Ein Traum in Flieder und Creme, Organza über einem gestärkten Unterrock - das Teil würde auch heute noch jede Frau schmücken, vorausgesetzt, sie hätte eine so schmale Taille wie die Trägerin, der es einst auf den Leib geschneidert wurde. Nicht immer kann Uwe Geiger solche Raritäten aus den Kartons zaubern, wie jenes zauberhafte Kleidchen, das sich eine Ebersbacherin 1958 schneidern ließ und später dem Stadtmuseum überlassen hat. Über solche Geschenke freut sich der Leiter des Ebersbacher Stadtmuseums und -archivs ganz besonders. Denn nicht alles, was dem Museum vermacht wird, ist so gut erhalten.

In der "Kleiderkammer" des Magazins im Obergeschoss des Feuerwehrmagazins stapeln sich Kartons in raumhohen Regalen - sauber beschriftet: Kleider, Schürzen, Hüte, Nachthauben und -hemden, die komplette Berufskleidung einer Krankenschwester - Haube, graues Kleid und Schürze. Kleidungsstücke, die vom Leben und Alltag der Ebersbacher in früheren Jahren berichten. Und dann packt Uwe Geiger ein "richtige Schätzchen" aus: ein moosgrünes, gefüttertes Damenjäckchen mit Samtkragen. Das aus bester Stoffqualität sorgfältig gearbeitete Gewand einer Bäuerin aus dem Jahr 1880 ist zugleich die älteste Textilie des Museums.

Für vieles, was sich im Lauf der Jahrzehnte angesammelt hat, hat das Museum nicht unbedingt Verwendung. "Aber wenn es sich um Unikate oder typische Zeitzeugnisse handelt, wäre es schade sie wegzuwerfen", erklärt Uwe Geiger. Deshalb hat auch der plastikumrandete, knallfarbene Schminkspiegel aus den 60er Jahren seinen Platz in der Museumssammlung. Immer wieder finden sich auch richtige Raritäten in den Regalen, wie ein Ofenstein aus dem Jahr 1777 oder die Front einer bemalten Truhe aus einem Bauernhaus in Bünzwangen aus dem Jahr 1757. "Die war so vollgestopft, dass wir nur noch das Vorderteil bewegen konnten", erzählt Geiger und lacht.

Viele der Objekte im Magazin hat der frühere Heimatkundeverein liebevoll zusammengetragen. Später, ab der Aufbauphase des Museums, sei gezielter gesammelt worden, erläutert der Stadtarchivar. Die meisten der rund 7000 Objekte stammen aus Schenkungen. Auch bei Haushaltsauflösungen gilt es, die Augen offen zu halten. Geiger deutet auf eine Rabattkarte der früheren Ebersbacher Milchverwertungsgenossenschaft - nicht von materiellem, aber historischem Wert. "Solche Dinge finden sich immer wieder im Altpapier", erklärt der Museumsleiter. Nudelmaschinen jedoch werden definitiv nicht mehr angenommen. "Davon haben wir so viele, dass wir sie durchaus auch mal für museumspädagogische Zwecke nehmen können", fügt Geiger hinzu. Es sei wichtig, auch mal demonstrieren zu können, wie die Dinge funktionieren.

"Geschichte ist besser vermittelbar, wenn die Leute etwas greifen und ausprobieren können oder wenn die Ausstellungsstücke eine Geschichte erzählen", weiß Geiger aus Erfahrung. Die Mini-Dampfmaschine, die ein Ebersbacher Schlossermeister gemeinsam mit seinem Schwager, einem Ingenieur, gebaut hat, gehört für Geiger zweifelsfrei in diese Kategorie und das mache sie für das Museum wertvoll. Der Dampf wird elektrisch produziert, die beiden Tüftler haben das Heizelement eines Bügeleisens eingebaut.

Einige Teile haben die Konstrukteure auch bei der Firma Märklin erworben, weiß der Museumsleiter. "Da steckt viel Herzblut drin", erzählt er und freut sich, dass der Besitzer die Dampfmaschine noch zu Lebzeiten dem Museum vermacht hat. Die Ebersbacher werden das aufwändig konstruierte Spielzeug in der Herbstausstellung zum Thema 150 Jahre Industrie in Ebersbach bewundern können.