Göppingen / Dirk Hülser  Uhr
Einer Patientin werden am Eichert Wertsachen, Kleidung, Schuhe und Brillen gestohlen. Die Klinik will das Gebäude nicht vor der Öffentlichkeit abschotten.

Als die Patientin in der Klinik am Eichert in der vergangenen Woche vom Kaffeetrinken in ihr Einzelzimmer auf der Komfortstation für Privatpatienten zurückkam, traute sie ihren Augen nicht: Ein unbekannter Dieb hatte buchstäblich alles, was nicht niet- und nagelfest war, mitgenommen. Gestohlen wurden nicht nur Handy, Geldbeutel und Uhr der Frau, auch Kleidungsstücke, Schuhe, Waschbeutel und Brillen waren verschwunden.

Der Fall zeigt ein Dilemma auf, in dem die Klinik steckt: „Wir wollen, dass unsere Patienten ungehindert Besuch von ihren Angehörigen und Freunden erhalten können, da dies die Gesundheit fördert“, sagt Pressesprecher Frank Westbomke. „Im Zusammenhang mit Diebstahlsfällen häufig geäußerte Forderungen nach Zugangsbeschränkungen, Ausweiskontrollen oder der Pflicht zur Taschenabgabe an den Zugängen würden eventuell Diebe abschrecken, aber dem Gedanken der Offenheit entgegenstehen“, erklärt er. Deshalb meint Westbomke: „Diebstähle in Krankenhäusern sind leider ein kaum vermeidbares Übel.“

45 Verluste im vergangen Jahr, dieses Jahr bereits 21

Der Pressesprecher hat auch Zahlen: Im vergangenen Jahr wurden in den Alb-Fils-Kliniken – also der Klinik am Eichert und der Geislinger Helfensteinklinik – von Patienten 45 Verluste gemeldet, im Jahr 2019 waren es bislang 21. Westbomke betont aber, es sei unklar, wie die Verluste zustande kamen: „Ob letztendlich der Patient den Gegenstand verloren oder verlegt hat, ob ein Angehöriger ihn unwissentlich vom Patienten bereits mitgenommen hat oder eine andere Person ihn versehentlich eingesteckt oder doch auch bewusst gestohlen hat, lässt sich nur in den wenigsten Fällen zweifelsfrei ermitteln.“

Karin Bauer-Haag aus Ottenbach war in der vergangenen Woche zu Besuch in der Klinik, als ihrer Freundin auf der Komfortstation das Zimmer leergeräumt wurde. „Niemand auf der Station fiel etwas auf“, klagt sie. „Als ob es nicht reicht, dass man wegen Krankheit dort ist, dann muss man sich auch noch mit einer solchen Situation herumärgern.“ Zwar seien Stationsleitung, Klinikleitung und Polizei sofort informiert worden. Dennoch glaubt Bauer-Haag: „Den oder die Diebe zu fassen, ist aussichtslos.“

Polizei: Diebstähle in Krankenhäusern kommen immer wieder vor

Joachim Schulz von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Ulm bestätigt, dass zu dem Fall eine Anzeige vorliegt. Diebstähle im Krankenhäusern kämen immer wieder vor, sagt er. „Es kommt auch immer darauf an, ob Sie Sachen offen herumliegen lassen“, meint Schulz. „In einem Raum, in den im Prinzip jeder hinein kann.“

Für Karin Bauer-Haag ist klar, dass ihre Freundin die Wertsachen auch in den Tresor hätte einschließen können. Darauf verweist auch Pressesprecher Westbomke. Privatpatienten auf der Komfortstation hätten in ihren Zimmern Tresore, ansonsten  gebe es zentrale Tresore auf den Stationen. Diesen Aufbewahrungsort empfiehlt auch Polizeisprecher Schulz: „Dort wird es kaum Tresore geben, die jemand aufbricht – weil es ja schnell gehen muss.“

Rat an künftige Patienten: „Nichts Wertvolles mitnehmen“

Frank Westbomke schildert das Vorgehen der Klinik so: „Die Patienten werden nach der stationären Aufnahme von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Stationen auf die Problematik hingewiesen.“ Am besten sei es aber, wenn die Angehörigen Wertsachen mit nach Hause nähmen. „Alle Patienten speziell mündlich darauf hinweisen, dass in der Klinik Diebe unterwegs sind“, fordert Karin Bauer-Haag.

Die Ottenbacherin war über den Diebstahl im Zimmer ihrer Freundin „geradezu geschockt“. Sie kann nun „allen zukünftigen Patienten“ nur empfehlen: „Nichts Wertvolles mitnehmen!“

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