Faurndau Kampf um Meinungshoheit in vollem Gang

Faurndau / Von Peter Buyer und Arnd Woletz 14.09.2018
Das „Bürgerbüro Dittlau“ ist eröffnet. Die Rathausspitze ringt dort um Rückenwind für das umstrittene Wohngebiet. Die Kritiker von der Bürgerinitiative halten mit Transparenten dagegen.

Das „Bürgerbüro Dittlau“ ist da. Im vergangenen November von OB Guido Till angekündigt, ist es jetzt offiziell eingeweiht und vorgestellt worden. Drei Räume im Bezirksamt Faurndau in der Bismarckstraße 6 dienen ab sofort den Faurndauern und der Stadtverwaltung als Ort der Begegnung, Information und Kommunikation. Oberster Kommunikator der Stadt ist der Chef persönlich. OB Guido Till machte zur Einweihung noch einmal klar, warum die Stadt das Dittlau-Wohngebiet auf rund 25 Hektar auf dem Ackerplateau im Faurndauer Südosten mit rund 800 Wohneinheiten für bis zu 2000 Menschen plant.

Die Stadt gehe nämlich für die nächsten 20 Jahre von einem Bedarf von rund 2900 zusätzlichen Wohneinheiten aus. Göppingen wächst, ist laut Till, „ein geschätzter Wirtschaftsstandort“ und habe „eine unglaublich hohe Arbeitsplatzdichte“, so der OB am Mittwochabend bei der Einweihung des Bürgerbüros mit geladenen Gästen, „553 Arbeitsplätze kommen auf 1000 Einwohner im Jahr 2017“– mehr als in der Region. Auch gebe es weit mehr Berufseinpendler als Auspendler. Die hohe Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt „ist Ausfluss unserer erfolgreichen Politik der letzten Jahre“, sagt Till, der die Bescheidenheit in den „schwäbisch sparsam möblierten“ Räumen für einen Moment ablegt.

Das Bürgerbüro solle aber kein Verkaufsbüro sein, stellt er klar, sondern ein Ort zum Reden mit der dort anwesenden Vertreterin der Stadtplanung, aber auch in größerer Runde. Dafür steht in einem der Räume ein großer Tisch samt Stühlen bereit. An den Wänden hängen Plakate mit einer Luftaufnahme Faurndaus und dem grob markierten Platz für das neue Baugebiet. Ein nagelneuer Imagefilm wirbt für die Stadt und das geplante Baugebiet.

Frischen Gesprächsstoff gibt es Ende des Monats. In der Gemeinderatssitzung am 27. September sollen die Ergebnisse neuester Gutachten zum Neubaugebiet vorgestellt werden, und gleich danach auch im neuen Bürgerbüro. Die Gutachten seien ergebnisoffen, sagt Till, ist aber guter Dinge, dass es mit der Dittlau klappen könnte. Er stehe, wie auch Baubürgermeister Helmut Renftle, voll hinter den Plänen, auch die Gespräche mit den Grundstückseigentümern in dem Gebiet, die ihre Flächen an die Stadt verkaufen müssten, laufen gut, sagt Till, der besonders wohnungssuchende Familien im Blick hat. Das neue Logo zum geplanten Baugebiet sieht entsprechend aus: „Dittlau-Familienwohnen“ steht dort in bunten Buchstaben. Und für das noch nicht beschlossene Wohnquartier werden auch schon bunte Werbeartikel wie Zollstöcke und Kugelschreiber verteilt.

Gar nicht so farbenfroh sehen die Dittlau-Kritiker die Zukunft. Im Gegenteil. In Faurndau hat sich unter den Landwirten und in einer Bürgerinitiative Widerstand gegen das Gebiet aufgebaut, das sie Trabantenstadt nennen und dessen Notwendigkeit sie bezweifeln. Bei der Eröffnung sind die Kritiker auf der Straße vor dem Bezirksamt mit einer Mahnwache und großen Transparenten vertreten. Und auch gestern, beim Tag der offenen Tür, waren die Gegner augenscheinlich deutlich in der Überzahl gegenüber einigen Bürgern, die sich bei süßen Stückchen und Getränken das neue Info-Zentrum anschauen wollten.

Die Mitstreiter der „Schutzgemeinschaft Dittlau“ werfen der Stadt vor, den Wohnraumbedarf künstlich nach oben zu rechnen. Sogar im Imagefilm würden die falschen Zahlen wiederholt, sagen die Kritiker. Sie führen dagegen Flächenfraß und Verlust von Erholungsflächen ins Feld. Dabei habe die Stadtverwaltung im Faurndauer Ortskern genug zu tun, um ihn vor dem weiteren Verfall zu retten und ihn für neue Einwohner wieder attraktiv zu machen. „Baulücken schließen“ steht auf einem der Transparente. „Familienwohnen“, da sind auch die Gegner der Dittlau-Pläne dafür. Aber nicht im Dittlau-Gebiet, sondern im Göppinger Golfpark. „Familienwohnen im Golfpark“ steht auf einem Plakat vor dem Eingang des Bezirksamts. Jörg Krauß, Martin Bareiß und etwa 20 Mitstreiter von der Schutzgemeinschaft haben – passend zur Vorstellung des Bürgerbüros – außerdem den Tipp des Tages: Das Bürgerbüro solle geschlossen oder unter dem Namen „Familienwohnen Golfpark“ in den Stauferpark verlegt werden. Denn das Gelände des Golfplatzes gehöre im Gegensatz zum Dittlau-Gebiet bereits der Stadt und könne in einigen Jahren entwickelt werden.

Öffnungszeiten und Kontakt des Bürgerbüros

Das Bürgerbüro Dittlau ist dienstags von 8 bis 10 Uhr, donnerstags von 16 bis 18 Uhr und nach vorheriger Vereinbarung geöffnet. Telefon: 07161 650-9050, E-Mail: buergerbuero-dittlau@goeppingen.de

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