Engagement Die Vesperkirche lädt wieder ein

Göppingen / Michael Bauer 07.01.2018
Am Samstag eröffnete die Vesperkirche mit einem Gottesdienst ihre Pforten. Alle sind eingeladen, vom Obdachlosen bis zum Banker.

Wir schalten nun live in die Stadtkirche nach Göppingen“ schallt es aus den Lautsprechern. Diese Ansprache war definitiv etwas Neues für die Vesperkirche. Obwohl sie bereits zum 23. Mal stattfindet, war die Liveübertragung im Radio eine Besonderheit. Bei der Generalprobe am vergangenen Freitag war alles gut gelaufen, dennoch beeindruckte die Anwesenheit des SWR4 auch den evangelischen Dekan Rolf Ulmer: „Es war auf jeden Fall irgendwie aufregend, und ich bin besonders froh über die tatkräftige Unterstützung aller Anwesenden.“

Den Eröffnungsgottesdienst mitgestaltet hat neben Ulmer der Leiter des Hauses Linde, Wolfgang Baumung. Die Einrichtung kümmert sich um Wohnungslose und ist zusammen mit der Stadtkirchengemeinde Oberhofen und der Wilhelmshilfe Organisator der Vesperkirche. Musikalische Unterstützung erhielt der Gottesdienst durch Kirchenmusikdirektor Gerald Buß mit der Rentnerband und durch den Leiter der Göppinger Kantorei, Klaus Rothaupt, an der Orgel.

Über 120 Besucher waren gekommen, um gemeinsam „im Gasthaus unabhängig vom sozialen Status an Christus zu denken und eine warme Mahlzeit einzunehmen“, wie Dekan Ulmer erklärte.

Schon bei der Vesperkirche 2017 waren 8831 Essen über den Tisch gegangen. Für das Gelingen der Vesperkirche sind 73 ehrenamtliche Mitarbeiter und viele Spenden nötig, um die Kosten von über 50 000 Euro zu deckeln. So ging auch das Opfer des Einweihungsgottesdienstes an die Vesperkirche für alle benötigten Hilfsmittel.

Wichtig für Rolf Ulmer ist besonders das Ausleben der Werte wie Nächstenliebe, Toleranz, Respekt und Gemeinsamkeit. So soll das Gleichnis der Heiligen Drei Könige und die Suche nach dem neugeborenen König, der statt in einem Palast in einer Futterkrippe auf die Welt gekommen ist, zeigen, dass der reine äußere Schein nichts über die inneren Werte einer Person aussagt.

„In der Vesperkirche kommen alle Menschen zusammen. Egal ob Obdachloser und Bankangestellter oder Hartz-4-Empfänger und Doktor – alle sind gleich. Und diese Werte sollen gelebt werden“, sagt Ulmer.

Auch eine treue Besucherin äußert sich zu diesem Anliegen: „Es ist schön zu sehen, was die Vesperkirche alles erreichen kann und für mich immer wieder ein kleines großes Wunder.“

Diakonisch, solidarisch, Gemeinschaft. Dafür steht die Vesperkirche. Auch wenn jeden Tag rund 200 Gäste erwartet werden, ist das mindeste Ziel kein weiterer Anstieg der Besucherzahlen.

„Wenn weniger Besucher kommen heißt das gleichzeitig, dass es vielen Menschen besser geht. Und das ist das große Ziel“, erklärt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Bis dahin ist das Ziel: „Bindungen schaffen und Gemeinschaft leben“, wie Ulmer sagt. Daher steht die Vesperkirche auch weiterhin für die nächsten sechs Wochen als ein Ort der Toleranz und Nächstenliebe, an dem jeder eine warme Mahlzeit erhalten kann.

Vesperkirche findet schon zum 23. Mal statt

Aktion Bis zum 18. Februar stehen die Türen der Vesperkirche offen. Die Aktion findet in diesem Jahr bereits zum 23. Mal statt.

Finanzierung Um die weit über 8000 Essen, die vergangenes Jahr ausgegeben wurden, zu finanzieren, wurden  letztes Jahr mehr als 50 000 Euro aufgewendet. Diese kamen durch die Beiträge der Gäste zusammen, außerdem durch Spenden und Opfer von Gottesdiensten.

Öffnungszeiten Die Vesperkirche ist täglich von 11.30 bis 13.30 Uhr geöffnet.

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