Comedy Dodokay mit schwäbischem Witz in Göppingen

Comedian Dominik Kuhn alias Dodokay in der Göppinger Stadthalle.
Comedian Dominik Kuhn alias Dodokay in der Göppinger Stadthalle. © Foto: Tilman Ehrcke
Göppingen / Marcus Zecha 13.01.2018

Der Schwabe an sich ist ja ein ganz Netter. Davon ist Dominik Kuhn alias Dodokay überzeugt. Das hätte eigentlich auch der Nicht-Schwabe merken können, wenn, ja wenn der Schwabe nur geschwiegen hätte. Oder um es im hiesigen Idiom, an den Schwaben gerichtet, zu sagen: „Hättsch oifach dei Gosch ghalta!“

Dass der Schwabe jedoch eben dazu nicht fähig ist, alles kommentiert, egal, ob einer zuhört oder nicht – das ist das philologische Credo Dominik Kuhns. Und es ist eine Behauptung, deren Richtigkeit der Comedian am Donnerstag in Göppingen in seiner kurzweilig-gewitzten neuen Show gleich mal unter Beweis stellte. Zwei Stunden lang sprudelte es in der fast ausverkauften Stadthalle  nur so aus ihm heraus.

In seinem zweiten Programm „Schwaben – Menschen– Abenteuer“ erweist sich Dominik Kuhn wieder als guter Beobachter. Seine Ideen hole er sich zum Beispiel im Supermarkt oder beim Grillfest, verrät Kuhn. Doch richtig unterhaltsam wird der daraus abgeleitete Schwaben-Befund erst, wenn er dessen Macken etwa in absurden Spielszenen offenbart. So muss ein von einer giftigen Schlange gebissener Inder beim Arzt um sein Leben bangen, weil die nette schwäbische Arzthelferin „erst das Kärtle“ sehen will und der heftig schwitzende Patient dann „grad amol“ im Wartezimmer Platz nehmen soll. Nicht alle Gags sind taufrisch. Die im breitesten Älbler-Schwäbisch vorgetragenen Sprüche von Frau Metzger haben ebenso überlebt wie Namensvetter Fritz Kuhn alias Harry Fauser als Fan des stimmungsvollen Orgelspiels. Denn wie im ersten Programm wird Kuhns Stand-up-Comedy wieder garniert mit synchronisierten Filmclips, bei denen Darth Vader ebenso wenig fehlen darf wie James „Dieter“ Bond. Und Arnold Schwarzenegger lässt sich in einem obskuren Selfie-Video, das für sich genommen schon satireverdächtig ist, über seinen „Jenseits-Rausch“ vom vorabendlichen Kneipenbesuch aus. Einfach köstlich!

Auch der TSV 49 Leimerstetten ist wieder ziemlich umtriebig. Da finden sich Merkel, Trittin & Co.  beim Vorbereitungstreffen zur Faschingshocketse wieder, Merkel kämpft für ihre Zumba-Gruppe, und um den Schlüssel zum Partyraum des Vereins gibt’s wilde Diskussionen. Als dann noch Feuerwehrhauptmann Herbert Nägele seine gestelzten Kommentare über einen skurrilen Brand in die Kamera spricht, ist das Publikum vollends aus dem Häuschen.

Vielleicht hat Kuhn ja recht, und der Schwabe ist im Grunde seines Herzens tatsächlich lieb, nett und mitfühlend. Bei Dodokay ist er aber vor allem eines: ziemlich lustig. Gut, dass er nicht geschwiegen hat.

Obamas Rede vor der Eigentümerversammlung des Wohnblocks Wilhelmstr. 48

Synchro-Filme „Dodokay“ war der Internet-Benutzername, unter dem Dominik Kuhn vor gut zehn Jahren bekannt wurde. Damals begann er, Filmausschnitte auf Youtube ins Netz zu stellen, die er zuvor humoristisch mit schwäbischen Texten synchronisiert hatte.

Obama-Rede Die Berliner Obama-Ansprache zum Beispiel wurde bei Kuhn zur Wutrede bei der Eigentümerversammlung des Wohnblocks Wilhelmstr. 48 – und als solche in kürzester Zeit Kult. „Bei ons stellt jeder Daggel, grad wie’s ihm basst, sein Drohtesel in Hausgang nei!“, legt Dodokay dem damaligen US-Präsidenten in den Mund. Das „Sauerei!“ vereinzelter Eigentümer als Reaktion auf Obamas Vorwürfe wurde so zum geflügelten Wort. maz

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