Kreis Göppingen Donzdorfer in Napoleons Krieg

GABRIELE VON TRAUCHBURG 02.11.2012
Der große Russlandfeldzug Napoleons jährt sich zum 200. Mal. Die Gingener Historikerin Gabriele von Trauchburg forscht über den Donzdorfer Graf Joseph von Rechberg, der in den Krieg eingebunden war.

Graf Joseph Maria Johann Nepomuk von Rechberg (geboren 1769 in Donzdorf, gestorben 1833 in München) war als hochrangiger bayerischer Offizier in alle Phasen des napoleonischen Russlandfeldzugs eingebunden. Im Alter von zwölf Jahren schickten ihn seine Eltern in ein Benediktiner-Internat nach Frankreich. Zwei Jahre später setzte er seine Ausbildung zu einem Elite-Soldaten fort.

In München unterrichtete Joseph ab 1788 junge Rekruten. Als einer der Ersten zog er 1794 bei Mannheim in den Krieg gegen Napoleon. In den folgenden Jahren findet man ihn bei sämtlichen Kriegszügen: 1796 schützte er die väterlichen Herrschaften bei Lautertal beim Durchmarsch der Heere, 1798 gab er den letzten Kanonenschuss auf die Franzosen in Malta ab, zwischen 1799 und 1802 war er bayerischer Verbindungsoffizier bei den Österreichern und 1809 kämpfte er gegen Andreas Hofer in Tirol.

1811 stand Bayern auf französischer Seite. Zur Vorbereitung des großen Feldzugs gegen Russland wurde Joseph von Rechberg nach Paris abgeordnet. Bayern musste für diesen Krieg 33 000 Mann stellen. Anfang März 1812 marschierte Joseph durch Oberfranken nach Dresden und weiter über Warschau zur russischen Grenze.

Anfang August drohte ein Teil der russischen Armee die Hauptversorgungslinie der Großen Armee von Norden her abzuriegeln. Napoleon sandte die bayerische Infanterie - und damit auch Joseph - nach Polozk/Plack. Dort kam es zwischen dem 16. und 22. August zu mehreren Gefechten. Die Bayern gewannen überlegen, aber der Sieg forderte einen hohen Tribut an Toten, Verwundeten und Vermissten.

Zwischen Ende August und Mitte Oktober 1812 waren die bayerischen Soldaten in Polozk mit Schanzarbeiten beschäftigt. In der Zwischenzeit formierten sich die geschlagenen Russen erneut. Die Lebensumstände in den Sümpfen rund um Polozk und die schlechte Versorgung waren dafür verantwortlich, dass die Zahl der kampffähigen Bayern ohne Kampfhandlungen zusammenschmolz. Die Soldaten liefen buchstäblich in Lumpen und ohne Schuhe umher. Sie magerten schnell ab, Durchfall, Ruhr und Fieber verbreitete sich rasend schnell. Ein Weitermarschieren war unmöglich, mehr als 900 bayerische Soldaten starben. Auch Joseph von Rechberg war von Oktober bis Ende November 1812 erkrankt. Josephs Vater benachrichtigte seine Familie Ende November zu Josephs Schicksal: "Der gute Joseph hat in allen seinen Campagnen (Kriegszügen) nie so viele Anfälle von Krankheiten bekommen als wie in dieser." Tatsächlich konnte Joseph seiner Familie mitteilen, dass er "bis dahin glücklicherweise keine Erfrierungen an Zehen, Fingern, Nase oder Ohren erlitten hatte, obwohl diese Körperteile bei ihm eine tiefpurpurne Farbe angenommen und zum großen Teil ihr Gefühl verloren haben".

Für den Rückzug der Grand Armée wurde im Dezember 1812 aus den noch verbliebenen bayerischen Soldaten eine Infanterie-Division unter dem Kommando von Joseph von Rechberg zusammengestellt. Bis kurz vor Warschau war es abgesehen von gelegentlichen Aufeinandertreffen zwischen seiner Division und den vorrückenden Russen zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen gekommen. Auf dem Heimweg erreichte Joseph von Rechberg am 24. März 1813 seine Ernennungsurkunde zum General-Lieutenant der bayerischen Infanterie. Wenig später berichtete er aus dem thüringischen Hildburghausen, dass alle verbliebenen bayerischen Soldaten unter großer Müdigkeit und Erschöpfung litten. Bei der Ankunft in Bamberg Mitte April 1813 löste Joseph von Rechberg seine Brigade auf.

Anschließend kehrte er nach München zurück. In seinem Abschlussbericht stand zu lesen: "Nachdem ich mit meinem bedauernswerten kleinen Corps zahlreiche durchaus vorteilhafte Affairen gehabt habe, habe ich äußerst unglücklicherweise bei der letzten Affaire am letzten Tag den Feind vor Augen mit dem Verlust der Artillerie aufgehört. Dennoch können wir stolz sein (. . .). So ist eben der Krieg.