Göppingen Die Wurst und das Klima

Am Marktplatz gabs fair gehandelte Produkte zum Probieren (li.). Silas (6) erhält von Sieglinde Gebhardt eine Vesperdose (re). Fotos: Christine Böhm/Axel Raisch
Am Marktplatz gabs fair gehandelte Produkte zum Probieren (li.). Silas (6) erhält von Sieglinde Gebhardt eine Vesperdose (re). Fotos: Christine Böhm/Axel Raisch
Göppingen / AXEL RAISCH CHRISTINE BÖHM 23.04.2012
Mit Aktionen in Göppingen und Rechberghausen beteiligten sich am vergangenen Wochenende auch Akteure im Landkreis am vom Umweltministerium des Landes ausgerufenen Nachhaltigkeitstag.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Ressourcen dagegen sind endlich. Darauf wurde am vergangenen Wochenende im Rahmen der vom baden-württembergischen Umweltministerium ausgerufenen Nachhaltigkeitstage landesweit aufmerksam gemacht. Zwei von insgesamt rund 400 Aktionen fanden in Göppingen statt.

In der Fußgängerzone gab es an Ständen des Weltladens, der Wirtschaftsförderung oder der Energieagentur es viel zu entdecken. Brotaufstrich aus Curry und Ananas, Möglichkeiten zur energetischen Sanierung oder die faire Beschaffung von Materialien standen im Mittelpunkt. Eckhardt Stübler und seine Kollegen vom Weltladen waren mit der Resonanz zufrieden. Die Leute probierten, kamen miteinander ins Gespräch und informierten sich.

Die Lokale Agenda 21 informierte über ihre Arbeitskreise und vom Forstamt lagen Flyer über Nachhaltigkeit im Wald aus. Christine Kumpf, die Wirtschaftsförderin der Stadt, diskutierte mit den Passanten über Elektromobilität, während es nebenan um Heizsysteme für private Haushalte ging. Ein Roller der Stadtverwaltung stand bereit und konnte aus der Nähe betrachtet werden. "Viele reden mit mir über das Thema Infrastruktur", sagte Kumpf. Wichtig sei es, dass die Stadt sich Gedanken über das Aufladen und Parken der Fahrzeuge mache. Da gebe es noch viel zu tun.

Zum nachhaltigen Würstchenessen hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) auf den Wertstoffhof beim Müllheizkraftwerk eingeladen. Wo nicht mehr benötigte Dinge und Abfall schon seit Jahren nicht als Müll sondern als Wertstoff begriffen werden, war der Grill von Abfallberaterin Sieglinde Gebhardt und ihren Kolleginnen Brigitte Schmidt und Anja Blum stationiert: neben Containern, die Pappe, Elektroschrott, Glas und andere Materialien der modernen Zivilisation einer erneuten Verwertung zuführen.

Am Infotisch war ein vielfältiges Angebot an Material des Ministeriums ausgelegt. Unter dem Motto "Ab in die Zukunft" wurden "Reisepässe" für Kinder zur Sensibilisierung für ein ökologisches Morgen, Reiseproviant mit nachhaltig erzeugten Apfelchips verschenkt. Zusätzlich gab es die AWB-Vesperdose, die jedes Jahr an alle Abc-Schützen im Kreis verteilt wird, und so zur Einsparung von Abfall beiträgt.

Was mache ich mit alten CD, wo kommt der Elektroschrott hin, wie trenne ich Glas richtig und vor allem - wie kann ich mir den Weg zum Wertstoffhof nächstes Mal unter Umständen sparen, also: Wie vermeide ich Müll? Danach erkundigte sich an diesem Samstag am Würstchenstand allerdings kaum jemand. Denn diese Aufklärungsarbeit leisten die Mitarbeiter auf dem Hof an jedem Öffnungstag.

Die Schlange der Bürger, die ihre Wertstoffe dort entsorgten, war wie fast jeden Samstag groß. Die drei Damen am Grill hatten keine Mühe, das Thema Nachhaltigkeit den meist sehr aufgeschlossenen Bürgern näherzubringen. Die angebotenen Produkte waren natürlich nachhaltig hergestellt. Keine Brötchen, die einmal als Teiglinge aus Tunesien importiert wurden, sondern von einem Bäcker aus Faurndau stammten, um dann zusammen mit Würstchen aus Heiningen verkauft zu werden. Regionale Produkte anzubieten und zu kaufen, das versteht auch Edgar Farion unter Nachhaltigkeit, der an diesem Samstag das Angebot gerne annahm und ein Würstchen kaufte nachdem er seinen Abfall entsorgt hatte.

Der Erlös aus dem Verkauf der Würstchen kam der gemeinnützigen Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderungsgesellschaft (SAB) zugute. Das fanden die Käufer der Würste klasse. Die Tatsache, dass die Würstchen "für eine gute Sache verkauft werden", hat auch Christine Steeb an den Grill geführt. Sie kennt das Projekt SAB und gehört auch selbst zu den Kunden des von der SAB betriebenen, nachhaltig wirtschafteten Waldeckhofs.