"Ich habe mir eingebildet, ich wüsste viel über Krebs", sagte Professor Martin Bleif, der seit 2012 Radioonkologe an der Klinik am Eichert ist, beim zweiten Themenabend im Rahmen der Göppinger Hospiztage 2014, an dem er sein Buch "Krebs - die unsterbliche Krankheit" in den letzten drei Kapiteln vorstellte. Der Anstoß zum Buch war die Erkrankung seiner Frau Imogen an Brustkrebs, die im April 2008 diagnostiziert wurde. Seine Frau, die selbst Medizinerin war, starb im März 2010.

"Ein unheimlicher Dritter drängte sich zwischen uns", beschrieb Bleif seine persönliche Erfahrung mit der Krankheit, die trotz intensiver Forschung und modernster medizinischer Methoden und Technik noch immer nicht überwunden werden kann. Jährlich erkranken in der Bundesrepublik etwa 500 000 Menschen an Krebs. An Brustkrebs beispielsweise erkranken in Deutschland jede Zehnte, in den USA jede Achte und in Thailand jede Achtzigste.

Bleif sprach von vielfältigen Ursachen wie Ernährung, lange Einnahme von Östrogenen und dem Einfluss hormoneller Zyklen, aber es gebe nicht die Krebspersönlichkeit. Brustkrebs nehme zu durch die höhere Lebenserwartung und vielleicht auch durch die bessere Diagnostik, aber auch alterskorrigiert nehme insgesamt die Häufigkeit zu.

Es gebe viele Formen und Arten von Krebs und manche könnten gut therapiert und geheilt werden. Krebs beginne immer lokal und die Metastasierung sei quasi "die rote Linie". Er zeigte verschiedene Therapieformen auf und ging auf Schulmedizin und Alternativmedizin ein. Für ihn geht es darum, dass Verfahren in Studien und Praxistests den Nachweis von Wirksamkeit erbringen müssten. "Hoffnung ist ein irrlichter Vogel", sagte er, und so habe auch er seiner Frau einen Indianertee zubereitet, obwohl dessen Wirksamkeit nicht erwiesen sei. Der Tee sei zum Zeichen von Liebe und Vertrauen geworden. Wenn der Krebs nicht besiegt werden könne, müsse man einen Perspektivwechsel vornehmen und mit ihm leben und nicht gegen ihn.

In der Diskussion wurden viele Detailfragen gestellt. Der Vorsitzende des Fördervereins Hospizbewegung, Michael Kröner, hatte die Teilnehmer in der Stadtkirche begrüßt, und das Göppinger Allegria-Quartett spielte zur Umrahmung einzelne Sätze aus Streichquartetten von Haydn und Mozart.

Die letzte Veranstaltung im Rahmen der 14. Göppinger Hospiztage findet am Montag, 17. November, um 19 Uhr in der evangelischen Waldeckkirche statt. Gezeigt wird der Film "Blaubeerblau" und im Anschluss gibt es die Möglichkeit zu Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ambulanten und stationären Hospizdienstes.