmal auch ein Befreiungsschlag."

Zu den weiteren Vorhaben, die dem Gestaltungsbeirat am Montag vorgestellt wurden, gehörte auch das Hotel am Kornhausplatz. Dort sei es vor allem um die Fassadengestaltung und die Anbindung an die Nachbar-Areale gegangen. Bei zwei weiteren Wohn- und Geschäftshäusern in der Lange Straße und in der Grabenstraße beim Schillerplatz hätten die Verbesserungsvorschläge vor allem die Dachformen betroffen.

Sowohl die Verwaltungsspitze als auch die im Beirat als Zuhörer vertretenen Stadträte waren anschließend mit dem Auftakt sehr zufrieden. Der Baubürgermeister bekannte nach der Sitzung, der Gestaltungsbeirat habe der Stadt in mehreren Punkten Rückenwind gegeben.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel